Die Hochmoselbrücke bei Zeltingen-Rachtig überspannt das Moseltal in einer Höhe von bis zu 160 Metern. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa)

Mobilitätsindex des ADAC

Deshalb ist der Verkehr in RLP nachhaltiger als im Bundesschnitt

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AUTOR/IN
Sibille Lozano

Der ADAC hat erstmals wissenschaftlich analysiert, wie nachhaltig der Verkehr in Deutschland ist. Ergebnis: Rheinland-Pfalz steht besser da als der Bundesdurchschnitt. Aber es gibt noch viel zu tun.

Rheinland-Pfalz ist nach dem Saarland das Pendlerland Nummer 2 in Deutschland. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) spricht in seinem aktuellen Mobilitätsindex von der zweithöchsten Motorisierungsquote bundesweit: 616 Autos pro 1.000 Einwohner waren es im Jahr 2019. Vor allem in ländlich geprägten Regionen wie Eifel, Hunsrück und Westerwald ist es für die meisten Alltag, sich Tag für Tag ins Auto zu setzen, um zum Arbeitsplatz zu kommen.

ÖPNV-Angebot in Rheinland-Pfalz ausbaufähig

Ein Grund dafür ist laut ADAC, dass Rheinland-Pfalz nur zum Teil mit der Schiene erschlossen ist. Zwar wurde in den vergangenen Jahren das Busangebot leicht ausgebaut, aber: Insgesamt sei das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Ländervergleich unterdurchschnittlich. Entsprechend fahren die Menschen hier mit ihren Autos im Schnitt weitere Strecken als die Menschen in vielen anderen Bundesländern: 12.391 Kilometer pro Pkw im Jahr.

Positive Entwicklung im Bereich "Klima und Umwelt"

Die gute Nachricht ist: Wegen der geringen Verkehrsdichte gibt es auf den Straßen im Land vergleichsweise wenige Staus: 2019 beispielsweise hat es sich auf den Autobahnen auf rund 44.000 km gestaut. Dazu ist die Zahl der Verkehrstoten gesunken: von 2015 bis 2019 um 21 Prozent. Deshalb hat der Automobilclub die Verkehrssicherheit in Rheinland-Pfalz als leicht überdurchschnittlich bewertet. Das Staugeschehen wirkt sich laut ADAC auch im Bereich Zuverlässigkeit positiv aus.

Weiter stellt der ADAC fest: Zwar hat es in Rheinland-Pfalz einen sehr hohen Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen gegeben - er sei allerdings rückläufig. Die Belastungen mit Luftschadstoffen ist im Vergleich zu anderen Bundesländern trotz einiger Ausreißer nach oben moderat, und die Lärmbelastung der Bevölkerung konnte sogar deutlicher gesenkt werden als im Bundesdurchschnitt. Gleiches gelte für den Energieverbrauch. Das gibt Pluspunkte im Themenfeld Klima und Umwelt.

Auch was die Verfügbarkeit betrifft, steht Rheinland-Pfalz gut da: So hat der ADAC beispielsweise bewertet, wie weit die Wege zur nächsten Autobahnauffahrt sind; ebenso, wie viele Carsharing-Fahrzeuge im Land verfügbar sind. Für den Bereich Bezahlbarkeit stellt der Verkehrsclub generell fest: Bei uns im Land ist Mobilität für die Bevölkerung im Verhältnis zum Einkommen bezahlbar.

Fazit: Mobilität in RLP nachhaltiger als insgesamt in Deutschland

Im Durchschnitt erzielt Rheinland-Pfalz nach Angaben des ADAC in fast allen Kategorien bessere Werte als andere Bundesländer. Das Land bewege sich stärker in Richtung Nachhaltigkeit als Deutschland insgesamt.

"In Rheinland-Pfalz zeigen sich Entwicklungen, die auf dem Weg zu einer nachhaltigen Mobilität positiv zu bewerten sind."

Aber: Wegen der Pendlerströme vor allem in Richtung Rhein-Main und Köln könne es in Zielgebieten zu Staus kommen. Deshalb sei es wichtig, länderübergreifend leistungsfähige Angebote im öffentlichen Verkehr zu schaffen - um nicht nur im eigenen Land, sondern auch den angrenzenden Regionen die Nachhaltigkeit zu unterstützen.

ADAC Mittelrhein kritisiert Landesregierung

Klaus Manns, der Vorsitzende des ADAC Mittelrhein, hat angesichts des aktuellen Mobilitätsindex die rheinland-pfälzischen Landesregierung kritisiert: Aktuell gebe es die Bestrebung, den öffentlichen Verkehr deutlich zu stärken und auf die Schiene zu holen, indem stillgelegte Schienenstrecken wieder geöffnet würden. "Das könnte ein Irrweg sein", so Manns. Ein Großteil der stillgelegten Schienenstrecken liegt gerade dort, wo keine große Nachfrage bestehe.

Bundesweites Ergebnis: "enormer Handlungsdruck"

ADAC-Präsident Christian Reinicke stellt angesichts der bundesweiten Entwicklungen klar: "Wir sind in den letzten Jahren in Richtung Nachhaltigkeit insgesamt nicht vorangekommen, weil positive Entwicklungen in einigen Bereichen von negativen in anderen kompensiert wurden."

Die Entwicklung habe bisher nur eine Richtung gekannt: mehr Mobilität, mehr Möglichkeiten für den Individualverkehr, bessere Anbindungen des regionalen und überregionalen öffentlichen Verkehrs, mehr Transport und Güterverkehr, mehr ICE-Strecken und Autobahnen, mehr Start- und Landebahnen und ein Ausbau von Häfen.

Die positiven Effekte von Technologien, die die Mobilität sicherer, emissionsärmer und vernetzter gemacht haben, würden teilweise durch das Mehr an Mobilität wieder aufgehoben. Insgesamt gehe der Wandel zu langsam voran.

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