Während sich der Moderna-Impfstoff in den rheinland-pfälzischen Arztpraxen ansammelt, können viele junge Erwachsene unter 30 nicht geimpft werden, weil der Impfstoff fehlt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Wolfgang Kumm)

BioNTech in Praxen offenbar Mangelware

Gibt es genug Impfstoff für junge Menschen in RLP?

STAND

Viele junge Menschen unter 30 können nicht geimpft werden, weil BioNTech-Impfstoff fehlt. Das beklagt der Hausärzteverband in Rheinland-Pfalz. Das Land sieht dennoch keine Probleme mit der Versorgung.

Engpässe bei der Belieferung mit dem Corona-Impfstoff von BioNTech machen den Hausärzten in Rheinland-Pfalz im Praxisalltag nach wie vor zu schaffen.

"Angebot und Nachfrage passen bei BioNTech in den Praxen derzeit schlecht zusammen", sagte die Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Hausärzteverbandes, Barbara Römer. Das führe zu einem "massiven Organisationsstress" vor allem für die Medizinischen Fachangestellten (MFAs), die in der Regel die Impftermine koordinierten.

BioNTech Liefermenge um fast 50 Prozent verkürzt

Laut Römer, die selbst im rheinhessischen Saulheim eine Praxis betreibt, ist der vom Bund für die Hausärzte bereitgestellte Impfstoff von BioNTech/Pfizer seit Wochen auf maximal fünf Fläschchen pro Arzt und Woche beschränkt. Das bedeute, dass für eine Einzelpraxis maximal 30 zu verimpfende Dosen pro Woche verfügbar seien. Obendrein sei diese ohnehin begrenzte Liefermenge in den vergangenen Wochen noch einmal zwischen 40 und 50 Prozent gekürzt worden.

Auch bei vielen Hausärzten im nördlichen Rheinland-Pfalz ist der Corona-Impfstoff von BioNTech weiterhin Mangelware. Ärzte hätten daher viele junge Menschen zuletzt nicht impfen können oder Termine absagen müssen. Das zeigt eine SWR-Umfrage unter Hausärzten. Demnach sei genug Impfstoff von Moderna vorhanden und auch Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren sei problemlos zu bekommen.

Jugendliche warten auf Impfungen in RLP

Seit Jahresbeginn häuften sich in den Praxen die Terminanfragen von jungen Erwachsenen unter 30 und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren, berichtete die Verbandsvorsitzende Römer. Hintergrund dafür ist die Booster-Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für diese Altersgruppe. Jungen Menschen unter 30 soll das BioNTech-Vakzin und nicht der ebenfalls auf der mRNA-Technologie basierende Impfstoff des US-Herstellers Moderna verabreicht werden.

Mainz

Rekordzahlen bei Corona-Infektionen Omikron wütet in rheinhessischen Schulen und Kitas

Täglich gibt es neue Rekordstände bei den Corona-Neuinfektionen. Mainz hat in Rheinland-Pfalz die zweithöchste Inzidenz, am stärksten betroffen sind Schulen und Kindertagesstätten.  mehr...

Bei Über-30-Jährigen gilt diese Einschränkung dagegen nicht. Doch bevorzugen in dieser Altersgruppe offenbar viele Patienten das Mittel von BioNTech/Pfizer. "Es gibt immer wieder Diskussionen der MFAs mit Patienten über die derzeit nicht mögliche Impfstoffwahl, vereinzelt wird daher mangels Zusicherung des Impfstoffs ein Impftermin abgelehnt", berichtete Römer aus dem hausärztlichen Alltag. "Praxen können bei Patienten über 30 nur kommunizieren: Geimpft wird, was da ist."

Langfriste Planung auf Grund von Engpässen nicht möglich

Die Vereinbarung eines Impftermins für Über-30-Jährige bleibe eine Herausforderung. "Bei diesen unvorhersehbaren Kürzungsumfängen ist eine längerfristige Planung von Impfterminen schlichtweg unmöglich", kritisierte Römer. Die Hausärzte forderten daher, dass gerade auch angesichts der aktuellen Pandemiewelle, die vor allem auf die neue Omikron-Variante zurückgeführt wird, den Praxen BioNTech-Impfstoff nach dem jeweiligen Bedarf und in vollem Umfang zur Verfügung gestellt werde.

"Wir haben schlichtweg keine Zeit für die ständige Umorganisation von Impfterminen neben der in voller Ausprägung laufenden Bekämpfung der Omikronwelle", betonte Römer. "Wir sind auch in Zeiten von Omikron uneingeschränkt bereit, diese Doppelbelastung auf uns zu nehmen, da wir alle unser Bestes geben wollen, diese Pandemie zu knacken", sagte die Vorsitzende. Schließlich seien Patientenversorgung und Prävention durch Impfungen Teil der hausärztlichen Identität.

"Dafür benötigen wir aber Verlässlichkeit in der Logistik." Je mehr Institutionen in das Impfgeschehen eingebunden würden, desto undurchsichtiger werde der Verteilungsmodus. In der Regel bestellen die Arztpraxen den Impfstoff wöchentlich bei den Apotheken, die diese Bestellungen dann nach Angaben der Bundesvereinigung der Apothekerverbände an den pharmazeutischen Großhandel weiterleiten. Die Covid-19-Impfstoffe sind Eigentum des Bundes und lagern an wenigen Orten in Deutschland. Die Impfstoffe werden den Angaben zufolge während des Transports zu den Apotheken aufgetaut. Die Apotheken erhalten die Impfstoffe montags und beliefern dann die Arztpraxen in der Regel noch am selben Tag.

Ministerium: In den Impfzentren genug BioNTech-Impfstoff

Die Verteilung des Impfstoffs auf die Praxen läuft über den Bund - anders als bei den Impfzentren, wo dies über das Land geregelt wird. So sieht das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium derzeit in Impfzentren keine Probleme mit der Versorgung von Jugendlichen und Erwachsenen unter 30 Jahren mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Ein Sprecher teilte mit, in den Impfzentren des Landes gebe es ausreichend Dosen des Corona-Impfstoffs.

In den Arztpraxen geht es bei den Corona-Schutzimpfungen im Praxisalltag laut Römer überwiegend ums Boostern, also um Auffrischungsspritzen. Erstimpfungen hätten einen Anteil von weniger als zehn Prozent, und da zeichne sich auch keine Änderung ab, sagte sie.

140.000 Erstimpfungen seit Dezember 2021 in RLP

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gab es seit dem 1. Dezember in Rheinland-Pfalz insgesamt rund 143.000 Erstimpfungen gegen Corona (Stichtag 19. Januar). Der überwiegende Teil davon wurde in Kassenarztpraxen verabreicht (gut 77.000). Der Rest entfällt auf die Impfzentren (knapp 42.000) und sonstige Einrichtungen wie Impfbusse, Privatarztpraxen, Impfstationen an Krankenhäusern und Betriebsärzte (rund 24.000). Allerdings werden laut Ministerium nicht alle Betriebsarzt- und Krankenhausimpfungen an die Impfdokumentation Rheinland-Pfalz übermittelt, weshalb die tatsächliche Zahl etwas höher liegen könnte.

Rheinland-Pfalz

Aktuelle Informationen Urmitz holt abgesagten Karnevalsumzug nach

Corona-Regeln, aktuelle Zahlen und alles rund ums Impfen: Die wichtigsten Entwicklungen zum Coronavirus in Rheinland-Pfalz finden Sie hier bei uns im Liveblog.  mehr...

Nach Ansicht von Landes-Impfkoordinator Daniel Stich (SPD) gibt es bei der Zahl der Erstimpfungen durchaus noch Luft nach oben. "Rheinland-Pfalz hat eine gute Impfquote. Mit über zwei Millionen Boosterimpfungen seit September haben wir den Turbo eingelegt", sagte er. "Aber: Da geht noch mehr. Wir wollen und müssen auch jene erreichen, die noch nicht geimpft sind. Jede Impfung zählt."

Rheinland-Pfalz

Mögliche Kreuzimpfungen Welche Impfstoff-Kombis zum Booster-Status führen

Die Vielzahl der Corona-Impfstoffe macht verschiedene Kreuzimpfungen möglich. Doch nicht jede Vakzin-Kombination ist empfohlen. Hier erfahren Sie, welche Wege in Rheinland-Pfalz zum Booster-Status führen.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Impfstart Ende Februar 5.000 Registrierungen für Novavax-Impfstoff in RLP bis Montagmittag

Ende Februar erwartet das Land den Impfstoff Nuvaxovid von Novavax. Er könnte eine Lösung für Impfskeptiker sein. 5.000 Menschen haben sich bisher für eine Impfung damit registriert.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Aktuelle Informationen Urmitz holt abgesagten Karnevalsumzug nach

Corona-Regeln, aktuelle Zahlen und alles rund ums Impfen: Die wichtigsten Entwicklungen zum Coronavirus in Rheinland-Pfalz finden Sie hier bei uns im Liveblog.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Entwicklung der Pandemie Sieben-Tage-Inzidenz in RLP fast überall unter 500

Das Landesuntersuchungsamt meldet am Freitag 2.483 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz sinkt leicht. Aber 18 weitere Menschen starben binnen 24 Stunden im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion.  mehr...

STAND
AUTOR/IN