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Viele Patienten haben Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Von April bis Juni kamen deutlich weniger Menschen zu ihren Ärzten in die Praxen.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz gilt dies für fast alle ärztlichen Präventionsleistungen außer den Vorsorge-Checks für Kinder. Von Januar bis April 2020 stiegen die Zahlen beim Neugeboren-Screening im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres sogar signifikant an von 661 auf 1.084. Auch bei der U7a-Untersuchung für Kinder gab es einen leichten Zuwachs um rund 500 Fälle im Vorjahresvergleich auf jetzt 7.762.

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Erwachsene blieben den Praxen häufig fern

Ganz anders sieht es aus, wenn man die Entwicklung bei den Erwachsenen betrachtet. Die Zahl der Präventions-Untersuchungen bei Männern und Frauen, auch bei der Krebsfrüherkennung, sank deutlich von 442.646 im zweiten Quartal 2019 auf 358.065 von April bis Juni 2020. Allerdings sind die Zahlen für Kinderpräventions-Untersuchungen (U1-U9) hierbei mit eingerechnet.

Beim Hautkrebs-Screening kommen sich Arzt und Patient sehr nahe (Foto: dpa Bildfunk, Karl-Josef Hildennbrand (picture-alliance/dpa))
Beim Hautkrebs-Screening kommen sich Arzt und Patient sehr nahe Karl-Josef Hildennbrand (picture-alliance/dpa)

Ähnlich deutliche Rückgänge gab es nach Angeben der KV auch bei der Brustkrebs-Früherkennung bei Frauen (Mammographie) und beim Hautkrebs-Screening. Die Zahl der Brustkrebs-Vorsorgechecks sank um rund 13.000 auf 19.802, beim Hautkrebs-Screening gab es ein Minus von mehr als 20.000 Fällen auf 61.410. Fast gleich blieb die Zahl der Darm-Spiegelungen. Sie stieg um rund 2.000 Fälle auf 46.817. Zahlen für das dritte Quartal (Juli bis September) liegen laut Kassenäztlicher Vereinigung noch nicht vor.

Gründe können nur erraten werden

Wie der Leiter der Stabsstelle Kommunikation der KV, Dr. Rainer Saurwein, auf SWR-Anfrage mitteilte, kann über die Gründe für dieses Patienten-Verhalten nur spekuliert werden. Eltern würden in der Regel schriftlich aufgefordert, die Vorsorge-Untersuchungen für ihre Kinder wahrzunehmen.

Viele Erwachsenen scheuten wohl vor allem den direkten Kontakt mit Ärzten und Sprechstundenhilfen. Auch beim Haut-Screening gebe es wohl Berührungsängste der Patienten, sagte Saurwein. Dagegen würden bei einer Dickdarm-Spiegelung die Untersuchungsgeräte von unten durch den After eingeführt. Dadurch gebe es weniger unmittelbaren Kontakt zwischen Patient und Arzt.

Präventionsleistungen in Zahlen
Fallzahlen in den Quartalen2/20192/2020
Neugeborenen-Screening6611.084
Prävention Mann/Frau einschließlich Krebs und U1-bis U9442.646358.965
Mammographie32.54619.802
U7a bei Kindern7.2777.762
Dickdarm-Spiegelung44.30446.817
Hautkrebs-Screening83.39861.410

Quelle: Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz

Auch Zahnärzte vom ersten Lockdown betroffen

Auch die Zahnärzte verzeichneten im zweiten Quartal 2020 einen deutlichen Rückgang an Behandlungen. Wie die Kassenzahnärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KZVRLP) mitteilte, wurden deutlich weniger Patienten in den Praxen behandelt als im Vorjahreszeitraum. Zudem seien wegen der Corona-Pandemie Vorsorge-Untersuchungen abgesagt oder verschoben worden, hieß es. Die Unterschiede in den einzelnen Praxen seien recht groß. Genau lasse sich das Patienten-Aufkommen nicht beziffern.

Vorsorgeuntersuchung in einer Zahnarzt-Praxis  (Foto: dpa Bildfunk, Robert Kneschke (picture-alliance/dpa))
Vorsorgeuntersuchung in einer Zahnarzt-Praxis Robert Kneschke (picture-alliance/dpa)

Rückgang geht aus Abrechnungsdaten hervor

Nach den Abrechnungsdaten des zweiten Quartals 2020 ist die Zahl der Behandlungen im genannten Zeitraum um rund 20 Prozent gesunken. Zahlen zum dritten Quartal liegen wie bei den anderen Medizinern noch nicht vor. Es zeichne sich aber ab, dass sich die Lage seit Juli wieder normalisiert habe und die Patienten wieder in die Praxen zurückkehrten, teilte Pressesprecherin Katrin Becker auf SWR-Anfrage mit.

Zahnbehandlungen sollten nicht aufgeschoben werden

Die KZVRLP appelliert an die Patienten, sowohl notwendige Behandlungen als auch Kontroll- und Vorsorge-Untersuchungen nicht aufzuschieben. Sorgen vor einer Infektion in der Praxis seien unbegründet. "Die Zahnärztinnen und Zahnärzte und ihre Teams haben sich im Behandlungsalltag sehr gut auf die besonderen Anforderungen der Corona-Pandemie eingestellt. Durch noch kürzere Wartezeiten, ausreichend Sicherheitsabstand im Wartezimmer, häufiges Lüften aller Räume und Arbeiten in festen Teams haben sie die ohnehin hohen Schutzstandards für ihre Patienten erhöht", so Pressesprecherin Katrin Becker.

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