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Die Klimakrise und extreme Trockenheit bedrohen massiv die Wiederaufforstung in rheinland-pfälzischen Wäldern. Wissenschaftler fordern, Standorte komplett in Frage zu stellen.

Förstereien in Rheinland-Pfalz sind alarmiert: "Das ist wirklich eine neue Stufe der Klimakatastrophe, die auf unseren Wald zukommt", sagt Axel Henke, Förster bei Oberwesel am Mittelrhein.

In seiner Region vertrocknen gerade gleichermaßen Nadel- und Laubbäume in beunruhigender Geschwindigkeit. "Was in den letzten zwei Wochen passiert ist, das ist alarmierend", so Henke.

Aufforstung bedroht

An anderer Stelle wurden aufgrund starken Borkenkäferbefalls schon riesige Flächen Fichtenwald gerodet. Allein im vergangenen Jahr ist im Kreis Altenkirchen eine Fläche von rund 1.100 Hektar abgeholzt worden. Das ist etwa so viel wie 1.500 Fußballfelder.

Nun wird durch die Trockenheit und Hitze die Aufforstung massiv bedroht. In diesen Wochen damit zu starten, mache keinen Sinn, sagt die Leiterin des Forstamts Nastätten, Susanne Gühne. Das verlegen die Förster lieber in den Herbst, in der Hoffnung, dass es dann feucht genug dafür ist.

Die bereits ausgebrachten Setzlinge befinden sich wiederum in höchster Gefahr. "Sie müssten bewässert werden, aber wer will das leisten bei diesen enormen Flächen?", sagt SWR-Umweltexperte Werner Eckert.

Bodenökologe: Hohe Baumsterblichkeit möglich

"Die Dürre stellt nach der Aufforstung eine Gefahr dar", erklärt Bodenökologe François Buscot vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung auf SWR-Anfrage.

Zunächst kurzfristig: "Gerade gepflanzte, junge Bäume seien besonders empfindlich gegenüber Trockenheit. Sie hätten, erklärt Buscot, noch nicht so tiefe Wurzeln und ein Transfer der Baumschule in den Wald sei immer auch ein "Schock", der viel Stress bedeute.

Kommt noch Dürre hinzu, dann kann die Hürde zu hoch sein und eine hohe Baumsterblichkeit folgen.

"Bei Wiederaufforstung nicht hetzen"

Langfristig stelle die zunehmende Trockenheit mit Dürreperioden aufgrund des Klimawandels auch ein Risiko dar. Denn die neuen Bäumen sollten eine erhöhte Trockenheitsresistenz aufweisen. Bei Fichten und Buchen sei diese geringer als bei Tannen und Eichen, so Buscot.

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Auch bei der Auswahl des Saatguts sei man gut beraten, darauf zu achten, welche Trockenheitstoleranz Saatgut-Linien haben. "Denn Waldbäume pflanzt man für Jahrzehnte bis Jahrhunderte", so Buscot. Daher sei es wichtig, bei einer Wiederaufforstung "nicht zu hetzen, sondern sich Klimaszenarien anzuschauen".

Standorte hinterfragen

Außerdem müsste an manchen Standorten hinterfragt werden, ob der Wald noch eine Zukunft hat. "Denn unter 500 Millimeter Niederschläge im Jahr wird es für den Wald kritisch, vor allem dann, wenn der Boden eine schwache Wasserhaltekapazität hat", sagt Buscot.

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