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Für viele Menschen steht kein Fest so sehr wie Weihnachten für Familie und Gemeinschaft. Sie haben feste Abläufe: Heiligabend bei den Eltern, Weihnachtsfeiertage mit den Großeltern oder Freunden. Corona wirbelt das durcheinander - aber das heißt nicht, dass das Fest ausfallen muss oder weniger schön wird.

Trotz des Shutdowns, der im Dezember bundesweit beschlossen wurde, haben Bund und Länder für die Weihnachtsfeiertage die Kontaktbeschränkungen leicht gelockert. Familien stehen aber noch immer vor organisatorischen Problemen, zum Beispiel: Wie viel muss eingekauft werden, wenn der jährliche Restaurantbesuch am zweiten Weihnachtsfeiertag nicht stattfinden kann? Können die Kinder alle Großeltern sehen - oder muss dieses Jahr aufs Pendeln verzichtet werden? Wie kann ich meine Angehörigen schützen?

Der Virologe Christian Drosten sagt im Interview mit der "Zeit", er halte das Prinzip der Vorquarantäne für eine gute Idee: "Also dass Menschen einige Tage, optimalerweise eine Woche, vor dem Familienbesuch mit Oma und Opa soziale Kontakte so gut es geht vermeiden."

In der Hoffnung, sich etwas Sicherheit zu verschaffen, ist die Nachfrage nach Schnelltests außerdem groß. Und einige entscheiden sich möglicherweise doch für ein (teilweise) virtuelles Weihnachtsfest - zum Beispiel per Zoom, Skype oder Facetime.

Fest selbst gestalten und vom Jahr erholen

Der Beziehungs- und Konfliktexperte Jörg-Peter Schröder gibt Tipps für ein friedliches Weihnachten und weist darauf hin, dass dieses Jahr eine gute Gelegenheit bietet, Fragen zu stellen, etwa: "Welches Geschenk könnten wir uns auch ganz persönlich machen?" Oder: "Was ist überhaupt die Heilige Nacht und was ist uns heilig?"

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Weihnachten als kulturelle Institution

Der Freiburger Theologe und Universitätsprofessor Stephan Wahle forscht unter anderem dazu, wie das Weihnachtsfest die Gesellschaft prägt: "Sie hat sich ihr eigenes Fest auch bis zu einem gewissen Grad selber gegeben." Ende des 19. Jahrhunderts habe die neu entstehende bürgerliche Familie es für sich entdeckt. "Im 20. Jahrhundert setzte sich Weihnachten als Familienfest dann flächendeckend durch." Während es lange Zeit vor allem eine religiöse Bedeutung besessen habe, habe sich Weihnachten immer mehr zu einer kulturellen Institution gewandelt.

Was Weihnachten so besonders macht? "Natürlich gibt es auch an anderen Festen vielfältige Traditionen", betont der Theologe, "aber dieser sehr stark gemeinschaftlich vollzogene, ritualisierte Charakter - das ist Weihnachten einzigartig." Auch psychologische Motive spielten eine Rolle, etwa, dass die ganze Familie und mit ihr sämtliche in ihr vertretenen Generationen beisammen kämen. "Die Erinnerungen gehen mit Weihnachten auch immer zurück in die Vergangenheit, in die eigene Kindheit."

Fünf Tipps der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung

In diesem Jahr stehen vor allem die, die sich daran gewöhnt haben, im großen Kreis Weihnachten zu feiern, vor Herausforderungen - und die sind nicht nur logistischer Art, sondern auch psychologischer. Denn liebgewonnene Routinen lässt man selten los. Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) hat - auf der Basis ihrer Erfahrungen in der therapeutischen Praxis - fünf Empfehlungen formuliert, die dabei helfen sollen, mit Gefühlen von Hilflosigkeit umzugehen. Denn, erklärt die psychologische Psychotherapeutin Christina Jochim, die daran mitgearbeitet hat, "Traditionen und Rituale dienen aus psychologischer Sicht dazu, gemeinsame Verbindungen und Identität zu schaffen und zu stiften und damit Orientierung zu geben. Und wenn genau das wegfällt, ist das natürlich eine Belastung". Die Pandemie habe ohnehin schon viele Gewohnheiten und Alltagsstrukturen auf den Kopf gestellt.

Rituale würden insbesondere dann wichtig, so Jochim, wenn Menschen es mit außergewöhnlichen emotionalen Situationen zu tun haben. Weihnachten sei zudem stark mit Kindheit assoziiert, meint auch sie: "Egal, wie selbständig, erwachsen und entfernt wir von unserer Kinderzeit sind." Für manche seien das vielleicht nicht positive Erfahrungen: "Gerade sie sind dann vielleicht erleichtert, weil der Weihnachtsstress oder Familienzwang nicht zum Tragen kommt."

Alle auf unterschiedliche Art und Weise betroffen

Wen trifft es wohl am meisten, wenn Weihnachten nicht wie gewohnt stattfinden kann? Wer sollte sich darauf vorbereiten, mit der Situation umgehen zu müssen, bevor sie eintritt? Sind es Kinder, für die schwer verständlich ist, wieso die ganze Familie nicht zusammen kommen kann? Oder ältere Personen, die möglicherweise isoliert sind, weil sie in einem Altenheim leben oder ihre Familie sie als Risikopatienten nicht gefährden möchte? Darauf gibt es keine konkrete Antwort, meint Jochim, aber: "Wir können Vermutungen aufstellen, die auf unserer sonstigen Erfahrung beruhen. Und die ist, dass gerade die Menschen am meisten betroffen sind, für die es die größte Umstellung bedeutet."

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