Kinder spielen in einer Kindertagesstätte (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich)

Land verlängert Ausnahmeregelung

Unausgebildete Vertretungskräfte in Kitas: Scharfe Kritik von Gewerkschaften

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Das Land Rheinland-Pfalz hat die Regelung zum Einsatz von unausgebildeten Vertretungskräften in Kitas bis Ende 2028 verlängert. Das sorgt bei den Gewerkschaften für Ärger.

Ursprünglich wäre die Maßnahme, Vertretungskräfte ohne pädagogische Ausbildung in Kitas für maximal sechs Monate einzusetzen, Ende März 2023 ausgelaufen. Sie dient dazu, den Mangel an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auszugleichen und somit den Betrieb in den Kitas aufrecht zu erhalten. Nun ist das durch Änderungen in der so genannten Ausführungsverordnung des Kita-Gesetzes bis Ende 2028 möglich.

Voraussetzung dafür sei, dass keine ausgebildete Fachkraft gefunden werden könne, um die Stelle zu besetzen, teilte das Bildungsministerium mit. Somit könnten gut eingearbeitete Vertretungskräfte weiterhin beschäftigt werden, um das Betreuungsangebot aufrechterhalten zu können.

Gewerkschaften: "Massiver Qualitätsverlust in der pädagogischen Arbeit"

Die Gewerkschaften ver.di und GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) sind davon nicht begeistert und befürchten einen "massiven Qualitätsverlust in der pädagogischen Arbeit". Zudem werde durch die Änderung der bestehenden Regelungen den Beschäftigten in den Kitas vermittelt, "dass im Grunde jede beliebige Person ihre Arbeit übernehmen könnte", kritisiert Kathrin Gröning, stellvertretende Vorsitzende der GEW in Rheinland-Pfalz. Das sei nach Ansicht der GEW gerade mit Blick auf den bestehenden Fachkräftemangel ein fatales Signal, so Gröning.

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Dieses Signal sei gerade mit Blick auf den bestehenden Fachkräftemangel fatal, heißt es auch von ver.di. Zudem sei die entsprechende Änderung der Ausführungsverordnung den Gewerkschaften nicht zur Anhörung vorgelegt worden. "Mit Blick auf die formulierten Ansprüche an die pädagogische Arbeit ist diese Änderung für uns nicht nachvollziehbar", so Jana Beißert, zuständige Gewerkschaftssekretärin von ver.di.

Eine weitere Änderung der Verordnung besagt, dass immer zwei pädagogische Fachkräfte in der Kita gleichzeitig anwesend sein müssen - auch in weniger stark besuchten Randzeiten. Allerdings lässt das Bildungsministerium Ausnahmefälle zu, zum Beispiel in besonders kleinen Einrichtungen oder falls eine Kita ansonsten die Öffnungszeiten einschränke müsste. Im Sommer waren zum Beispiel in den Kitas der Region Trier mehrere Hundert Stellen nicht besetzt.

Laut Bildungsministerium wurden mit den beschlossenen Änderungen zwei Punkte umgesetzt, "die insbesondere aus der Praxis als Wunsch an uns herangetragen wurden". Die beiden Gewerkschaften bemängeln dagegen, dass trotz des bekannten Fachkräftemangels bisher zu wenig passiert sei. "Eine weitere Abwertung der Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher darf es nicht geben, sonst steigen weitere Fachkräfte aus diesem Berufsfeld aus“, sagte die ver.di Gewerkschaftssekretärin Beißert.

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