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Rund zwei Monate mussten die Campingplätze in Rheinland-Pfalz wegen Corona schließen. Seit Montag sind sie wieder auf und trotz Einschränkungen haben viele seitdem einen Ansturm erlebt.

"Aktuell ist die Hölle los", fasst Swen Nothof die Lage im Camping-Freizeitzentrum Sägmühle in Trippstadt (Pfälzerwald) zusammen. Als am Montag wiedereröffnet werden durfte, kamen die Camper anfangs noch vereinzelt an. Dann nahten Feiertag und verlängertes Wochenende. Aktuell sei man ausgebucht.

Nothof setzt noch einen drauf: Auf seinem Campingplatz sei im Moment sogar mehr los, als zur gleichen Zeit in den Vorjahren. Der Grund dafür liegt für ihn auf der Hand: "Die Menschen können nicht ins Ausland, deshalb kommen sie her. Sie sind ausgehungert, sie wollen einfach raus."

Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam - dass die Campingplätze pünktlich zum Feiertagsmarathon wieder öffnen durften, spielt den Betreibern natürlich in die Karten. Und auch für die Sommerferien wird schon fleißig gebucht.

In den vergangenen zwei Monaten sah es nicht so gut aus. Während der zwangsweisen Schließung aufgrund der Corona-Pandemie mussten Mitarbeiter von Campingplätzen teilweise in Kurzarbeit geschickt werden. Das Ostergeschäft war pfutsch.

Statt Niederländern kommen Deutsche

Aber es bleibt Raum für Optimismus. "Ganz viel ist noch nicht kaputt", sagt Heinrich Lang, der Geschäftsführer des Verbandes der Campingplatzunternehmer Rheinland-Pfalz und Saarland. Läuft das Jahr jetzt gut weiter, rechnet er damit, dass die Plätze schätzungsweise 60 bis 80 Prozent des Vorjahresumsatzes erreichen.

"Die Menschen können nicht ins Ausland, deshalb kommen sie her. Sie sind ausgehungert, sie wollen einfach raus."

Swen Nothof, Mitbetreiber Campingplatz Sägmühle

Bei den Betreibern sei die Stimmung jedenfalls aktuell gut, alle seien froh, dass es nun wieder etwas zu tun gibt. Auf vielen Campingplätzen sei die Zwangspause dazu genutzt worden, Vorbereitungen für die Saison abzuschließen. Und: "Der Rasen wurde auf vielen Plätzen jedenfalls häufiger geschnitten als eigentlich nötig", so Lang.

Ob die Stimmung gut bleibt, wird auch davon abhängen, wann Gäste aus dem Ausland ihren Weg wieder nach Deutschland finden. Diese spielen für Campingplätze in Rheinland-Pfalz eine wichtige Rolle. Machen deutschlandweit Ausländer rund 15 Prozent der Campingplatzbesucher aus, sind es in Rheinland-Pfalz 45 Prozent, fast alle aus den Beneluxländern. Bislang bleiben sie fern. Diese Lücke wird nun teilweise von Deutschen gefüllt, die mit ihren Wohnmobilen in der Heimat Urlaub machen, statt ins Ausland zu fahren.

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Hygienevorschriften sorgen für Kopfzerbrechen

Die Betreiber freuen sich natürlich über diesen Zulauf. Trotzdem, die Lage sei sowohl für Gäste als auch für das Personal auf Grund der Hygienevorschriften schwierig, sagt Timo Koch vom Campingplatz Harfenmühle in Mörschied (Hunsrück).

Für Kinder sei es besonders frustrierend, da sie zum Beispiel nicht schwimmen dürfen und das Animationsprogramm ausfällt. Für alle Gäste problematisch: Die Duschen müssen laut Corona-Verordnung geschlossen bleiben, lediglich die Toiletten auf dem Platz dürfen genutzt werden. Das hat zur Folge, dass aktuell in Rheinland-Pfalz nur Wohnmobile mit sanitären Einrichtungen auf den Campingplatz dürfen. Zelte sind nach wie vor nicht erlaubt.

Die Duschvorgabe sei viel zu kurzfristig gekommen, kritisiert Swen Nothof vom Campingplatz Sägmühle, nämlich erst zwei Tage vor der Wiedereröffnung. Immer wieder habe man unterschiedliche Aussagen von den Behörden bekommen. Die Vorgabe stelle ihn vor Probleme. Unklar sei zum Beispiel, was mit der Behindertendusche passieren soll, die mit der Behindertentoilette in einem Raum untergebracht ist. Abschließen oder nicht abschließen?

Mehrere Camper sitzen in Zeiten von Corona unter Einhaltung des Mindestabstands auf einem Campingplatz in Koblenz in der Sonne um einen Tisch (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Vorbildlich: Auf diesem Campingplatz in Koblenz klappt es mit dem Mindestabstand in Zeiten von Corona Picture Alliance

Campingplatzgäste überwiegend einsichtig

Einheitlich geregelt ist, dass Besucher nur mit Voranmeldung auf dem Campingplatz übernachten dürfen. In den Innenbereichen muss Mundschutz getragen werden, also zum Beispiel auf dem Weg zum Tisch im Restaurant oder auf der Toilette. Die Betreiber müssen auch darauf achten, dass der Mindestabstand eingehalten wird. Auf dem Knaus-Campingpark in Koblenz wurde dafür an der Rezeption zum Beispiel eine Ampelanlage eingerichtet, die sicherstellen soll, dass immer nur ein Gast eintritt. Auch für die Sanitärbereiche sind solche Ampeln aktuell in Erprobung, heißt es vom Landesverband.

Die Gäste seien in Sachen Einschränkungen in der Regel verständnisvoll und versuchten sich daran zu halten, erzählen die Betreiber. "Manche vergessen mal den Mundschutz aufzusetzen oder setzen sich zu Freunden, die sie schon lange kennen", sagt Swen Nothof. Die Betreiber kontrollieren das schon mal, verteilen Handzettel, weisen auf ihren Internetseiten auf alle Vorgaben hin.

"Wenn alle diszipliniert sind, dann sind die Vorgaben schon zu bewältigen", findet auch Heinrich Lang vom Landesverband. Es komme natürlich auch stark auf die jeweiligen Gegebenheiten an. Auf manchen Plätzen seien die sanitären Einrichtungen so groß, da könne man sich problemlos aus dem Weg gehen. Es sei auch möglich, jedes zweite Urinal zu sperren.

Angst vor einer zweiten Corona-Welle

Die Betreiber hoffen jetzt auf einen blauen Himmel und ein gutes Sommergeschäft um die Verluste der vergangenen zwei Monate ein wenig aufzufangen. Doch sie machen sich auch Sorgen. Werden Maßnahmen zu schnell gelockert? Diese Frage stellt sich zum Beispiel Timo Koch vom Campingplatz Harfenmühle. "Die Angst hängt wie eine Glocke über dir" sagt er. Und weiter: "Käme eine zweite Corona-Welle und bräche das Sommergeschäft weg, wäre das wirtschaftlich die absolute Katastrophe."

Koch kritisiert, dass in Sachen Lockerungen alle Bundesländer ihr eigenes Süppchen kochten. So sei es zu einem Öffnungs-Run gekommen. Mit einheitlichen Regelungen hätte man das verhindern können.

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