Frauen mit Mundschutz bei einer feministischen Kundgebung (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/EUROPA PRESS | Jorge Gil)

Frauenrechte, Gleichberechtigung, Frauen-Power

Fünf Gründe, den Internationalen Frauentag in RLP zu feiern

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Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Ein Tag, an dem auf Frauenrechte und Gleichberechtigung aufmerksam gemacht wird. Warum das auch in Rheinland-Pfalz immer noch nötig ist, erklären wir hier. 

Der Internationale Frauentag wird am 8. März gefeiert - pandemiebedingt eher ohne größere öffentliche Veranstaltungen. Fünf Gründe, warum der Weltfrauentag auch in Rheinland-Pfalz eine Rolle spielen sollte.

  1. Frauen an die Macht!
  2. Das Leben der Frauen in RLP - eine kleine Statistik
  3. Ziemlich ungerecht: "Gender Pay Gap"
  4. Genauso ungerecht: "Equal Pay Day"
  5. Power-Frauen in RLP

Frauen an die Macht!

Politik in Rheinland-Pfalz ist immer auch Frauensache - und das nicht erst seit Malu Dreyer. Starke Frauen in der Landesregierung gab es schon vor ihr, etwa Jeanette Rott-Otte. 1991 machte sie der damalige Ministerpräsident Rudolf Scharping zur ersten Frauenministerin des Landes Rheinland-Pfalz - oder vielmehr zur Ministerin für die Gleichstellung von Frau und Mann, so der korrekte Titel.

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Nicht nur um den Namen des Ministeriums hatte es damals Diskussionen gegeben. "Wenn ich ganz ehrlich bin, es wurde sehr ins Lächerliche gezogen", sagt Rott-Otte heute im Gespräch mit dem SWR, wenn sie von den damaligen Anfängen berichtet. "Da brauchen wir jetzt auch noch ein reines Männerministerium", seien die Reaktionen gewesen. Viel Überzeugungsarbeit habe sie und ihre Angestellten leisten müssen. Vor allem bei den Männern, auch in den Reihen der eigenen Partei, der SPD. "Aber zum Schluss ist es uns doch gelungen, dass man sagen kann, wir sind vorangekommen, wenn auch noch viele, viele Schritte notwendig sind."

Das Leben der Frauen in RLP in Zahlen

Ja, so ein Weltfrauentag bringt auch immer jede Menge trockene Statistik-Zahlen hervor. Mal einen kurzen Blick werfen auf die Zahlen für den rheinland-pfälzischen Landtag? Da sah es ganz am Anfang noch ziemlich schwach aus bei den Frauen: Bis Ende der 1970er Jahre war die Zahl der Abgeordneten, die weiblich waren, allesamt einstellig (6 bis 8). Erst seit den 80er Jahren wuchs die Zahl stetig. Im Landesparlament 2011 bis 2016 waren immerhin schon 42 der 101 Abgeordneten Frauen. Seither fällt die Zahl wieder. Im jetzigen Parlament sind es 32 Frauen.

Mehr Zahlen gefällig? Hier ein kleiner Vergleich für Rheinland-Pfalz:

Grafik: Zahlen zum Weltfauentag, Verteilung Männer und Frauen in Rheinland-Pfalz (Foto: SWR)

Um mal ein paar davon zu übersetzten: Mehr Frauen als Männer haben die Hochschulreife, allerdings sind viel, viel mehr Frauen als Männer alleinerziehend. Da bleibt dann auch nur wenig Zeit, um mal schnell nebenbei kriminell zu werden. Deshalb ist wahrscheinlich auch nur ein Fünftel aller in Rheinland-Pfalz verurteilten Menschen weiblich.

Deutlich mehr Frauen als Männer arbeiten in Teilzeit. Gerade mal knappe 30 Prozent der Führungskräfte in Rheinland-Pfalz sind weiblich.

Ziemlich ungerecht: "Gender Pay Gap"

Traurig, aber wahr: Auch in Rheinland-Pfalz erhalten Männer immer noch mehr Lohn oder Gehalt als Frauen. Da hat sich auch im 21. Jahrhundert noch nicht allzu viel getan. Immerhin, im vergangenen Jahr ist die Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern zumindest nicht größer geworden, sondern gleich geblieben.

In Zahlen heißt das: Wie schon im Jahr 2020 war der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen 15 Prozent niedriger als der von Männern, sagen die Statistiker in Bad Ems. Frauen verdienten also im Jahr 2021 durchschnittlich etwa 19 Euro die Stunde, Männer dagegen fast 22,50 Euro. "Gender Pay Gap" heißt das Ganze dann - und Grund dafür sei unter anderem die Berufswahl, die niedrigere Zahl von Frauen in Führungspositionen und ihr hoher Anteil bei der Teilzeitarbeit.

Die rheinland-pfälzische Frauenministerin Katharina Binz (Grüne) führt das unter anderem auf Geschlechterklischees zurück, die vor allem bei jungen Mädchen ausgeprägt seien. Aber auch die Tatsache, das Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten, spiele eine Rolle, sagte Binz im SWR.

Genauso ungerecht: "Equal Pay Day"

Und damit wären wir dann auch gleich bei einem weiteren Anglizismus: dem "Equal Pay Day". Der Termin beschreibt den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen rechnerisch umsonst arbeiten müssten, wenn man die Lücke in Arbeitszeit umrechnete. Diesmal fällt er auf diesen Montag (7.3.2022) - direkt vor dem Internationalen Frauentag heute.

Power-Frauen in Rheinland-Pfalz

Bekannte und berühmte Frauen in Rheinland-Pfalz? Doch, davon gibt es eine Menge. Um mal nicht schon wieder mit Hildegard von Bingen anzufangen: da wären noch die Schriftstellerinnen Anna Seghers, Martha Saalfeld und Ursula Krechel, die erste rheinland-pfälzische Oberbürgermeisterin Birgit Collin-Langen, die Gründerin der Frauenorganisation SOLWODI, Lea Ackermann, die Sängerin und Musikerin Julia Neigel, ... und ... und ... und.

Özlem Türeci, Gründerin des Mainzer Corona-Impfstoff-Entwicklers BioNTech, bei einer Preisverleihung (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Özlem Türeci - gemeinsam mit ihrem Mann gründete sie den Mainzer Corona-Impfstoff-Hersteller BioNTech Picture Alliance

Und irgendwie darf auch sie in dieser Auflistung nicht mehr fehlen, quasi als eine der neuesten Zuwächse für das Bundesland: Özlem Türeci, die Mitbegründerin des Mainzer Impfstoffherstellers BioNTech. Zwar keine gebürtige Rheinland-Pfälzerin, aber wie sie selbst über sich und ihren Mann sagt: "Wir können als Meenzer gelten. Denn wenn man von seinem Zuhause den Dom sieht, dann ist man Meenzer, egal ob man hier geboren wurde oder nicht."

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