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Das US-Militär hat Rheinland-Pfalz stark geprägt. Fast 30 Jahre vor der Gründung des Bundeslandes waren schon US-Soldaten hier stationiert. Mehr als 50.000 Amerikaner leben heute in Rheinland-Pfalz.

Die US-Streitkräfte sind mit rund 7.200 Mitarbeitern in Rheinland-Pfalz einer der größten Arbeitgeber im ganzen Land. Die Air Base im pfälzischen Ramstein ist zudem für die USA einer der wichtigsten Stützpunkte außerhalb ihres Staatsgebiets. Nach derzeitigem Stand ist die Airbase auch nicht von den Plänen von US-Präsident Donald Trump betroffen, wonach fast 12.000 US-Soldaten von ihren deutschen Standorten in andere europäische Länder verlegt oder heimgeholt werden sollen.

Ramstein soll Weltraumzentrum werden

Im Gegenteil: Der Nato-Stützpunkt auf der US-Luftwaffenbasis soll sogar um ein Weltraumzentrum erweitert werden. Das Verteidigungsbündnis will von der Pfalz aus sein militärisches Engagement im All koordinieren. Dabei geht es vor allem um Angriffe irdischer Gegner auf Satellitensysteme.

Soldaten schon nach Erstem Weltkrieg stationiert

Fast 250.000 US-Soldaten kamen nach dem Ersten Weltkrieg als Besatzer an den Rhein. Die meisten von ihnen mussten zwischen Trier und dem Westerwald untergebracht werden. Unter ihnen war als Adjutant auch der spätere Friedensnobelpreisträger George C. Marshall (1880-1959). Nach ihm wurde das Konjunkturprogramm der Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg benannt, mit dem Historiker den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands verbinden. Weite Teile der Region Trier-Koblenz waren bis 1923 Besatzungszone.

Doughnuts for doughboys, Montabaur on the Rhine, Germany, c1918-c1919. Doughboys was the nickname given to US Army soldiers in World War I. Stereoscopic card. Detail. (The Print Collector  Heritage Images) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Nach dem Ersten Weltkrieg in Montabaur: "Doughnuts" für "Doughboys" - US-Soldaten bekommen Frischgebackenes Picture Alliance

Mit den "Doughboys" ("Teigjungs"), wie die Soldaten umgangssprachlich genannt wurden, kam bereits amerikanische Kultur an den Rhein. Wegen Platzmangels wurden Soldaten auch in Privathäusern einquartiert. Auf einmal aßen ehemalige Gegner gemeinsam zu Abend. Fraternisierung, also "Verbrüderung" mit den Deutschen, war den US-Amerikanern verboten. Durch die Wohnsituation und das gemeinsame Leben war das aber schlicht unmöglich. Mindestens 200 Kinder amerikanisch-deutscher Beziehungen kamen in dieser Zeit allein in Koblenz zur Welt, die Dunkelziffer gilt als hoch. Der in Andernach am Rhein geborene Schriftsteller Charles Bukowski (1920-1994) entstammt auch einer solchen Beziehung. Auch Hollywoodstar Bruce Willis wurde in Idar-Oberstein als Sohn eines hier stationierten US-Soldaten geboren.

Das Amerikanische Besatzungsgebiet in Rheinland-Pfalz nach dem Ersten Weltkrieg (Foto: SWR)
Das Besatzungsgebiet der USA nach dem Ersten Weltkrieg erstreckte sich zunächst linksrheinisch entlang der Mosel, zwischen Trier und Koblenz.

Im Frühjahr 1945 trafen wieder US-amerikanische Besatzungssoldaten in Rheinland-Pfalz ein. Sie bauten im Laufe der Zeit sieben Militärflugplätze im Land. Nach Ende des Kalten Krieges 1991 wurden aus vielen Städten und Regionen US-amerikanische Streitkräfte abgezogen. Nur zwei Militärflughäfen sind heute in dieser Funktion noch in Betrieb: Ramstein und Spangdahlem. Nach den Plänen von US-Präsident Trump soll vom Luftwaffenstützpunkt Spangdahlem in der Eifel ein Geschwader mit etwa zwanzig F16-Kampfjets samt Besatzung, Mechanikern und Unterstützungskräften nach Italien verlegt werden.

18.500 US-Soldaten in Rheinland-Pfalz stationiert

35.000 Soldaten und noch weitere rund 17.000 zivile US-Mitarbeiter der US-Streitkräfte sind derzeit noch in Deutschland stationiert. Dazu kommen noch 25.000 Familienangehörige aus den USA. Mehr als die Hälfte davon - 18.500 - sind in Rheinland-Pfalz an zehn Orten stationiert. Dazu kommen nach Angaben des Innenministeriums etwa 11.000 Zivilbeschäftigte und rund 21.000 Familienangehörige.

"Die Streitkräfte sind natürlich ein wertvoller Wirtschaftsfaktor", sagt Bürgermeister Ralf Hechler (CDU) von der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach. Die US-Streitkräfte hätten die Wertschöpfung der Militärgemeinde Kaiserslautern inklusive Ramstein für die regionale deutsche Wirtschaft schon vor fünf Jahren auf rund 2,35 Milliarden US-Dollar beziffert, heißt es im Innenministerium.

Militärhospital als großes aktuelles Bauprojekt

Die US-Streitkräfte investieren auch kräftig in Rheinland-Pfalz. Der Bau des größten amerikanischen Militärhospitals außerhalb der Vereinigen Staaten im pfälzischen Weilerbach soll bis Ende 2024 fertig sein und das Krankenhaus in Landstuhl aus den 1950er Jahren ablösen. Das neue Hospital werde rund 4.000 Räume und Platz für 68 bis 93 Krankenbetten haben, heißt es bei Amt für Bundesbau in Mainz. Der US-Kongress stellt dafür rund 871 Millionen Dollar zur Verfügung, der Bund beteiligt sich an den Planungskosten mit etwa 151 Millionen Euro. Zudem sind elf neue Schulen innerhalb der nächsten zehn Jahre geplant sowie Wohnungen und Lager für die Streitkräfte.

Trump mit US-Soldaten in Ramstein (2018) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, Picture Alliance/Picture Alliance)
US-Präsident Donald Trump mit Soldaten in Ramstein (2018) Picture Alliance/Picture Alliance

Armee und US-Firmen als Arbeitgeber

US-Firmen sind häufig Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz, etwa der Bau- und Landmaschinenhersteller John Deere, der Parfüm- und Kosmetikkonzern Coty oder der Grill-Experte Weber-Stephen.

Amerikanische Präsenz in der Musik und im Sport

Amerikaner an Rhein und Mosel, das ist jedoch noch viel mehr als Armee, Politik und Wirtschaft. Da sind vor allem die Musik und der Sport. Das US-Militär hatte schon in der ersten Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg nicht nur Kaugummi und Coca Cola im Gepäck, es hatte auch den Exportschlager Jazz dabei. Und die Army bot für ihre GIs, was in der fernen Heimat musikalisch Rang und Namen hatte: Trompeter Miles Davis feierte bereits 1960 in Kaiserslautern einen großen Erfolg, Saxofonist John Coltrane 1963.

Der erste Deutsch-Amerikaner in der Fußball-Bundesliga war ein Pfälzer: Thomas "Tom" Dooley, 1961 als Sohn eines US-Soldaten und einer Deutschen in Bechhofen geboren. Mit dem 1.FC Kaiserslautern wurde er Deutscher Meister und Pokalsieger.

Deutsch-Amerikaner im FCK-Trikot: Tom Dooley (l.).  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance)
Deutsch-Amerikaner im FCK-Trikot: Tom Dooley (l.). picture alliance

Es folgten weitere US-Boys, etwa Conor Casey (FSV Mainz 05) und Charlie Rugg (Eintracht Trier und FK Pirmasens). Doch längst nicht nur Fußball - auch American Football, Basketball, Baseball und Rugby wird in Rheinland-Pfalz gespielt.

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