Am Ende des Fertigungsprozesses wird die Wellpappe gebündelt. Auch in Rheinland-Pfalz hat die Wirtschaft harte Zeiten hinter und vor sich: Zu Corona kommt die Ukraine-Krise. Trotzdem bringen sich viele Firmen ein und unterstützen Geflüchtete. (Foto: Pressestelle, Pressestelle)

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Unternehmer helfen: "Erst mal herkommen und sich sicher fühlen"

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Christoph Mautes

Auch in Rheinland-Pfalz hat die Wirtschaft harte Zeiten hinter und vor sich: Zu Corona kommt die Ukraine-Krise. Trotzdem bringen sich viele Firmen ein und unterstützen Geflüchtete.

Bis unter die Decke der Fabrikhalle türmen sich in der Sausenheimer Wellpappenfabrik - in einem Ortsteil von Grünstadt - meterhoch große, braune Papierrollen. Das Papier - das Ausgangsmaterial für die Fertigung der Wellpappe - kauft das Unternehmen zu. Allerdings mittlerweile zu anderen Preisen als früher. "Zu sehr anderen Preisen. Die Preise haben sich fast verdoppelt. Also was wir hier haben, ist blankes Gold", erklärt Detlev Wessel von der Geschäftsleitung.

Das Rohpapier-Lager - Rohstoff für die Produktion von Wellpappe - bindet derzeit durch die enorm gestiegenen Kosten noch mehr Kapital. (Foto: Pressestelle, Pressestelle)
Das Rohpapier-Lager - Rohstoff für die Produktion von Wellpappe - bindet derzeit durch die enorm gestiegenen Kosten noch mehr Kapital. Pressestelle Pressestelle

Kostenexplosion bei Material, Energie und Rohstoffen

Teures Material bedeutet für den mittelständischen Betrieb am Ende weniger Gewinn. Die Auswirkungen der Pandemie und des Krieges in der Ukraine bekommt die Fabrik deutlich zu spüren.

Als weiterer kritischer Kostenfaktor kommt inzwischen dazu: Die meiste Energie für die Produktion wird aus Gas gewonnen. Die Energiepreise seien mit die größte Belastung, erzählt Wessel.

Explosion der Kosten für Rohstoffe, Material, Energie: Die Produktion von Wellpappe ist deutlich teurer geworden durch Pandemie und Ukraine-Krieg.  (Foto: Pressestelle, Pressestelle)
Explosion der Kosten für Rohstoffe, Material, Energie: Die Produktion von Wellpappe ist deutlich teurer geworden durch Pandemie und Ukraine-Krieg. Pressestelle Pressestelle

Und noch ein, etwas überraschendes, Problem kommt dazu: "Wir müssen hier verschiedene Papiere verleimen, damit sie Wellpappe ergeben und setzen dafür Getreidestärke ein." Auch diese Stärke ist wesentlich teurer geworden und kam bisher - zumindest zum Teil - aus der Ukraine. Die Firma muss wohl ihre Beschaffung umplanen.

Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine

Trotz aller eigenen Probleme engagiert sich das Unternehmen inzwischen für Geflüchtete aus der Ukraine. Wessel erinnert sich: "Das kam über ein kirchliches Netzwerk, was hier im Dorf Sausenheim stark etabliert ist. Ich weiß nur, dass wir gefragt wurden, ob wir helfen würden. Und der Satz war noch nicht beendet, da haben wir gesagt, ja, natürlich."

Vier Frauen mit insgesamt fünf Kindern sind seit Sonntag in firmeneigenen Wohnungen untergekommen, werden von Mitarbeitern oder deren Angehörigen mit dem Nötigsten versorgt und unterstützt.

Geflüchtete aus der Ukraine werden freundlich empfangen und können in den Werkswohnungen der Firma Wellpappe Sausenheim unterkommen - im ehemaligen Bahnhof des Orts. (Foto: Pressestelle, Pressestelle)
Geflüchtete aus der Ukraine werden freundlich empfangen und können in den Werkswohnungen der Firma Wellpappe Sausenheim unterkommen - im ehemaligen Bahnhof des Orts. Pressestelle Pressestelle

IHK kennt die Probleme sozial engagierter Unternehmen

Eines von vielen Beispielen aus der rheinland-pfälzischen Wirtschaft, sagt Günter Jertz von der IHK Rheinhessen über die engagierten Unternehmen. "Sie wollen helfen. Sie beteiligen sich an Hilfstransporten. Sie beteiligen sich an Spendenaktionen."

Die größte Hilfe seien allerdings Arbeitsplätze. Das Ziel der Unternehmen sei, so Jertz: "Dass wir Leute, die hier sind, in Arbeit bringen. Dass sie auch ein bisschen was an Geld verdienen, und davon auch die Familienmitglieder, die zu Hause bleiben mussten, profitieren können."

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Ohne Aufenthaltserlaubnis keine Beschäftigung

Das sei aber nicht immer einfach, sagt uns Detlev Wessel in Sausenheim. Denn erst einmal brauchen die Geflüchteten eine Aufenthaltserlaubnis. Das dauere manchmal und vorher dürften sie gar nicht arbeiten.

Wenn das so weit ist, stelle man auch gerne bis zu fünf Arbeitsplätze zur Verfügung - zusätzlich zum bisherigen Personalbedarf, um zu helfen. Vorerst hätten aber andere Dinge Priorität, weiß der Unternehmer. "Sie haben genug damit zu tun, ihre Männer zurückzulassen. Sie sollen erstmal herkommen und sich sicher fühlen."

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