Ein Mädchen setzt mit sicherem Handgriff eine bunte Maske auf den Mund.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Die erste Quarantäne, der erste Patient

Zwei Jahre Corona - So begann in RLP die Pandemie

STAND
AUTOR/IN

2020 geht es los: In Deutschland wird am 27. Januar erstmals ein Mensch positiv auf das Coronavirus getestet. Danach überschlagen sich die Ereignisse in Rheinland-Pfalz.

Es ist am späten Abend am 27. Januar 2020 als die Gesundheitsbehörden in Bayern den ersten Corona-Fall bestätigen. Ein Mann aus dem Kreis Starnberg hat bei einer Schulung seiner Firma Kontakt zu einer Kollegin aus Shanghai, die dort kurz zuvor Besuch von ihren Eltern aus Wuhan hatte.

Video herunterladen (9,7 MB | MP4)

Reisende aus Wuhan im Fokus

Diese allererste von mittlerweile rund neun Millionen Infektionen in Deutschland ist den Behörden damals sogar eine Pressekonferenz wert. Gesucht wird nach Kontaktpersonen. "Die müssen ermittelt werden und wir empfehlen hier eine häusliche Isolierung", sagt der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf.

Rheinland-Pfalz

Entwicklung der Pandemie Sieben-Tage-Inzidenz sinkt unter 400, acht neue Todesfälle

Das Landesuntersuchungsamt meldet am Montag 3.595 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist im Wochenvergleich weiter gesunken und liegt jetzt unter 400.  mehr...

Dass dies der Anfang einer Pandemie ist, ahnt kaum jemand. Das Bundespresseamt teilt damals mit, die Gefahr, dass sich das Coronavirus in Deutschland ausbreiten könnte, sei sehr gering.

Vergleich zur Grippe wird 2020 oft gezogen

Die damalige rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) rät dazu, Ruhe zu bewahren.

Es handele sich um eine Viruserkrankung wie auch die Grippe eine sei. 20.000 Menschen seien an der Grippewelle 2017/2018 in Deutschland gestorben. "Und es hat keine Abriegelung von ganzen Städten oder Dörfern gegeben", erinnert Bätzing-Lichtenthäler. Sie warnt damals vor einer Verharmlosung von Corona und ruft zu Präventionsmaßnahmen auf und dazu, Kontaktpersonen zu ermitteln und Quarantänemaßnahmen durchzusetzen.

Inzwischen wissen besonders Familien mit Kindern, was Quarantäne bedeutet. Vor zwei Jahren sorgt die Quarantäne von Rückkehrern aus der chinesischen Provinz Wuhan in einer Kaserne im pfälzischen Germersheim für Schlagzeilen. Menschen in weißen Schutzanzügen - wie man sie heute aus jeder Teststation kennt - eskortieren sie.

Erster Corona-Patient in RLP mit Heinsberg-Bezug

Den ersten bekannten rheinland-pfälzischen Corona-Patienten gibt es rund einen Monat nach dem Bekanntwerden in Bayern: Ein infizierter Soldat der Flugbereitschaft kommt am Aschermittwoch, den 26. Februar 2020 ins Koblenzer Bundeswehrzentralkrankenhaus.

Er hat sich am 15. Februar bei einem Bekannten aus dem Kreis Heinsberg angesteckt und danach Karneval gefeiert. Damals kann sich kaum jemand vorstellen, dass Fastnacht und Rosenmontag für zwei Jahre in Folge ausfallen werden.

Hamsterkäufe, geschlossene Schulen, Lockdown

Es ist manchmal erstaunlich, wie viel in relativ kurzer Zeit geschehen kann. Am Freitag, den 13. März 2020 gibt Rheinland-Pfalz bekannt, nach dem Wochenende die Schulen zu schließen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Ein Schock für viele Schüler und Schülerinnen, Eltern und Lehrer und Lehrerinnen. Homeschooling ist eine Herausforderung.

Kurz danach der erste Lockdown. Gastronomie, Einzelhandel und Sportstätten sind dicht. Gibt es etwas Positives in der Zeit? Immerhin gibt es keinen Hausarrest wie in Italien und und Klopapier dürfte - mit oder ohne Hamsterkäufe - auch in jedem Haushalt vorhanden gewesen sein.

"Wie lange das dauert, kann niemand sagen."

Wann wird aus der Pandemie eine Endemie, also wann ist das Schlimmste mit Corona überstanden? Diese Frage beschäftigt uns noch heute. Am 21. März 2020 zitiert die Rhein-Zeitung aus Koblenz die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) so zum Lockdown: "Es gibt unterschiedliche Ansichten dazu, wie lange das geht oder nicht. Die einschneidenden Maßnahmen haben wir verkündet, weil wir darauf setzen, die Kurve zunächst abzuflachen. Wie lange das dauert, kann niemand sagen. Aber ich bleibe dabei: Wir tun jetzt alles für die Gesundheit der Menschen."

Drosten ist nur in Fachkreisen bekannt

Gegen Covid-19 gibt es vor zwei Jahren noch keinen Impfstoff, der Virologe Christian Drosten ist damals zwar in Fachkreisen bekannt, aber nicht in der breiten Bevölkerung. Drosten selbst warnt damals in SWR Aktuell noch nicht so sehr vor dem Virus, sondern vielmehr vor der Angst davor.

"Ich glaube, es ist im Moment nicht die richtige Überlegung, Angst zu haben, wenn man nach Asien einschließlich Wuhan reist", sagt Drosten SWR Aktuell. "Ich denke, im Moment muss man sich in Deutschland als normaler Bürger gar keine Sorgen machen", soweit die Einschätzung des Virologen vor zwei Jahren.

Auch der Mainzer Virologe Bodo Plachter von der Universitätsmedizin Mainz sagt im März 2020: "Im Prinzip muss jemand, der nicht in diese Risikogruppen gehört, nicht vor diesem Virus Angst haben." Es gehe vor allem darum, das Gesundheitssystem zu entlasten und vulnerable Gruppen zu schützen. 

Wissenschaft zu Corona entwickelt sich weiter

Damals sei die Forschung zu dem neuen Virus gerade erst richtig losgegangen, erklärt Ulrike Till aus der SWR-Wissenschaftsredaktion. "Erst im Frühjahr 2020 wurde klar, dass der Erreger sich über die Luft verbreitet und damit viel ansteckender ist als gedacht. Auch dass viel mehr Patienten sterben als mit Grippe, zeigte sich erst nach und nach – die Forschung hat auf die neuen Erkenntnisse aber immer sofort reagiert, genau das zeichnet gute Wissenschaft aus."

Und obwohl man damals noch nicht viel über das Virus weiß, mahnt Christian Drosten im SWR schon vor zwei Jahren: "Es ist sicherlich so, dass wir im Moment Labore ausstatten müssen, damit im Zweifelsfall der Test überall gemacht werden kann auf dieses neue Virus."

Hätte die Politik damals mehr auf Wissenschaftler wie Drosten gehört, könnten heute womöglich mehr PCR-Tests in Deutschland durchgeführt werden als aktuell 300.000 am Tag.

Rheinland-Pfalz

Aktuelle Informationen Länder fordern Masterplan für mögliche Corona-Welle im Herbst

Corona-Regeln, aktuelle Zahlen und alles rund ums Impfen: Die wichtigsten Entwicklungen zum Coronavirus in Rheinland-Pfalz finden Sie hier bei uns im Liveblog.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Entwicklung der Pandemie Sieben-Tage-Inzidenz sinkt unter 400, acht neue Todesfälle

Das Landesuntersuchungsamt meldet am Montag 3.595 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist im Wochenvergleich weiter gesunken und liegt jetzt unter 400.  mehr...

Wann wird die Corona-Pandemie zur Endemie?

Mit der neuen Omikron-Variante wächst die Hoffnung auf einen schnelleren Weg in eine Endemie. Doch was ist das und wann könnte es soweit sein?  mehr...

STAND
AUTOR/IN