Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigt Martin Luther (Foto: SWR)

Festakt 500 Jahre Wormser Reichstag

Gedenken an Luther-Auftritt in Worms

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In Worms ist an die Widerrufsverweigerung Luthers vor 500 Jahren erinnert worden. Bundespräsident Steinmeier und Ministerpräsidentin Dreyer würdigten den Mut des Reformators.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) bezeichnete in einer Videobotschaft den Auftritt Luthers vor dem Wormser Reichstag als "europäische Sternstunde des erwachten individuellen Gewissens". Steinmeier sagte, Luther habe seine Stunde des Gewissens bestanden, weil er bereit gewesen sei, dafür auch Freiheit und Leben aufs Spiel zu setzen.

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Dreyer würdigt Luthers Haltung

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sprach von Luther als einem couragierten Aufklärer, dessen Haltung bis heute fasziniere. Die per Video zugeschaltete SPD-Politikerin sagte, die Freiheit des Gewissens und der persönlichen Verantwortung seien zeitlos und hätten höchsten Stellenwert.

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In Thesen verurteilte Luther damals Ablasshandel

Der Reformator Martin Luther hatte es am 18. April 1521 auf dem Reichstag in Worms abgelehnt, von seinen Schriften abzurücken - die Reformation nahm ihren Lauf. In 95 Thesen verurteilte Luther damals den Ablasshandel der katholischen Kirche, sich von Sünden freikaufen zu können. Die berühmte Verteidigungsrede Luthers trug entscheidend dazu bei, dass seine Ideen sich immer weiter ausbreiten konnten.

Verschiedene Veranstaltungen am Wochenende

Mit dem Video-Festakt in Worms ist das Jubiläumswochenende "500 Jahre Wormser Reichstag" eröffnet worden.

Unter anderem wird die Fassade der Dreifaltigkeitskirche in Worms am Samstagabend bei einer Multimedia-Inszenierung mit rund 750 Quadratmetern Fläche zur größten Leinwand Deutschlands. Genau vor einem halben Jahrtausend soll sich der Reformator in Worms mit den Worten "Hier stehe ich. Ich kann nicht anders!“ geweigert haben, seine revolutionären Ideen in Glaubensfragen zu widerrufen. Bei der Inszenierung "Luther-Moment“ aus modernster Computertechnik, klassischen Schauspiel-Elementen und Live-Musik wird der Frage nachgegangen, wo Menschen heute "Luther-Momente“ erleben und für ihre Sache einstehen.

SWR überträgt "Luther-Momente" live

Pandemiebedingt wird die Aufführung ausschließlich im Fernsehen mitzuerleben sein. Der SWR überträgt den "Luther-Moment“ mit einem Vorbericht am 17. April ab 22.35 Uhr live.

Gespräch „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders“: Vor 500 Jahren stand Martin Luther vor dem Reichstag in Worms

Luther werde heute vor als Vorbild für Zivilcourage gesehen, so die Mainzer Kirchenhistorikerin Irene Dingel in SWR2. So werde heute auch der angebliche berühmte Ausspruch Luthers vor dem Wormser Reichstag vor genau 500 Jahren verstanden: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen“. Es sei heute ein berühmtes Diktum für Aufrichtigkeit und Mut, so Dingel: „Da steht jemand inmitten seiner Feinde, und er bleibt bei seiner Meinung.“
Das berühmte Zitat sei dabei erst nach dem Tod von Luther aufgekommen, nach 1546, so die Leiterin des Leibniz Instituts für Europäische Geschichte Mainz. Es finde sich erst im zweiten Band der lateinischen Ausgabe von Luthers Werken, in einer vorgeschalteten Biographie von Philipp Melanchthon, und sei so auch weiterverbreitet worden, beispielsweise über den Straßburger Theologen Ludwig Rabus.
Trotz solcher erst nachträglich kolportierten Aussprüche sei Luther aber keineswegs eine Projektionsfläche für beliebige Äußerungen. Nur weil der Wittenberger Mönch eine singuläre geschichtliche Figur gewesen, früh heroisiert worden und ungeheuer populär gewesen sei, versuche sich letztlich jedes Zeitalter auf neue Art in seiner Figur zu spiegeln.
So sei das berühmte Wort vom Weltuntergang, der ihn nicht hindern werde, ein Apfelbäumchen zu pflanzen, vermutlich erst im 18. Jahrhundert, womöglich sogar erst während des Zweiten Weltkriegs, entstanden. Aber, so Irene Dingel: „Jemandem so etwas zuzuschreiben hat ja auch einen wahren Kern: Tatsächlich war Luther jemand, der eine große Stärke aus der Hoffnung auf die Zukunft selbst erfahren hat, der andererseits aber auch um die Ängste der Menschen wusste.“  mehr...

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