Eine Pflegekraft am Uniklinikum Frankfurt erhält eine Corona-Impfung.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa pool | Andreas Arnold)

Omikron-Welle in Rheinland-Pfalz

Impfen ohne Ende? Was Experten zur vierten Corona-Impfung sagen

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Mark Kalbus

Geht es nach der rheinland-pfälzischen Landesregierung, könnte es womöglich bereits im Frühjahr mit der vierten Corona-Impfung losgehen. Doch wie sinnvoll wäre das eigentlich?

Zunächst schien alles so einfach: Zwei Impfdosen sollten vor dem Coronavirus schützen. Doch dann zeigten Daten, dass die Schutzwirkung innerhalb weniger Monate nachlässt. Also kam die Auffrischungsimpfung. Und nun wird darüber diskutiert, Menschen ein viertes Mal zu impfen - und zwar mit einem Präparat, das an die Omikron-Variante angepasst ist. Die Planungen dafür sind in Rheinland-Pfalz schon recht konkret.

"Wir hören von unseren Ansprechpartnern bei BioNTech, dass sie mit Hochdruck an einem an Omikron angepassten Impfstoff arbeiten", sagt Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD). Das Mainzer Unternehmen steige bereits sukzessive in die Vorproduktion ein. BioNTech selbst hat erklärt, das Vakzin bis März bereitstellen zu wollen. Eine Zulassung durch die europäische Arzneimittelagentur EMA könnte dann im zweiten Quartal erfolgen.

Hoch: Impfstart in RLP mit Wissenschaft abklären

Im Moment begutachte man wissenschaftlich, wann ein guter Zeitpunkt für den Start der Impfungen sei, sagt Hoch. Daten dafür liefere die Viert-Impfungs-Kampagne in Israel. Dort erhalten seit Anfang des Jahres Personen ab 60 Jahren, Menschen mit Immunschwäche sowie Ärzte und Pfleger den zweiten Booster. Schon jetzt ist für Hoch klar: "Es lohnt sich für das Immunsystem, einen gewissen Abstand zu haben zwischen der dritten und einer möglichen vierten Impfung." Denn so könne die körpereigene Abwehr reifen und lernen.

Ein Mann erhält in Israel die vierte Impfung gegen das Coronavirus. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/JINI/XinHua | Gideon Markowicz)
Eine halbe Million Israelis hat inzwischen eine vierte Corona-Impfung erhalten. picture alliance/dpa/JINI/XinHua | Gideon Markowicz

Also vier Impfungen gegen das Coronavirus und danach womöglich weitere? Denn schließlich dürfte Omikron nicht die letzte Mutation sein. Ließen die Menschen das überhaupt mit sich machen? Und wäre es sinnvoll? Viele Wissenschaftler zeigen sich eher skeptisch.

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Macht Durchseuchung vierte Impfung überflüssig?

Zu den Zweiflern gehört etwa der Virologe Klaus Stöhr, der früher für die Weltgesundheitsorganisation gearbeitet hat. Im Frühjahr werde die hochansteckende Omikron-Variante zu einer Durchseuchung der Gesellschaft führen, sagte er unlängst im TV-Sender Bild. Die so gewonnene Immunität werde "oben draufgepflanzt" auf die Immunisierung durch Impfungen. Beides zusammen werde zu einem anhaltenden Immunschutz führen, so dass man auch nicht das vierte, fünfte, sechste, oder siebte Mal boostern müsse. Im Herbst müsse man dann sehen, ob man den über 60-Jährigen noch einmal ein Impfangebot macht.

Ähnlich äußerte sich der Berliner Virologe Christian Drosten: Im häufig milderen Verlauf nach Ansteckung mit Omikron liege eine "Chance", in den endemischen Zustand zu kommen - "breite Immunität vorausgesetzt", so Drosten im "Tagesspiegel". Alle Menschen müssten sich früher oder später mit Sars-Cov-2 infizieren. Dazu gebe es keine Alternative. "Wir können nicht auf Dauer alle paar Monate über eine Booster-Impfung den Immunschutz der ganzen Bevölkerung erhalten." Das müsse das Virus machen.

Plädoyer für Viert-Impfung von Gefährdeten

Doch es gibt auch Mediziner, die für eine Viert-Impfung plädieren - beispielsweise der Münchner Corona-Experte Clemens Wendtner: Er mahnt, die vierte Impfung zügig vorzubereiten - und zwar mit den bisherigen Impfstoffen. Auf einen Omikron-Impfstoff zu warten, dauere zu lange, die Welle rolle jetzt heran, sagt der Chefarzt der Infektiologie an der München-Klinik Schwabing.

Wendtner hat insbesondere Personen im Blick, "die im Spätsommer einen Boost bekommen haben". Das könnten Beschäftigte im Gesundheitswesen ebenso sein wie besonders gefährdete Menschen etwa in Seniorenheimen. Als Vorbild nennt er ausdrücklich die Impfkampagne in Israel.

Plachter hält ständiges Impfen für unrealistisch

Dem widerspricht der Mainzer Virologe Bodo Plachter: "Die Daten aus Israel zeigen, dass man mit einer vierten Impfung nicht viel mehr bewirken kann", sagt er. "Man erzielt mit einer zeitgerechten Boosterung eine sehr gute Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen und Todesfälle."

Auch müsse man das perspektivisch weiterdenken: "Wenn wir jetzt von einer vierten Impfung reden, heißt das, dass wir in zwei Monaten die fünfte brauchen und in vier Monaten die sechste? Das ist natürlich vollkommen unrealistisch." Aus Sicht von Plachter ist das Hauptproblem, dass nur 47 Prozent der Deutschen geboostert sind - obwohl man wisse, dass eine zweifache Impfung auf Dauer nicht hinreichend schütze. Deshalb gelte es, diese Quote zu steigern. "Darauf müssen wir den Fokus legen."

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