Der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit in der Energieversorgung in Folge des Krieges in der Ukraine hat die Diskussion um den Bau von Windkraftanalgen im deutschen Teil des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen erreicht. Doch man ist sich nicht einig. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Warnack)

Uneinigkeit bei der Energiegewinnung

Ukraine-Krieg befeuert Debatte über Windräder im Pfälzerwald

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Christian Buttkereit

In Folge des Ukraine-Krieges ist die Diskussion um mehr Unabhängigkeit bei der Energieversorgung neu entfacht worden. In Rheinland-Pfalz könnte der deutsche Teil des Biosphärenreservates Pfälzerwald-Nordvogesen als Standort für Windkraftanlagen in Frage kommen. Doch eine Einigung besteht nicht.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung sieht sich in ihrem Ziel bestätigt, zwei Prozent der Landesfläche als mögliche Standorte auszuweisen. Das Zwei-Prozent-Ziel gelte für alle Regionen, sagte Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) vor einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des Nationalkomitees des UNESCO-Programms "Der Mensch und die Biosphäre" (MAB) in Mainz.

Deutsche und französische Seite gegen Windkraft im Pfälzerwald

Bereits vergangene Woche hatte die Grünen-Politikerin über das Thema mit dem Vorsitzenden des Bezirksverbandes Pfalz, Theo Wieder (CDU), gesprochen. Der Bezirksverband ist Träger des Biosphären-Reservats auf deutscher Seite. Wieder ist grundsätzlich dafür, erneuerbare Energien auszubauen, möchte das Schutzgebiet aber frei von Windkraftanlagen halten. Zudem betont er, dass sich die deutsche und die französische Seite geeinigt hätten, auf Windkraft im Pfälzerwald zu verzichten.

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Das Land hat ein großes Klimaziel - und will es offenbar mit aller Macht erreichen. Deshalb scheinen Windräder im Biosphärenreservat Pfälzerwald auch gar nicht mehr unmöglich.

Auch eine Landesverordnung aus 2020 schließt Windkraftanlagen im Biosphären-Reservat ausnahmslos aus. Ob das geändert werden sollte, will Umweltministerin Eder jetzt prüfen. Klar ist, dass es in der bewaldeten Kernzone des Reservats wohl niemals Windräder geben wird. Das MAB-Komitee hatte in einer Stellungnahme vom September 2021 vor einer Fragmentierung des Biosphärenreservats gewarnt und sogar mit der Aberkennung des Titels gedroht.

Krieg in der Ukraine - Umdenken für Skeptiker?

Denkbar sind aus Sicht der Landesregierung aber unbewaldete Standorte entlang der A6, vor allem am Grünstadter Berg im Bereich der Verbandsgemeinde Leininger Land. Deren Bürgermeister Frank Rüttger (CDU) sagte, seine Gemeinde sei dafür grundsätzlich offen und habe auch schon einige Windräder und weitere Anfragen von Projektierern.

Rüttger erwartet, dass der Ukraine-Krieg bei den wenigen Skeptikern zu einem Umdenken führen wird. Das sei auch schon nach der Reaktor-Katastrophe von Fukushima zu beobachten gewesen. Allerdings könne seine Verbandsgemeinde auch Standorte für Windräder außerhalb des Biosphärenreservats anbieten. Insgesamt, heißt es aus dem Klimaschutzministerium, ginge es um nicht mehr als sechs bis acht Anlagen.

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Die Bürgerinitiative Pro Pfälzerwald, die seit 2011 gegen Windenergieanlagen kämpft und nach eigenen Angaben mit einer Online-Petition bereits mehr als 20.000 Unterschriften gesammelt hat, steht trotz des Ukraine-Krieges zu ihrem Nein. Die Vorsitzende, Cornelia Hegele-Raih, mutmaßt, der Ministerin gehe es um ein politisches Signal. Die wenigen Anlagen, die überhaupt denkbar seien, würden die Welt nicht retten. Daran ändere auch der Krieg in der Ukraine nichts.

400-Seelen-Dorf Waldleiningen für Stromgewinnung

Die kleine Gemeinde Waldleiningen südwestlich von Kaiserslautern dagegen hätte gerne Windräder auf der kahlen Bergkuppe Rotheneck aufstellen lassen. Irgendwo müsse der Strom ja herkommen, sagt Ortsbürgermeister Oswald Kullmer. Außerdem könnte der 400-Seelen-Ort die Einnahmen aus der Stromgewinnung gut brauchen. Auch Freiflächen-Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung wolle die Gemeinde gerne installieren lassen. Doch in diesem Fall schließt auch die Landesregierung Windkraftanlagen kategorisch aus. Ministerin Eder betonte, sie werde nichts unternehmen, was den Status als UNESCO-Biosphärenreservat gefährde.

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