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Donald Trump hat familiäre Wurzeln in Rheinland-Pfalz, aber zu einem besonders herzlichen Verhältnis hat es nicht gelangt. Auch hier blicken viele mit Spannung auf die Präsidentschaftswahl in den USA. Die Hoffnung auf bessere Beziehungen ist groß.

Keine Abstimmung im Ausland hat Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Rheinland-Pfalz wohl so elektrisiert wie die bevorstehende US-Präsidentschaftswahl.

Amtsinhaber Donald Trump, dessen Großvater einst aus der Pfalz in die USA ausgewandert war, hat im Bundesland erhebliche Emotionen geschürt - etwa mit Strafzöllen auf Wein und einem angekündigtem Teilabzug von US-Soldaten aus der Eifel.

Viele Menschen an Rhein und Mosel beklagen vor der Wahl am 3. November ein deutlich ramponiertes politisches Verhältnis zwischen Rheinland-Pfalz und den USA.

Weinbranche kämpft mit Strafzöllen

Erheblicher Verdruss über Trump herrscht etwa in der Weinbranche. Um den Export in die USA auch nach Einführung der Strafzölle aufrecht zu erhalten, teilten sich die deutschen Exporteure und die US-Importeure vielfach die Zusatzkosten.

Das Deutsche Weininstitut in Bodenheim konstatiert für den Zeitraum November 2019 bis August 2020 ein größeres Minus im Vergleich zur Vorjahresperiode: 10 Prozent weniger bei der Exportmenge in die USA und 20 Prozent weniger im Wert. "Einige Exporteure ziehen sich aus den USA zurück und suchen alternative Exportmärkte", schildert Sprecher Ernst Büscher.

Dem Statistischen Landesamt zufolge sind die USA nach Frankreich der zweitgrößter Exportpartner für Rheinland-Pfalz. So wurden 2019 Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 5,2 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten exportiert. Das entsprach einem Zehntel des Gesamtexports des Landes. Umgekehrt wurden Waren im Wert von 2,6 Milliarden Euro eingeführt - 6,5 Prozent des Gesamtwerts beim Import. Unter den Einfuhrländern lagen die USA damit auf Rang sechs.

Lewentz: Kommunikation hat sich geändert

Für den rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz passt einiges nicht in das Verständnis einer wertschätzenden Partnerschaft. "In den vergangenen Jahren hat sich die Art und Weise, wie Washington mit Berlin kommuniziert, merklich verändert", sagt der SPD-Politiker.

Dennoch rät er zur Differenzierung. "Es macht meines Erachtens keinen Sinn, das transatlantische Verhältnis auf den Dialog zwischen Berlin und Washington zu reduzieren und die politischen Institutionen der USA mit der Person des Präsidenten Donald Trump gleichzusetzen." Er erlebe Kontakte nach wie vor als sehr freundlich und konstruktiv, sagt Lewentz.

"In den vielen Jahren der besonderen transatlantischen Beziehungen in Rheinland-Pfalz gab es immer wieder Schwankungen der politischen Großwetterlage." Er sieht Rheinland-Pfalz besser beraten, die unterschiedlichen Auffassungen sachlich anzusprechen und gleichzeitig den partnerschaftlichen Umgang weiter zu pflegen.

Umfragen räumen Trumps Kontrahenten Joe Biden durchaus Chancen ein. Rechnet Lewentz bei einem Wechsel im Weißen Haus mit einer deutlichen Entspannung im bilateralen Verhältnis? "Auch hier muss man differenzieren", sagt der Minister.

Regierungswechsel könnte Änderung geben

Für viele Sachfragen im alltäglichen deutsch-amerikanischen Zusammenleben hätten Regierungswechsel in Washington eine nachrangige Bedeutung. "Wenn Sie mit Ihrer Frage auf das transatlantische Verhältnis der Hauptstädte abzielen - deren Entscheidungen teilweise natürlich auch Auswirkungen auf Rheinland-Pfalz haben können -, wird es im Falle eines Wechsels in Washington sicherlich merkliche Änderungen in der Kommunikationsweise geben", merkt er an.

Lewentz ergänzt aber: "Damit gehen Änderungen in der Sache nicht selbstverständlich einher." So hatte auch Biden kritisiert, dass Deutschland weniger Geld für Verteidigung ausgebe als zugesagt.

F-16-Kampfjetstaffel geht nach Italien

Trumps Ärger darüber gilt als einer der Gründe für die angekündigte Truppenreduzierung. Nach den Plänen des Präsidenten soll die in Spangdahlem (Eifel) stationierte F-16-Kampfjetstaffel nach Italien verlegt werden. Davon könnte rund die Hälfte der dortigen rund 4.000 US-Soldaten betroffen sein.

Auch in der Eifel schaut man deswegen mit besonderer Spannung auf die Abstimmung. "Ich glaube, man kann sagen, dass es noch nie eine so polarisierende Wahl gab wie diese", sagt der Vorsitzende des deutsch-amerikanischen Freundschaftsvereins Host Nation Council Spangdahlem, Jan Niewodniczanski, in Bitburg. Jeder Amerikaner schaue "extrem sensibel" auf die Wahl, "weil sich jeder von den Positionen der Kandidaten bewusst ist, dass das enorme Auswirkungen haben wird".

Die Ankündigung der Verlegung sei in der Region "ein Schock" gewesen, sagt Niewodniczanski. "Wir wissen, dass die Menschen, die am Standort beschäftigt sind, gerne da sind." Die Air Base zähle weltweit zu den beliebtesten US-Standorten. Sie habe bei internen Wettbewerben immer wieder Preise gewonnen. "Das liegt auch daran, dass die Amerikaner hier bei uns wirklich unheimlich gut integriert sind."

Das US-Militär sei "richtigerweise sehr loyal" und äußere "keine offene Kritik" gegenüber seinem obersten Befehlshaber. "Das muss man respektieren." Er selbst aber werde aus persönlichen Gründen nicht Vorsitzender vom Council bleiben können, wenn Trump wiedergewählt werde. So gerne er sich einsetze für die amerikanische Bevölkerung in Spangdahlem - was er seit 2012 auch als Vorsitzender getan habe. Die Verlegungspläne haben rund um den US-Flugplatz Verunsicherung und Sorge ausgelöst: um Jobs und Aufträge, aber auch um Freundschaften und gelebtes Miteinander.

Zum 52. Jagdgeschwader gehören nach Angaben des Flugplatzes mitsamt Angehörigen rund 10.000 Amerikaner. Ein Teil wohnt auf der Base, die übrigen in rund 200 Gemeinden der Großregion. Der Flugplatz ist Arbeitgeber für etwa 700 deutsche Beschäftigte.

Streit wird in Rheinland-Pfalz hinein getragen

Innenminister Lewentz sieht die Diskussion auch im Licht der Machtkämpfe in den USA. "Die ohnehin starke und zunehmende Polarisierung der politischen Lager in den USA prägt viele Themen der US-Innenpolitik", meint er. Der Präsidentschaftswahlkampf lasse diese Konfrontation zusätzlich zu Tage treten. Da sei es nachvollziehbar, dass der Streit auch nach Rheinland-Pfalz hinein getragen werde.

Er rate dazu, sich nicht mitreißen zu lassen und weiter gute Gastgeber zu sein. "Ich denke, das sollte unser Beitrag in der Diskussion sein", betont Lewentz.

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Mit mehr als 50.000 US-Soldatinnen und US-Soldaten, Zivilangestellten und Familienangehörigen ist Rheinland-Pfalz heute eine der größten US-Standortregionen weltweit.

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