Der AfD-Fraktionschef Uwe Junge hält eine Rede im Landtag (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Andreas Arnold)

63-Jähriger erklärt Gründe für AfD-Austritt

Junge: "Ich kann nicht mehr Mitglied dieser Partei sein"

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Der ehemalige rheinland-pfälzische AfD-Fraktionschef Uwe Junge hat in einem SWR-Interview die Gründe für seinen Parteiaustritt erläutert. Demnach bewog ihn am Ende eine Entwicklung in Nordrhein-Westfalen dazu.

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"Der eigentliche Auslöser war dann letztlich das Verhalten des Bundesvorstands gegenüber dem Herrn Helferich in Nordrhein-Westfalen, der sich ja hier offen als NS-Sympathisant dargestellt hat und tatsächlich kein Parteiausschlussverfahren bekommen hat", sagte Junge im SWR. "Und gleichzeitig werde ich mit Parteiordnungsmaßnahmen überzogen."

Wirbel um Helferich-Chat

Der Fall Matthias Helferich schlägt seit mehreren Monaten hohe Wellen: Der Dortmunder Jurist war im Mai in NRW auf den aussichtsreichen siebten Platz der Landesliste für die Bundestagswahl gewählt worden. Danach wurde ein nicht öffentlicher Facebook-Chat aus dem Jahr 2017 bekannt, in dem er sich als "das freundliche Gesicht des NS" bezeichnet, wie ein vom WDR veröffentlichter Screenshot zeigt. Helferich erwähnte in dem Chat demnach auch Kontakte in die Neonazi-Szene der Stadt.

Anfang August sprach sich die AfD-Bundesspitze daraufhin für eine Ämtersperre gegen Helferich aus. Ein Parteiausschlussverfahren lehnte der Parteivorstand dagegen ab. Für Junge brachte diese Entwicklung offenbar das Fass zum Überlaufen: "Und wenn ich jetzt vor der Frage stehe, was wähle ich denn am 26. September und komme zu dem Schluss: Diese Partei kann ich nicht mehr wählen - dann kann ich nicht mehr Mitglied dieser Partei sein", so der 63-Jährige im SWR.

Kritik an Gauland und Entwicklung der AfD

Junge hatte am Sonntagabend auf Facebook seinen Austritt aus der AfD bekannt gegeben. Dabei ging er auch scharf mit AfD-Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland ins Gericht: Dieser habe lange seine schützende Hand über den "völlig überschätzten" Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke und andere Protagonisten des Rechtsaußen-Flügels der Partei gehalten, schreibt Junge. Damit habe er dem Ansehen der Partei Schaden zugefügt.

Junge, der bei der zurückliegenden Landtagswahl nicht mehr angetreten war, beklagte zudem eine "negative Veränderung der Mitgliederstruktur". Damit sei eine Umkehr der Entwicklung nicht mehr möglich, weil vernünftige und gebildete Menschen schon bei dem ersten Besuch einer Veranstaltung der AfD "von der überreizten Stimmung, gepaart mit wilden Verschwörungstheorien und teilweise unflätigem Benehmen abgeschreckt werden, während sich der blökende Stammtischprolet wie zu Hause fühlt".

Kontroversen schon im April und Juni 2021

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Junge hatte im vergangenen Juni auch in der eigenen Partei Kritik auf sich gezogen, als er die Regenbogen-Kapitänsbinde von National-Torwart Manuel Neuer auf Twitter als "Schwuchtelbinde" bezeichnet hatte. Später löschte er den Tweet und entschuldigte sich für den Begriff.

Reaktionen aus Bund und Landesverband

Tino Chrupalla, Spitzenkandidat der AfD zur Bundestagswahl, wünscht Junge "Alles Gute im politischen Ruhestand". Er dankte ihm über Twitter für seine Aufbauarbeit, jedoch sei er lediglich einem Parteiausschlussverfahren zuvorgekommen. Auch in Rheinland-Pfalz wird auf diesen Tweet Bezug genommen.

Uwe Junge ist aus der #AfD ausgetreten. Dieser Schritt war mittlerweile nicht mehr überraschend. https://t.co/5MbPS9FvMt

Auch der Vorstand der rheinland-pfälzischen AfD erklärte, Junge sei mit seinem Austritt weiteren Parteiordnungsmaßnahmen zuvorgekommen. Man danke dem 63-Jährigen für vergangene Verdienste, bedauere jedoch den politischen Irrweg, den er seit geraumer Zeit eingeschlagen habe.

Junge will künftig Partei LKR unterstützen

Er werde bei der nächsten Bundestagswahl die Partei Liberal-Konservative Reformer (LKR) wählen, schrieb Junge. Seine Hoffnung sei, dass die LKR "zum Sammelbecken aller vernünftigen Konservativen aus AfD, CDU und anderen werden kann". Die Partei war 2015 von Bernd Lucke und anderen ehemaligen AfD-Mitgliedern gegründet worden. Inzwischen ist Lucke nur noch einfaches Mitglied der LKR.

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