Omikron treibt die Corona-Zahlen derzeit drastisch in die Höhe. Auch in Rheinland-Pfalz ist die Virus-Variante mittlerweile vorherrschend. Einige Experten sprechen schon vom Beginn der Endemie - doch ist das richtig? (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)

Omikron auch in Rheinland-Pfalz dominierend

Läutet Omikron das Pandemie-Ende ein oder folgen weitere Mutationen?

STAND

Omikron treibt die Corona-Zahlen derzeit drastisch in die Höhe. Auch in Rheinland-Pfalz ist die Virus-Variante mittlerweile vorherrschend. Einige Experten sprechen schon vom Beginn der Endemie - doch ist das richtig?

Wie das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium mitteilte, dominiert die Coronavirus-Variante Omikron inzwischen auch in Rheinland-Pfalz. In der ersten Januarwoche hat sie sich laut Landesuntersuchungsamt (LUA) stark ausgebreitet: Die Zahl der Verdachtsfälle und der bestätigten Fälle hat sich seit dem 30. Dezember verfünffacht. Alle Kommunen sind betroffen, rund 2.860 Verdachtsfälle und mehr als 300 bestätigte Fälle gibt es demnach im Land.

Viele Experten sind einer Meinung: Die endemische Lage wird kommen, wann ist aber noch unklar. Omikron könnte laut Virologe Christian Drosten den Übergang zur sogenannten Endemie beschleunigen, da sich durch die rasant ausbreitende Virus-Variante viele Menschen anstecken würden.

Bei einer Endemie infizieren Menschen sich weiterhin mit dem Virus. Allerdings ist das Immunsystem bei den meisten dann schon mit dem Virus in Kontakt gekommen oder durch eine Impfung geschützt, sodass das Gesundheitssystem nicht mehr belastet wird.

Video herunterladen (9,8 MB | MP4)

Neue Virusvarianten möglich

"Wir alle hoffen, dass es bald vorbei ist", sagt Tim Piepho, Chefarzt der Abteilung für Intensivmedizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier. "Dass das Ganze endemisch ist und unser Leben nicht mehr bestimmt."

Piepho glaubt, dass es noch zu früh ist, zu große Hoffnungen zu wecken. "Corona hat uns in den letzten zwei Jahren gezeigt, dass es immer mit neueren Varianten um die Ecke kommt und Besonderheiten aufweisen kann. Ich schätze, dass da noch etwas kommt, was wir durchaus noch nicht ahnen." Er glaubt, dass es weiterhin Patienten geben wird, die sich mit anderen Varianten anstecken werden.

Endemie, nur wenn Omikron dominant bleibt

"Man kann sich aber schon vorstellen, dass wir irgendwann in ein bestimmtes Gleichgewicht hineinkommen", so Piepho im SWR-Interview. Das müsse aber auch damit zusammenhängen, dass keine neueren Varianten um die Ecke kämen. Das hieße, dass Omikron auch bestimmend bliebe.

"Wir werden die Pandemie im Krankenhaus als beendet sehen, wenn nur noch wenige Patienten mit einem schweren Corona-Verlauf ins Krankenhaus kommen", erklärt der Chefarzt.

Impfquote zu gering für Endemie?

Die Expertin für Impfstoffverteilung, Elisabeth Massute, sieht der Endemie noch kritisch entgegen. "Da sind Herausforderungen, vor denen wir stehen." In vielen Ländern sei die Impfquote nicht erreicht worden, gerade in ärmeren Ländern wie Afrika.

"Wir müssen in einen Zustand kommen, wo genug Impfstoff für alle weltweit produziert werden kann - dass Impfstoff bedarfsgerecht verteilt werden kann", fordert Massute im SWR-Interview. Das halte sie für sehr wichtig, damit die Menschen für kommende Wellen und Varianten gewappnet seien.

Ein wichtiger Baustein dabei sei die Patentaussetzung zum Beispiel bei Medikamenten und Schutzkleidung, so Massute.

"Es wurde am Anfang gesagt, der Impfstoff wird ein globales öffentliches Gut sein. Aber wir müssen auch dementsprechend handeln." Impfstoffe müssten schnell, gerecht oder bedarfsorientiert verteilt werden. "Die Pandemie wird erst dann zu Ende sein, wenn sie überall zu Ende ist", erklärt die Expertin.

Niedrigere Inzidenzen im Frühjahr

Der Epidemiologe Hajo Zeeb hält Prognosen zwar für schwierig, ist aber trotzdem recht optimistisch: "Modellierer würden es auch nie wagen, soweit zu schauen." Trotzdem sehe er gute Chancen, dass Corona in Zukunft weniger dramatisch erscheint.

"Wir haben jetzt natürlich aktuell einen Aufgalopp, was die Zahlen angeht. Die Inzidenzen gehen dramatisch hoch und das wird jetzt die nächsten Tage und Wochen weiter nach oben gehen - aber dann auch sicherlich wieder nach unten", sagt Zeeb.

Rheinland-Pfalz

Aktuelle Informationen Krankenhauspersonal in Region Trier fast komplett geimpft

2G- und 3G-Regeln, Corona-Zahlen und alles rund ums Impfen: Die wichtigsten Entwicklungen zum Coronavirus in Rheinland-Pfalz finden Sie hier bei uns im Live-Blog.  mehr...

"Der Übergang in die Endemie ist schon am Horizont zu sehen." Zum Frühjahr rechnet der Experte mit niedrigeren Inzidenzen. Endemie bedeute, dass Corona nicht komplett verschwunden sei, sondern dass es weiterhin Infektionen gebe, die aber nicht zu so großen Ausschlägen beziehungsweise Wellen führten. Das hieße nicht, dass es keine schweren Verläufe geben würde, aber das Virus in Alltag und Gesundheitssystem integriert werden könne.

Rheinland-Pfalz

Entwicklung der Pandemie Zahlen bleiben in RLP auf hohem Niveau

In Rheinland-Pfalz hat es am Samstag 1.838 neue bestätigte Corona-Fälle gegeben. Es kam zu keinem Todesfall binnen 24 Stunden im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung.  mehr...

Rheinland-Pfalz

B.1.1.529 in Deutschland FAQ zu Omikron - Was wir über die neue Corona-Variante wissen

Die neue Corona-Variante B.1.1.529 - Omikron genannt - breitet sich zunehmend auch in Rheinland-Pfalz aus. Was wir bislang über Omikron wissen:  mehr...

SWR Aktuell am Vormittag SWR Aktuell

Rheinland-Pfalz

Infektionsschutz gegen Produktivität Verkürzte Quarantäne - ja oder nein?

Viele andere Länder machen es vor: Für Menschen ohne Corona-Symptome wird die Quarantäne deutlich verkürzt. Auch in Rheinland-Pfalz wird die Diskussion lauter.  mehr...

STAND
AUTOR/IN