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In den vergangenen Wochen hat es in Rheinland-Pfalz viel zu wenig geregnet. Aber warum ist das eigentlich so? Und war es in der Eifel genauso trocken wie in der Pfalz?

"Die Monate März und April 2021 waren in allen Landkreisen von Rheinland-Pfalz zu trocken", bestätigt der Deutsche Wetterdienst (DWD). Eine Tendenz, die der DWD seit den 90er Jahren in Rheinland-Pfalz beobachtet: Es gibt deutlich weniger Niederschlag als im Vergleichszeitraum 1961-1990.

In einigen Landkreisen war es im März und April 2021 sogar extrem trocken, besonders im Süden in den pfälzischen Kreisen und im Landkreis Alzey-Worms. Im Landkreis Kaiserslautern wurde im April beispielsweise nur 20 Prozent der Niederschlagsmenge gemessen, die sonst im langjährigen Mittel dieses Monats üblich sind.

April: kalt und viel zu trocken in Rheinland-Pfalz

Im April 2021 hat es extrem wenig geregnet. Es fielen nur 35 Liter pro Quadratmeter und damit deutlich weniger als der Sollwert von 57 Litern pro Quadratmeter. Betrachtet man aber die ersten vier Monate des Jahres insgesamt, dann fällt die Bilanz gemäßigter aus. In Landkreisen im Norden und Westen von Rheinland-Pfalz gab es genauso viel Niederschlag wie üblich oder sogar ein bisschen mehr, beispielsweise in den Kreisen Neuwied, Mayen-Koblenz und Westerwald oder im äußersten Westen im Kreis Trier.

Warum regnet es eigentlich weniger?

Eine eindeutige Erklärung gibt es in der Wissenschaft dazu noch nicht. "Die Wetterküche für den Niederschlag in Deutschland befindet sich sowohl auf dem Atlantik als auch indirekt in der Arktis", teilt Dr. Andreas Becker, Referatsleiter Niederschlagsüberwachung und Weltzentrum für Niederschlagsklimatologie beim Deutschen Wetterdienst (DWD) mit.

Das heißt, unser Wetter in Deutschland entsteht eigentlich weit entfernt und ist globalen Klimaphänomenen unterworfen. "Beispielsweise", erklärt Becker, "gibt es die Hypothese, dass sich durch die relativ schnellere Erwärmung der Arktis im Zuge des Klimawandels und der Erderwärmung der Jetstream verändert und dadurch Wetterlagen länger bestehen bleiben."

Das bedeutet, wenn sich über Rheinhessen im Sommer eine trockene Hochdruckwetterlage festgesetzt hat, dann wird sie nicht mehr so schnell wie früher von einer nassen Tiefdruckwetterlage verdrängt. "Noch nicht verstanden haben Meteorologen, wo und wann sich die trockenen Hochs und die nassen Tiefs im Jahreszyklus besonders gerne lange einnisten", meint Niederschlagsexperte Becker.

Der DWD stellt aber fest, dass lange Trockenphasen im Frühjahr und Sommer sich in den vergangenen Jahren gehäuft haben. Die Dürresommer 2018, 2019 und in Teilen auch 2020 sind uns allen noch gut in Erinnerung.

Ausgetrocknet präsentiert sich dieser Park. Anhaltende Hitze und wenig Regen zeigen bereits jetzt deutliche Auswirkungen auf die Vegetation.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Boris Roessler)
Mancherorts waren die Böden so ausgetrocknet und verhärtet, dass der Regen einfach abfloss. picture alliance/dpa | Boris Roessler

Müssen wir uns in Rheinland-Pfalz auf noch mehr Dürre einstellen?

Meteorologen können Wetter immer nur maximal für zwei Wochen vorhersagen. Über das Klima kann der DWD aber schon Aussagen machen. Und demnach müssen wir uns in den nächsten zehn Jahren in Rheinland-Pfalz noch häufiger auf trockene Wetterverhältnisse einstellen.

Einen Grund dafür sehen die Meteorologen in der Klimaerwärmung. "Wir beobachten diese Erwärmung auch für Rheinland-Pfalz", bestätigt Becker, "wo wir seit Anfang 1881 bis heute einen Anstieg von 1.9 Kelvin gemessen haben."

Eine Folge ist, dass durch die wärmeren Temperaturen auch mehr Feuchtigkeit in der Luft und aus den Böden verdunstet. Im März und April 2021 hat aber auch noch ein anderes Phänomen zur Trockenheit beigetragen. Niederschlagsexperte Becker erklärt es am Beispiel Kaiserslautern:

"Kalter, trockener Nordwind hat dort in diesem Frühjahr die Verdunstung verstärkt. Verdunstungsraten von teilweise über 2 mm pro Tag wurden dort gemessen, mit den entsprechenden Konsequenzen für die Bodenfeuchte, insbesondere an der Oberfläche."

Meteorologen unterstützen Landwirte

Agrarmeteorologen des DWD sammeln Daten über Niederschlag und Bodenfeuchte und stellen sie beispielsweise Landwirten zur Verfügung. An 28 Stationen in Rheinland-Pfalz wird gemessen, wie viel Niederschlag es gegeben hat und wie viel Feuchtigkeit gleichzeitig verdunstet ist. Je nach dem wie groß die Diskrepanz ist, können die Bauern reagieren.

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