Schottergarten vor einem Wohnhaus (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Carmen Jaspersen)

Immer mehr Kommunen sprechen Verbote aus

Schottergarten - Todeszone bei 60 Grad

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Die Zahl der deutschen Vorgärten, die mit grauem Schotter gefüllt sind, steigt seit Jahren an. Grün, mit Pflanzen und Kleinsttieren fehlt vielerorts. Kommunen reagieren. Beispielsweise die Stadt Mainz.

Die sogenannte "Begrünungs- und Gestaltungssatzung" sorgt ab Oktober dafür, dass auf dem Gebiet der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt bei Neubauten keine Schottergärten mehr angelegt werden dürfen. Ein Schritt, den der Naturschutzbund (NABU) im Land begrüßt.

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NABU: Schottergärten sind ökologisch wertlos

NABU-Sprecher Torsten Collet teilt auf SWR-Anfrage mit, dadurch, dass Gärten zum Teil oder komplett mit Schotter, Kies oder sonstigen Steinen bedeckt und somit mehr oder weniger versiegelt würden, böten diese Steinwüsten ohne geeignete Nektar- und Futterpflanzen den Insekten und Vögeln keine Nahrung und seien ökologisch wertlos. Eine Lanze bricht Collet allerdings für Steingärten:

"Es ist durchaus zwischen echten Steingärten und den neuen Steingärten zu unterscheiden. So haben Steingärten bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts in die Gartenkultur Eingang gefunden. Zweck des Steingartens ist es, unter Verwendung von Kies, Steinen oder Splitt, einen optimalen Standort für Pflanzen aus der Gebirgsflora oder für trockenheitsverträgliche Pflanzen herzustellen. Ein vielfältig gestalteter Steingarten kann daher durchaus artenreich sein."

"Todeszonen für das Leben"

Für SWR-Gartenexpertin Heike Boomgarden sind Schottergärten vor dem Hintergrund des Klimaschutzes und der Biodiversität - also, der biologischen Vielfalt im Garten - keine Alternative: "Auf Schotter kann nichts leben, es gibt keinen Biotopverbund. Das heißt, das eine Leben kann nicht zum anderen Garten wandern. Kröten können nicht wandern, sogar eine Sandbiene, die nur 50 Meter fliegen kann, kommt nicht von einem Garten zum anderen. Das heißt, es sind Todeszonen für das Leben."

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Umweltministerium rät von Schottergärten ab

Auf der anderen Seite, so Boomgarden stehe der Klimaschutz: Schottergärten erhitzten sich bis auf 60 Grad. "Da kommen wir schon fast zu einem gesundheitlichen Problem. Wenn die Tag-Nacht-Temperaturen nicht mehr absinken auf solchen Flächen, ist das natürlich für die Gesundheit der Bewohner der Häuser sehr problematisch, gerade für ältere Menschen", so die Gartenexpertin. Wie viele Schottergärten es aktuell in Rheinland-Pfalz gibt, darüber hat das Umweltministerium eigenen Angaben zufolge keine Informationen.

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Aber auch das Ministerium rät von Schotter im eigenen Vorgarten ab. Pflanzen verdunsteten Feuchtigkeit und kühlten die unmittelbare Umgebung ab, Steine könnten das nicht, so das Ministerium auf Anfrage des SWR. Dichtes Blattwerk von Bäumen und Sträuchern im Vorgarten filterten zudem Staub aus der Luft und kühlten. Das Ministerium wirbt für naturnahe Gärten mit heimischen Pflanzen.

Kommunale Verbote - keine Vorgaben auf Landesebene

Den Schritt, den die Stadt Mainz jetzt mit dem Verbot von Schottergärten geht, sind andere Kommunen in Rheinland-Pfalz bereits gegangen. Dazu gehören Neuwied, Montabaur, Speyer und Kaiserslautern. Ein Verbot auf Landesebene gibt es nicht - im Gegensatz zu Ländern wie Baden-Württemberg und Hamburg. Aus dem Umweltministerium in Mainz heißt es dazu, den Umgang mit Schottergärten könnten die Kommunen regeln. Heißt also auch, dass diese über mögliche Strafen für Gartenbesitzer entscheiden. Für Schottergärten, die bereits vor Inkrafttreten entsprechender Regelungen angelegt wurden, gilt meist ein Bestandsschutz.

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Dass sich viele Menschen eine dichte Folie in den Garten legen und darauf Schotter verteilen lassen, könnte auch an der Vermarktung liegen: Schottergärten werden als pflegeleicht und günstig beworben. Doch das stimmt so nicht, sagt NABU-Sprecher Torsten Collet: "Teuer in Anschaffung und Pflege, schnell unansehnlich durch Algen und Pflanzenaufwuchs, regelmäßiges Reinigen nötig, der Einsatz von Pestiziden tötet Lebewesen, Boden wird verdichtet und zerstört, Hochwasser wird begünstigt." Außerdem, so Collet, sei untergelegter Vlies oft aus Polypropylen (ohne Recyclinganteil) - entsprechend gelange langfristig Kunststoff als Mikroplastik in die Natur (Grundwasser).

Wer sich von seinem Schottergarten trennen und stattdessen einen naturnahen Garten anlegen möchte, sollte Kontakt zu seiner Kommune aufnehmen und nach möglichen Förderprogrammen fragen.

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