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Zwei Landräte aus der Region Trier haben sich bereits gegen das Coronavirus impfen lassen. Zumindest einer davon gehörte nicht zur Gruppe mit der höchsten Impfpriorität.

Nachdem vergangene Woche der Trierer Ordnungsdezernent Thomas Schmitt (CDU) wegen einer unberechtigten Corona-Impfung zurückgetreten ist, wurden jetzt weitere führende Verwaltungsmitarbeiter bekannt, die sich haben impfen lassen. Zuerst berichtete der "Trierische Volksfreund" darüber. Demnach haben Gregor Eibes (CDU), Landrat des Kreises Bernkastel-Wittlich, und der Landrat der Vulkaneifel, Heinz-Peter Thiel (parteilos), auch bereits ihre Corona-Impfungen erhalten. Beide bestätigten dies gegenüber dem SWR.

Landrat von Bernkastel-Wittlich erhielt Rest-Dosis

Die Kreisverwaltung von Bernkastel-Wittlich teilte mit, Gregor Eibes habe sich Anfang Januar mit einer übrig gebliebenen Dosis impfen lassen. Damals war noch nicht die Rede von Impfstoffknappheit und vor allem war noch nicht klar, dass sich aus einer Ampulle des Biontech/Pfizer-Impfstoffes sechs statt nur fünf Impfdosen ziehen lassen.

Landrat Gregor Eibes (Foto: Landkreis Bernkastel-Wittlich / H. Thewalt)
Gregor Eibes(CDU), Landrat des Kreises Bernkastel- Wittlich Landkreis Bernkastel-Wittlich / H. Thewalt

Damit argumentiert auch Eibes: Dadurch sei mehr Impfstoff als erwartet am Abend übrig geblieben. Die Liste mit Personen, die zur Gruppe mit der höchsten Impfpriorität gehören und in so einem Fall angerufen werden, sei an dem betreffenden Abend noch nicht genügend ausgearbeitet gewesen bzw. schon abtelefoniert worden. Obwohl er nicht zur Gruppe eins gehört, habe Eibes sich also für den übrigen Impfstoff zur Verfügung gestellt. Der Kreis teilte auf SWR-Anfrage auch mit, dass fünf Personen des Katastrophenschutzstabes aus vergleichbaren Gründen geimpft worden seien - obwohl sie nicht zur Gruppe 1 gehörten.

"Ich stehe zu meinem Verhalten, wenngleich ich es bedauere, dieses nicht zu einem früheren Zeitpunkt transparent gemacht zu haben."

Gregor Eibes (CDU), Landrat des Kreises Bernkastel-Wittlich

Eibes möchte den Angaben zufolge keine politischen Konsequenzen aus der vorzeitigen Impfung ziehen. Er habe den Kreisvorstand und die politischen Spitzen im Kreistag über den Sachverhalt informiert. "Vom ersten Tag der Impfkampagne an war es landauf, landab Prämisse, dass kein Impfstoff verworfen wird", sagte er dem SWR. Er hätte es als Landrat und Leiter der Kreisverwaltung, die seit nahezu einem Jahr die Pandemie bekämpft, eher als unmoralisch empfunden, Impfstoff vernichten zu müssen.

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Landrat der Vulkaneifel sieht sich zur Impfung verpflichtet

Etwas anders gelagert ist der Fall in der Vulkaneifel. Auch hier hat Landrat Heinz-Peter Thiel nach Angaben der Kreisverwaltung eine Spritze mit einer Restdosis erhalten, als niemand sonst erreicht werden konnte. Aber Thiel ist nach eigener Aussage in die Gruppe mit der höchsten Priorität eingestuft. Tatsächlich gehören laut der Coronavirus-Impfverordnung des Bundes unter anderem neben Menschen über 80 oder Mitarbeitern von Pflege- und Rettungsdiensten auch alle Personen, die in Impfzentren tätig sind, zu denjenigen, die als erstes Anspruch auf eine Impfung haben.

Landrat Heinz-Peter Thiel (parteilos), Kreis Vulkaneifel (Foto: Kreisverwaltung Vulkaneifel)
Landrat Heinz-Peter Thiel (parteilos), Kreis Vulkaneifel Kreisverwaltung Vulkaneifel

Demnach durfte auch Landrat Thiel die Impfung regulär bekommen. Denn er ist in der Leitungs- und Koordinierungsgruppe im Impfzentrum in Hillesheim "aktiv operativ wirkend." Den Angaben zufolge muss er mehrfach pro Woche zu Gesprächen ins Impfzentrum, um den Ablauf unter den sich ständig ändernden Bedingungen zu koordinieren. Er habe dort also nicht in seiner Funktion als Landrat, sondern als Krisenmanager gearbeitet. Thiel sagte dem SWR, er sei sogar gehalten, sich einer Corona-Impfung zu unterziehen.

"Gerade jetzt, wo durch die Mutanten das Infektionsrisiko um ein Vielfaches höher ist, darf niemand unsere Corona-Hilfseinrichtungen als aktiv Mitwirkender ohne Impfung betreten."

Heinz-Peter Thiel (parteilos), Landrat des Kreises Vulkaneifel

Laut Aussage von Heinz-Peter Thiel dürfen Mitarbeiter wie Reinigungskräfte, Ärzte, Security und Verwaltung nur ins Impfzentrum eingelassen werden, wenn sie geimpft sind. Das habe sich der Kreis selbst zur Pflicht gemacht.

Gesundheitsministerium: Es gibt keine Impfpflicht

Das Gesundheitsministerium von Rheinland-Pfalz möchte einzelne Aussagen nicht kommentieren. Was aber feststehe: In Deutschland gibt es keine Impfpflicht. Selbstverständlich orientiere auch Rheinland-Pfalz sich an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission und halte sich an die Vorgaben der Bundesverordnung zur Corona-Impfung. Mitarbeitende der Impfzentrum gehörten zur Gruppe mit der höchsten Priorität und es habe im Februar stichprobenartig Überprüfungen der Impfberechtigung gegeben.

Andere Landräte der Region noch nicht geimpft

Die Verwaltungen der Kreise Trier-Saarburg, Birkenfeld und Eifelkreis Bitburg-Prüm teilten auf SWR-Anfrage mit, ihre Landräte seien noch nicht geimpft. Im Kreis Trier-Saarburg wurden demnach nach Absprache mit dem rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium in der vergangenen Woche erstmals auch Personen aus der Impfgruppe 2 mit Impfresten des Astrazeneca-Stoffes geimpft, da Personen der Gruppe 1 unter 65 nicht erreichbar waren. Zur Gruppe 2 gehören zum Beispiel Mitarbeitende des kommunale Vollzugsdienstes oder des öffentlichen Gesundheitsdienstes.

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