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Der Sommer steht vor der Tür - und mit ihm für viele Kinder und Jugendliche endlich die Aussicht auf ein paar unbeschwerte Tage im Zeltlager. Wie eine Jugendfreizeit ganz konkret organisiert werden kann - und zwar Corona-konform, zeigt ein Beispiel aus Mainz.

Die katholische junge Gemeinde Mainz-Laubenheim (KJG) hat für den August eine Freizeit für 120 Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren auf die Beine gestellt, 80 haben sich bereits angemeldet. Ziel ist Deudesfeld in der Vulkaneifel, hier wollen die Kinder gemeinsam zelten und Spaß haben. Doch die Vorbereitung hatte es in sich - denn es gab für Veranstaltungen dieser Art noch keine offizielle Richtlinie.

"Vier Tage lang haben mehrere Mitarbeiter von uns an dem Zeltlager-Konzept gearbeitet", erzählt Magdalena Schweickhardt, die seit sieben Jahren Freizeiten organisiert, auf SWR-Nachfrage. Das sei ein immenser Mehraufwand gewesen. Inzwischen sei das eigens erstellte Hygienekonzept vom zuständigen Kreis- und Gesundheitsamt genehmigt worden.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Aufteilung in Kleingruppen

Am Mittwoch hat das Gesundheitsministerium ein allgemein gültiges Hygienekonzept für Jugendfreizeiten veröffentlicht. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte auf SWR-Nachfrage, dieses Konzept sei bindend für alle Veranstaltungen dieser Art, einzelne Genehmigungen seien - von Ausnahmen abgesehen - nicht mehr nötig.

Dem Konzept zufolge sollen die Jugendfreizeiten - "soweit möglich - in fest betreute Kleingruppen aufgeteilt werden". Außerdem gelte das Abstandsgebot von 1,5 Metern ab 10 Personen, bei sportlichen Tätigkeiten mit entsprechendem Aerosolausstoß ein Mindestabstand von drei Metern. Aus Sicht von Magdalena Schweickhardt ist das Konzept aber an vielen Stellen unkonkret - deshalb will sie anderen Veranstaltern von Zeltlagern und Jugendfreizeiten helfen und hat das eigene Konzept auf der Homepage der KJG Mainz-Laubenheim zur Verfügung gestellt. Hier einige Auszüge:

Bausteine für ein Hygiene-Konzept

  • Gruppengröße: Die Teilnehmer werden in Gruppen von 10 Personen aufgeteilt - sie sollen während der gesamten Zeit durch angepasste Programmabläufe nicht miteinander in Kontakt kommen
  • Mitarbeiter-Teams: Auch die Mitarbeiter werden in Teams aufteilt: So gibt es ein Einkäufer-Team, ein Küchen-Team, ein Gruppenleiter-Team und ein Medien-Team
  • Einkaufen: Nur Frische-Produkte sollen während der Freizeit eingekauft werden, alles andere soll vorher besorgt werden
  • Zelte: Um die Zelte herum werden "Abstandszonen" abgesteckt, außerdem werden die Zelte während des Tages durchgelüftet
  • Essen: Es gibt keine Besteckkörbe, Salzstreuer oder Ähnliches, an denen sich die Teilnehmer selbst bedienen. Das Essen wird von der Küche in vorgefertigten Portionen an die zugehörigen Gruppenleiter ausgegeben.
  • Sanitäranlagen: Zähneputzen nach dem Frühstück und nach dem Abendessen erfolgt zeitlich gestaffelt nach Gruppen. Jede Gruppe bekommt feste Duschzeiten zugewiesen. Die Duschen werden anschließend von den verantwortlichen Betreuern desinfiziert.
  • Fiebermessen: Zu Tagesbeginn wird vor Eintritt in die Küche bei jedem Küchenmitglied Fieber gemessen. Bei Krankheitssymptomen ist das Betreten der Küche untersagt. Außerdem messen die Betreuer jeden Morgen die Temperatur ihrer Kindergruppe und bei sich selbst
  • Spiele: Es werden keine Großgruppen- sowie Nachtspiele durchgeführt. Das Zeltlagerprogramm soll sich im Wesentlichen durch Stationsspiele gestalten. Die Gruppen spielen in großem Abstand zueinander, Stationen werden abgesteckt und dürfen erst betreten werden, sobald die vorherige Gruppe weg ist und der Leiter der Station das OK gibt
  • Basteln: Es wird eine verantwortliche Person bestimmt, die für Ausgabe von Material, Entgegennahme und Dokumentierung verantwortlich ist. Eine Materialausgabe ist nur mit Namensliste möglich
  • Lagerfeuer: Am Feuer sitzen die Kinder in abgesteckten Zonen in ihrer jeweiligen Gruppe

Corona-Tests auch für Jugendgruppen

Neben den restrikten Hygienemaßnahmen gibt es aus Sicht von Magdalena Schweickhardt aber noch eine andere Möglichkeit, Zeltlager auch in Corona-Zeiten durchzuführen: Alle Betreuer und Kinder müssten zu Beginn und am Ende der Jugendfreizeit auf das Coronavirus getestet werden, findet sie. Dann sei eine unkontrollierte Ausbreitung weitgehend ausgeschlossen.

"Man hört immer wieder, dass in Deutschland noch Testkapazitäten frei sind - die könnten wir gut gebrauchen!" Wenn alle Kinder negativ getestet würden, könnte man sogar überlegen, ob die strikte Gruppentrennung in manchen Punkten gelockert werden könne.

Keine großen Zeltlager in Sicht Neue Corona-Regeln: Ferienfreizeiten nur in Kleingruppen

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