Bahnsteig (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Christoph Schmidt)

Diskussion um Verkehrswende

Nach dem 9-Euro-Ticket wird es erstmal teurer in RLP

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Bürger, Verkehrsunternehmen und Politiker werten das 9-Euro-Ticket als Erfolg. Aber was kommt danach? Hohe Strom- und Dieselpreise belasten viele Verkehrsunternehmen und das dürfte sich auf die Preise auswirken.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen sieht das 9-Euro-Ticket als Erfolg. Bei einer gemeinsamen Konferenz mit den Verkehrspolitikern der Länder am Montag teilte der Branchenverband mit, es seien 52 Millionen Tickets verkauft worden - plus weitere 10 Millionen an Menschen, die bereits ein Monatsabo hatten.

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Zehn Prozent aller Fahrten - so die Ergebnisse einer Befragung - wären sonst mit dem Auto unternommen worden. "Wesentliches Ergebnis dieser Umfrage ist, dass wir viele Umsteiger haben", so Oliver Wolff, VDV-Geschäftsführer.

Aber es gibt auch Kritik: Das 9-Euro-Ticket war mit Gesamtkosten von 2,5 Milliarden Euro für die drei Monate Laufzeit sehr teuer und es hatte keinerlei soziale Staffelung. Für Besserverdienende sei es ein "besseres Geschenk" gewesen, findet Winfried Hermann (Grüne), Verkehrsminister in Baden-Württemberg. Die Verkaufszahlen auf dem Land, wo es keinen oder kaum ÖPNV gibt, waren nur halb so hoch wie in Städten.

Noch kein Nachfolge-Angebot

Nun läuft nach drei Monaten das 9-Euro-Ticket aus. Noch ist nicht geklärt, ob es ein Nachfolge-Angebot geben wird. Nachdem die Verkehrsministerinnen und -minister der Länder die Bundesregierung aufgefordert hatten, Vorschläge zur Ausgestaltung und vor allem zur Finanzierung zu machen, liegen einige Ideen der Ampel-Parteien in Berlin auf dem Tisch. Aber eine Einigung ist erstmal nicht in Sicht.

Fahrpreise sind schon oder werden teilweise angehoben

Für viele Rheinland-Pfälzerinnnen und Rheinland-Pfälzer wird der ÖPNV daher wohl erstmal teurer werden. Im September und Oktober beraten vielerorts die Gremien der Verkehrsverbünde über den künftigen Tarif. Hohe Preise für Strom und Diesel belasten viele Verkehrsunternehmen - und dürften in vielen Fällen auf die Fahrpreise durchschlagen. In Rheinland-Pfalz sind durch den Abschluss des neuen Tarifvertrages mit der Vereinigung der Arbeitgeberverbände des Verkehrsgewerbes zusätzlich auch die Personalkosten sprunghaft angestiegen. Die Verantwortlichen des Nahverkehrs müssen daher erhebliche Mehrkosten schultern.

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Im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gab es schon zum 1. Juli einen Aufschlag von 3,9 Prozent. Auch im Verkehrsverbund Region Trier (VRT) "müssen sich Fahrgäste voraussichtlich auf steigende Ticketpreise einstellen", hieß es auf SWR-Anfrage. Wie hoch, war noch unklar.

Straßenbahn in Mainz (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Arne Dedert/dpa | Arne Dedert)
Beim VRM wude schon im Juli aufgeschlagen. picture alliance / Arne Dedert/dpa | Arne Dedert

Bei einer geringen Ticketpreiserhöhung müssten die erlösverantwortlichen Kommunen - im Fall von VRT die Stadt Trier sowie die Landkreise Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Vulkaneifel und Eifelkreis Bitburg-Prüm - oder Verkehrsunternehmen das finanzielle Defizit tragen. Die Kommunen in der Region Trier sehen sich aber aufgrund der prekären Haushaltslage nicht in der Lage, diese Kostensteigerung vollumfänglich alleine aufzufangen. Um eine Lösung zu finden, stehen die rheinland-pfälzischen Verbünde in engem Kontakt mit dem Land.

Viele Gremien verhandeln erst im Herbst

Beim Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) ist auch eine Tariferhöhung im Gespräch. "Geplant ist aber noch nichts", betonte ein Sprecher des Verbundes von rund 60 Mobilitätsunternehmen. Die Entscheidung wird dann wohl in der Versammlung der Verbundunternehmen Mitte Oktober getroffen. Beim Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) hieß es auf SWR-Anfrage, dass die Gremiensitzungen erst im September stattfinden und es darauf ankomme, was auf Bundes- und Landesebene entschieden werde.

Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV), der auch in der Südpfalz Fahrten durchführt, preschte Anfang August schon vor. Er erhöhte die Ticketpreise um maximal 2,34 Prozent, teilte ein Sprecher mit und verwies darauf, dass die Entscheidung bereits Anfang des Jahres gefallen war. Darüber hinaus sei keine Erhöhung geplant.

Die Kostenexplosion im Personenverkehr, die eine Preiserhöhung nahezu unumgänglich macht, steht dabei im Spannungsfeld zu den vom Bund geweckten Erwartungen bei den Fahrgästen nach einer Preisreduzierung auf Basis des nun endenden 9 Euro-Tickets, heißt es beim Rhein-Nahe Nahverkehrsverbund (RNN).

Allerdings werden im Laufe dieses Jahres alle Landkreise im RNN mit einem erheblich verbesserten Verkehrsangebot in das nächste Jahr starten, teilte der Verkehrsverbund mit. Im Landkreis Birkenfeld wurde das ÖPNV-Angebot zum 1.8. nahezu verdreifacht, eine ähnliche Entwicklung stehe Mitte Oktober in den Landkreisen Bad Kreuznach und Mainz-Bingen bevor. "Hierfür nehmen die Städte, Kommunen und das Land Rheinland-Pfalz bereits erhebliche zusätzliche finanzielle Mittel in die Hand."

Die Diskussion um Preiserhöhungen geht weiter

Die Diskussion zur Höhe der Ticketpreisanpassung zum 1. Januar 2023 und deren Finanzierung ist also noch nicht beendet: Der VRT und seine Mitgliedskommunen sehen eine hohe Ticketpreisanpassung als kontraproduktiv an. Es gehe schließlich darum, im Sinne der Verkehrswende mehr Menschen vom Bus- und Zugfahren zu überzeugen. Insbesondere nach dem Erfolg des 9-Euro-Tickets.

Andererseits können die Kommunen eine derart starke Kostensteigerung nicht mit eigenen Mitteln auffangen. Das Land und der Bund stehen hier ebenfalls in der Verantwortung, die notwendigen finanziellen Mittel für den ÖPNV zur Erreichung der Verkehrswende und Klimaziele bereitzustellen, so der VRT.

Die Finanzierung einer gewünschten Preisabsenkung ist folglich nur mit zusätzlichen finanziellen Mitteln zu erreichen, wenn neu an den Start gebrachte Angebote nachhaltig wirken sollen. Der verständliche Wunsch nach deutlich günstigeren Fahrpreisen bedarf laut dem RNN dann einer weiteren Unterstützung, über deren Bereitstellung die Verkehrsministerkonferenz im Oktober dieses Jahres mit Sicherheit mit den Bundesvertretern beraten wird.

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