Sanktionen der EU gegen Russland

Russland-Ukraine-Konflikt: Unternehmen in RLP befürchten Auswirkungen

STAND

Nachdem die EU sich auf ein Paket von Sanktionen gegen Russland geeinigt hat, befürchten die Industrie- und Handelskammern befürchten nun, dass sich der zuspitzende Konflikt auch auf das Russlandgeschäft rheinland-pfälzischer Unternehmen auswirken könnte.

Die EU hat sich am Dienstag auf Sanktionen gegen Russland geeinigt. Dadurch soll Russland nur noch einen begrenzten Zugang zu den Finanzmärkten bekommen. Zuvor hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bereits das Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2 auf Eis gelegt. Diese Entwicklungen machen auch der rheinland-pfälzischen Wirtschaft Sorgen.

Gas aus Russland ist wichtige Energiequelle für RLP

Das Gas aus Russland ist eine wichtige Energiequelle auch für die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz. "Die Anerkennung der 'Volksrepublik Donezk' und der 'Volksrepublik Lugansk' durch Russland markiert eine Zeitenwende mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West und versetzt insbesondere unsere vor Ort aktiven Mitgliedsunternehmen in Sorge", erklärte Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammern (IHK) Rheinland-Pfalz.

Laut Rössel exportierten rheinland-pfälzische Unternehmen im vergangenen Jahr Waren im Wert von etwa 1,1 Milliarden Euro in die Ukraine und nach Russland, vor allem die chemische Industrie und der Maschinenbau. Bei etwa 500 rheinland-pfälzischen Unternehmen, die Handelsbeziehungen mit Russland und der Ukraine unterhalten, betrifft das aber auch andere Branchen.

Angst um Kostensteigerung für Energie

Eine mögliche Steigerung der Energiekosten beträfe vor allem die Betriebe, die viel Energie benötigen, also Branchen Pharma, Chemie, Zement, Metallverarbeitung, Glas und Papier. Dabei gehe es nicht nur um die Ausgaben für Erdgas, sondern auch für Öl und Strom. "Die Kosten sind schon jetzt alarmierend, und das wird sich noch verschärfen", sagte der umwelt- und energiepolitische Sprecher der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz, Steffen Blaga, am Mittwoch.

BASF: Verfolgen Entwicklung sehr genau

Ein Sprecher der BASF Konzernzentrale in Ludwigshafen erklärte, derzeit erfolge die Belieferung mit Erdgas an allen Standorten der BASF bedarfsgerecht. Zur Vermeidung von Störungen bei der Belieferung mit Erdgas stimme man sich eng mit Lieferanten und Netzbetreibern sowie gegebenenfalls staatlichen Stellen ab. "Wir verfolgen die Entwicklung auf dem europäischen Erdgasmarkt und die Maßnahmen, die die EU sowie die nationalen Regierungen in Europa ergreifen, sehr genau."

Sicherheit der Mitarbeiter an erster Stelle

Die Sicherheit der Mitarbeiter stehe an erster Stelle. "Die deutschen Mitarbeitenden haben mit ihren Familien das Land verlassen." Alle lokalen Mitarbeiter seien angehalten, soweit möglich von zuhause aus zu arbeiten und auf Dienstreisen zu verzichten. In der Ukraine ist BASF nach eigenen Angaben seit 1992 aktiv. Das Hauptbüro befinde sich in Kiew, zusätzlich unterhalte das Unternehmen ein Regionalbüro in Lwiw (Lemberg) im Westen der Ukraine. BASF-Produktionsstätten gebe es nicht im Land. In Russland seien alle Mitarbeiter weiter wie gewohnt tätig, teilte das Unternehmen mit.

Noch keine wesentlichen Auswirkungen auf Unternehmen

Bisher hat der Russland-Ukraine-Konflikt noch keine wesentlichen Auswirkungen auf die exportorientierten Unternehmen - etwa in der Pfalz. Nach Angaben des Außenwirtschaftsexperten der IHK für die Pfalz werden vereinbarte Geschäfte der Betriebe mit den beiden Ländern noch abgewickelt. Allerdings planen pfälzische Unternehmen wegen der Krisensituation keine Ausweitung ihrer Geschäftsbeziehungen mit Russland und der Ukraine, so der IHK-Experte Volker Scherer im SWR. Damit sei der positive Trend der letzten Jahre bei den pfälzischen Exporten in die zwei Länder gestoppt.

Kaiserslautern

Ukrainer in Kaiserslautern Ukraine-Krise: Ein ukrainischer Professor in Kaiserslautern befürchtet Krieg mit Russland

Die Lage an der ukrainisch-russischen Grenze spitzt sich zu, die Angst vor einem Krieg wächst - auch bei einem ukrainischen Professor an der Universität Kaiserslautern.

EU-Sanktionen gegen Russland Unternehmen befürchten weiter steigende Energiepreise

Wirtschaftsverbände im Südwesten blicken besorgt auf die aktuelle Entwicklung in der Ukraine-Krise. Die Sanktionen der EU könnten auch Unternehmen hierzulande treffen.

Kaiserslautern

"Keine völkerrechtliche Grundlage" Atlantische Akademie Kaiserslautern: Kein militärisches Eingreifen des Westens in Ukraine

NATO und USA werden nach Ansicht der Atlantischen Akademie in Kaiserslautern nicht militärisch im Ukraine-Konflikt eingreifen. Es werde wahrscheinlich bei Wirtschafts-Sanktionen bleiben.

Spangdahlem

F-35 auf US-Air-Base in der Eifel Kampfjets werden von Spangdahlem nach Osten verlegt

Zwölf Tarnkappenjets der US-Luftwaffe sind kürzlich vom US-Bundesstaat Utah nach Spangdahlem (Eifelkreis Bitburg-Prüm) verlegt worden. Nun sollen sie im Rahmen des Russland-Ukraine-Konflikts eingesetzt werden.

Rheinland-Pfalz

Russland und die Ukraine Versorger sehen vorerst kein Problem mit Erdgas in Rheinland-Pfalz

Ein großer Teil der deutschen Erdgasimporte stammen aus Russland. Zu wirklichen Lieferproblemen in Rheinland-Pfalz sollte die derzeitige Situation laut mehrerer Versorger aber nicht führen.

STAND
AUTOR/IN
SWR