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Steigende Corona-Fallzahlen, neue Kontaktbeschränkungen, abgesagte Weihnachtsmärkte - schon jetzt ist klar, dass dieses Jahr das Fest anders aussieht. Die Kirchen bereiten sich bereits darauf vor.

An Heiligabend mit der Familie zusammensitzen, Bescherung unter dem Weihnachtsbaum und abends in die Christmette - Diese Tradition gibt es bei vielen Familien auch heute noch unabhängig davon, welche Rolle der Glaube spielt.

"Das sind Erwartungen, die es seit Kindertagen gibt", sagt Pfarrer Andreas Rummel, Pressesprecher der evangelischen Kirche in der Pfalz. Daher rechne er auch in diesem Jahr trotz Corona damit, dass viele Menschen an den Feiertagen in den Gottesdienst möchten. Um diesem Wunsch nachzukommen, sind die Planungen schon jetzt in vollem Gange.

Ein Fokus wird auf Gottesdienste im Freien gelegt, so Rummel. In Miesau (Kreis Kaiserslautern) soll es beispielsweise einen Waldgottesdienst geben.

"Wir feiern anders - aber die Botschaft bleibt dieselbe"

"Weihnachten wird weder abgesagt noch verboten, aber wir feiern es anders als in anderen Jahren. Auf manches Vertraute werden wir verzichten müssen", so Barbara Kohlstruck, Dekanin des Protestantischen Kirchenbezirks Ludwigshafen.

Die Botschaft von Weihnachten bleibe dieselbe – das gelte aber nicht unbedingt für die Routine und die Bräuche, sagt Dekan Alban Meißer, Leiter des Katholischen Dekanats Ludwigshafen.

Dekanate bitten um Anmeldung

Unter Corona-Bedingungen stehen in den Gotteshäusern 60 bis 70 Prozent weniger Plätze zur Verfügung. Um niemanden an Weihnachten abweisen zu müssen, bitten die Dekanate alle Gottesdienst-Besucher, sich rechtzeitig anzumelden.

Mehr Gottesdienste mit weniger Besuchern an Heiligabend

Die Kirchen reagieren auf die außergewöhnliche Situation, gehen zum Beispiel ins Freie oder halten einfach mehr Gottesdienste. Unter anderem bietet die protestantische Martinskirchengemeine in Maudach an Heiligabend den Familiengottesdienst drei Mal hintereinander an. In der evangelischen Pauluskirche Ludwigshafen heißt es zwischen 16 und 17 Uhr "Gottesdienst to go": Fortlaufend werden kleinere Gruppen zu insgesamt sechs Stationen in der Kirche geleitet.

Die katholische Pfarrei Heiliger Petrus und Heiliger Paulus bittet um 16 Uhr zur Familienkrippenfeier auf dem Platz des SV Südwest, die protestantische Jona-Gemeinde (Mitte) feiert an Heiligabend um 21.30 Uhr auf dem Lutherplatz

Auch in Pirmasens sind Messen im Freien geplant. Alternativ gibt es Gemeinden, die verschiedene Stationen anbieten, an denen sich die Gläubigen für einen Moment aufhalten können, damit sich nicht zu viele Menschen über einen langen Zeitraum an einem Ort aufhalten.

"Wir wollen niemand nach Hause schicken, weil die Plätze nicht ausreichen."

Pfarrei Maria Schutz, Kaiserslautern

Überall im Land werden die Angebote aufgestockt. Das Bistum Speyer beispielsweise bietet mehr Gottesdienste an und hat ein umfangreiches Online-Programm konzipiert. Im Dom wird die Krippe nicht aufgebaut, aus Sorge vor zu vielen Besuchern. Anstatt einer Kinderkrippenfeier und einer Christmette werden dort zwei Feiern und drei Metten an Heiligabend angeboten. Zu diesen müssen sich die Besucher aber zuvor anmelden.

In der Kaiserslauterer Pfarrei Maria Schutz werden die Krippenfeiern durch kurze Gottesdienste ersetzt. Der dortige Pfarrer will spontan auf die Besucherzahlen reagieren. "Sollten die Gottesdienstbesucher strömen, werden kurzfristig weitere Gottesdienste im Freien oder um 16 Uhr stattfinden. Wir wollen niemand nach Hause schicken, weil die Plätze nicht ausreichen."

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Hygieneregeln für Gottesdienste

Für Gottesdienste in Kirchen und geschlossenen Räumen gelten folgende Regeln:

  • Alle Kontaktdaten (Name, Vorname, Anschrift, Telefon-Nr.) sowie Datum und Zeit der Anwesenheit der Gottesdienstbesucher werden erfasst – entweder im Vorfeld oder beim Einlass. Die Daten werden einen Monat für eine mögliche Nachverfolgung aufbewahrt und dann vernichtet oder gelöscht.
  • Menschen mit Erkältungssymptomen dürfen nicht am Gottesdienst teilnehmen.
  • Der Mindestabstand beträgt 1,5 Meter.
  • Gemeindegesang ist nicht mehr möglich

- Ein- und Ausgang müssen getrennt ausgewiesen werden (Einbahnregelung).

  • Die Kirchen müssen gut gelüftet sein. Umluftheizungen oder andere problematische Heizungssysteme müssen 30 Minuten bevor die erste Person die Kirche betritt abgeschaltet werden.

Kurze, kleine Feiern, Online und vor Ort

Bei der evangelischen Kirche Hessen und Nassau (EKHN) planen einige Gemeinden bereits seit dem Sommer die Weihnachtszeit. "Von der Feier im Fußballstadion mit Abstand über das Krippenspiel to go durch den Ort bis zum inzwischen schon klassischen Streaming-Gottesdienst in der Corona-Krise gibt es hier viele phantasievolle Ideen", sagt Pressesprecher Volker Rahn. Jedoch habe sich die Lage durch die steigenden Corona-Zahlen noch einmal zugespitzt.

Die von Kirchenpräsident Volker Jung gewünschten Feiern auf Straßen und Plätzen werden unwahrscheinlicher. Der Trend ginge in Richtung kleine, kurze Feiern "am laufenden Band" mit ganz wenigen Besuchern, so Rahn.

Im Bistum Mainz wird ebenfalls mit einer Mischung aus Online und vor Ort geplant. Auf der Website werden verschiedene Angebote für die Advents- und Weihnachtstage bereitgestellt. Für den digitalen Familiengottesdienst an Heiligabend kann vorab das Mitmachpaket mit Bastelunterlagen bestellt werden.

Die Botschaft bleibt die gleiche: Fürchtet euch nicht

Die evangelische Kirche im Rheinland geht die Weihnachtszeit während der Corona-Pandemie theologischer an. Die Botschaft ist die gleiche: "Fürchtet euch nicht", heißt es von dort. Corona ändere nichts daran, dass Weihnachten ist. Die Engel kommen an Weihnachten zu den Hirten, bei denen es auch nicht gut läuft. "Diese Botschaft gilt auch 2020. Hinter all dem steht noch ein Gott, der die Welt in den Händen hält." Dafür werden Andachten zum Mitnehmen konzipiert, Telefon-Andachten angeboten und Zeitungsbeilagen entworfen. Auf der Internetseite wird dargestellt, ob die Gottesdienste drinnen, draußen oder online stattfinden.

Außerdem planen überall in Rheinland-Pfalz die beiden großen Kirchen ökumenische Gottesdienste und Veranstaltungen. Man stehe zusammen, heißt es dazu beispielsweise aus der Pfalz.

Angst vor dem Gottesdienst-Verbot

Bei all den Bemühungen, Alternativen zu finden, gibt es aber schon jetzt auch Rückschläge. Von der evangelischen Kirche in der Pfalz heißt es, dass die Weidenkirche auf dem Kaiserberg, die jedes Jahr stattfindet, in diesem Jahr nicht genehmigt wurde. Ein weiterer Gottesdienst auf dem Betzenberg wurde mit der Begründung abgelehnt, dass dort auch keine Zuschauer beim Fußball zugelassen seien.

verschneite Weidenkirche auf der Gartenschau Kaiserslautern, viele Menschen mit Schirmen stehen davor (Foto: Gartenschau Kaiserslautern)
Verschneite Weidenkirche auf der Gartenschau Kaiserslautern, viele Menschen mit Schirmen stehen davor. Gartenschau Kaiserslautern

Über ein Szenario möchte sich jedoch kein Verantwortlicher bisher so richtig Gedanken machen: Ein mögliches Gottesdienst-Verbot, wenn die Corona-Zahlen weiter stark ansteigen. "Das wäre der GAU", heißt es aus der Pfalz. Man habe schon an Ostern gemerkt, dass die Leute alleine gelassen wurden, Weihnachten sei aber noch einmal eine andere Nummer. Auch Volker Rahn von der EKHN spricht von einem GAU. "Das wäre eine religiöse Katastrophe."

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