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Erste Hilfe leisten in Corona-Zeiten - geht das überhaupt? Ja, sagt das DRK Rheinland-Pfalz und gibt anlässlich des Welt-Erste-Hilfe-Tages Tipps, wie man anderen helfen kann, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.

Wenn das Herz versagt oder jemand bei einem schweren Autounfall verletzt wird, kommt es oft auf die ersten Minuten an. "Wenn wir sehen, dass bereits erste Maßnahmen ergriffen wurden, können wir schneller, besser und effektiver weitere lebensrettende Maßnahmen einleiten", so Christoph Hormuth, Notfallsanitäter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Vorderpfalz im SWR-Gespräch.

In der aktuellen Situation haben jedoch viele potenzielle Ersthelfer wegen Corona Angst vor mangelndem Abstand und vor Körperkontakt. Dabei können diese Berührungsängste für die hilfsbedürftige Person im Zweifelsfall tödliche Folgen haben.

Viele Ersthelfer fürchten Ansteckung

Oft wird Ersthilfe im engsten Familien- oder Freundeskreis geleistet, doch auch darüber hinaus kann es zu Notfallsituationen kommen. Aktuell beobachtet Notfallsanitäter Hormuth gerade dort bei vielen Ersthelfern großen Respekt vor einer möglichen Corona-Ansteckung. Ein weiteres Problem sei bei vielen die Befürchtung, bei der Hilfeleistung etwas falsch zu machen und einem Verletzten womöglich gar Schaden zufügen zu können.

Doch die Angst sei unbegründet: "Falsch ist nur, nichts zu machen", sagt der Vorstand des Deutschen Roten Kreuzes in Rheinland-Pfalz, Manuel Gonzales im Gespräch mit dem SWR. Um Erste Hilfe zu leisten, gebe es keine Hürden. "Natürlich mit der Besonnenheit und Blick auf den Eigenschutz", so Gonzales weiter.

Eigene Sicherheit wahren, Notruf absetzen, beruhigen

Anlässlich des Welt-Erste-Hilfe-Tages gibt Johanna Grevenich, Zuständige für die Breitenausbildung beim DRK-Mittelrhein, Tipps zur Wahrung der Sicherheit Helfender: "Um eine Ansteckung zu vermeiden, sollte darauf geachtet werden, dass sowohl der Helfer als auch die hilfsbedürftige Person eine Alltagsmaske tragen." Als Ersatz könne aber auch ein einfaches luftdurchlässiges Tuch dienen. Den Notruf 112 anzurufen und die verletzte Person zu beruhigen, sei eine wichtige Hilfeleistung und auch mit Distanz möglich.

Symbolbild-Mann-wird-aufgefunden-Notruf-absetzen(picture alliance  dpa Themendienst) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Keine Angst in Notfallsituationen: Falsch sei nur, nichts zu tun, so das Deutsche Rote Kreuz Picture Alliance

Erste-Hilfe-Kurse laufen wieder an

Nachdem zu Beginn der Corona-Pandemie für kurze Zeit keine Erste-Hilfe-Kurse angeboten werden konnten, ist das jetzt unter Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften wieder möglich. Laut Gonzales erreichen die Teilnehmerzahlen der Kurse zurzeit wieder das Niveau des Vorjahres.

Aufgrund geltender Abstandsregeln seien die Gruppen aber im Moment klein gehalten und Partnerübungen entfielen. So muss der klassische Druckverband beispielsweise durch den Teilnehmer am eigenen Oberschenkel angelegt werden.

Erworbenes Wissen auffrischen

Doch auch diejenigen, die den Kurs bereits absolviert haben, empfiehlt das DRK eine Auffrischung des erworbenen Wissens. Leo Biewer, Präsident des DRK-Kreisverbandes Koblenz, legt vor allem Autofahrern und Autofahrerinnen im Idealfall alle zwei bis drei Jahre den Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses nahe.

Eine Initiative zur Aufklärung hat auch das baden-württembergische DRK Blankenloch gestartet mit einer YouTube-Reihe "Erste Hilfe Kompakt", durch die die Zuschauer sich ihre erworbenen Kenntnisse in Erinnerung rufen können.

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