Blick auf Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 2.   (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Stefan Sauer)

Krieg in Osteuropa

Wirtschaft in RLP befürchtet massive Verluste durch russischen Angriff auf Ukraine

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Nach den Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine zeigen sich Vertreter der Wirtschaft in Rheinland-Pfalz besorgt. Insbesondere befürchten sie massive Folgen für die Unternehmen bei weiteren Sanktionen gegen Russland.

Der Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz (LVU), Karsten Tacke, sieht die Versorgung der Menschen in der Ukraine gefährdet, wenn es keinen freien Warenverkehr mehr gebe. "Der russische Präsident zerstört mit dem Angriff auf die Ukraine das Leben von Millionen Menschen. Er gefährdet dadurch nicht nur das Leben der ukrainischen Bevölkerung, sondern stürzt die ganze Region ins Unglück. Damit ist die europäische Friedensordnung erschüttert. Krieg führt auch immer zu wirtschaftlichem Leid", so Tacke.

Warnung vor militärischem Gegenschlag der Nato

Tacke warnte aber auch vor einem militärischen Gegenschlag der Nato. Vielmehr müsse der Diplomatie weiterhin eine Chance gegeben werden. Bei möglichen Wirtschaftssanktionen müsse die Wirkung der Einzelmaßnahmen genau beachtet werden. "Kluges Krisenmanagement zeichnet sich durch zielgerichtete Gegenmaßnahmen statt durch pauschale Embargos aus", meinte Tacke.

Die ohnehin schon hohen Energiepreise würden nun weiter steigen. Es sei davon auszugehen, dass die Gaslieferungen aus Russland nicht wieder aufgenommen werden. Daher müsse eine "realistische und unideologische Importstrategie" erarbeitet werden. Wenn der Konflikt zu einer ungebremsten Verteuerung von Energie führe, würden einige Unternehmen den Standort Deutschland schon sehr bald verlassen müssen.

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Sorge auch bei der Industrie- und Handelskammer Koblenz

Auch nach Auffassung der IHK Koblenz haben viele Unternehmen Angst vor schwerwiegenden Folgen durch weitere Sanktionen gegen Russland. Deshalb hat die IHK inzwischen eine eigene Telefon-Hotline eingerichtet. Dort können sich Unternehmer melden, die Geschäftsbeziehungen zu Russland haben. Die Folgen weiterer Wirtschaftssanktionen gegen Russland seien aktuell aber noch schwieriger einzuschätzen als noch vor wenigen Tagen, sagte ein IHK-Sprecherin.

Der Landmaschinen-Hersteller ERO aus Simmern im Hunsrück fürchtet, dass seine langjährigen Investitionen in Russland verloren gehen könnten. Die Maschinen, die das Unternehmen dort baue, werde Russland auch selbst bauen oder in China einkaufen können.

Was passiert bei einem Aus für Nord Stream 2?

Die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 ist vorerst gestoppt. Kommt das endgültige Aus, betrifft das auch die BASF-Tochter Wintershall Dea, die ihre Investitionen abschreiben könnte. Sollte das Projekt endgültig eingestellt werden, kämen auf die EU Schadenersatz-Forderungen der Investoren zu.

Der Unternehmenschef von Wintershall Dea zeigt sich bestürzt über den Militäreinsatz Russlands in der Ukraine. "Wir sehen diese militärische Eskalation des Konflikts mit großer Sorge und Bestürzung", sagte Mario Mehren. Aufgrund der Ereignisse hat Wintershall Dea das für Donnerstag geplante Pressegespräch zu den Jahreszahlen 2021 abgesagt.

Die jüngste militärische Eskalation erschüttere auch die über Jahrzehnte aufgebaute wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und Europa, sagte Mehren weiter. Sie werde weitreichende Folgen haben. In welchem Ausmaß, sei noch nicht absehbar.

Die BASF-Mehrheitsbeteiligung Wintershall Dea ist seit mehr als 30 Jahren in Russland tätig. Viele Mitarbeiter des Unternehmens kämen aus Russland oder der Ukraine, sagte Mehren. "Gerade für sie, aber auch für uns alle, ist diese Eskalation auf Geheiß der russischen Regierung ein harter Schlag", fügte er hinzu.

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Versorgung gefährdet, wenn Russland Gaslieferungen stoppt

Die Energieversorgung ist aber nach Einschätzung von Experten durch den Stopp von Nord Stream 2 nicht gefährdet. Schlimmer wäre es, wenn die bisherigen Lieferungen Russlands an Deutschland wegfielen - auch für Rheinland-Pfalz. Deutschland bezieht etwas mehr als die Hälfte seines Gases aus Russland. Wenn die jetzige Hauptpipeline wegfiele, könnte der Verlust wohl nicht kompensiert werden. So viel mehr Gas könnten wir kurzfristig von anderen Exporteuren wie Norwegen - einem Land, das hier ebenfalls besonders wichtig für Deutschland ist - nicht beziehen, so die Experten und Expertinnen.

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SWR