Ziegen auf dem Vulkanhof in Gillenfeld in der Vulkaneifel (Foto: SWR)

Crowdfarming auf dem Vulkanhof Gillenfeld

Adoptiveltern gesucht: Patenschaften für Eifeler Ziegen

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Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Auf dem Vulkanhof in Gillenfeld können Kunden jetzt Ziegen adoptieren. Für den Eifeler Bauernhof ist es ein Weg aus der Krise, in der die Landwirtschaft wegen der Inflation steckt.

Es ist Frühstückszeit auf dem Vulkanhof in Gillenfeld. Und dass die Ziegen Hunger haben - daran lassen sie keine Zweifel aufkommen. Sie scharren mit den Hufen, blöken und meckern.

Dann endlich kommt Mitarbeiterin Vicky mit dem Kraftfutter. Eimerweise kippt sie es vor den Zaun, wo sich die Tiere schon drängen, um heranzukommen. Anschließend gibt es eine Ladung Heu, während deutscher Pop aus dem Radio dringt.

Ziegen, Ziegen, Ziegen.  (Foto: SWR)
Wenn Mitarbeiterin Vicky das Futter ranschafft, werden die Ziegen ganz nervös. Bild in Detailansicht öffnen
Ziegen sind neugierige Tiere: Wenn sich jemand nähert, kommen sie an den Zaun. Bild in Detailansicht öffnen
Martina Regnier ist auf dem Vulkanhof zuständig für die Ziegenpatenschaften. Bild in Detailansicht öffnen
Etwa 180 Milchziegen halten die Gillenfelder auf dem Hof. Bild in Detailansicht öffnen
Die Böcke leben getrennt von den weiblichen Ziegen. Bild in Detailansicht öffnen
In dieser Anlage wird die Ziegenmilch für den Käse aufbereitet. Bild in Detailansicht öffnen

"Die Ziegen lieben Musik", sagt Martina Regnier, Mitarbeiterin beim Vulkanhof. Wenn man sie ausschalte, würden die Tiere unruhig. Überhaupt sei man hier sehr darauf bedacht, dass es den Vierbeinern gutgehe.

Idee aus Spanien macht in der Eifel Schule

Und dafür tragen nicht nur die Angestellten Sorge, sondern auch Privatleute. Denn inzwischen ist es möglich, die Ziegen zu adoptieren.

Die Idee dahinter nennt sich Crowdfarming und stammt von einem Unternehmen aus Spanien. Angefangen hat dort alles mit Patenschaften für Orangenbäume.

Dafür erhält der Kunde dann eine Kiste frisches Obst direkt vom Bauern. Landwirt und Verbraucher sparen so den Umweg über Zwischenhändler und Supermärkte.

Paten bekommen Pakete mit Käse

Ähnlich läuft es auch mit den Ziegen ab. Wer zusammen mit anderen Menschen eine Patenschaft für ein Tier übernimmt, bekommt jährlich ein Paket mit den verschiedenen Käsesorten vom Hof.

Die nächsten Päckchen werden im November geschnürt. Kostenpunkt: 44 Euro für ein Kilo Käse von den Ziegen Sahara, Antonia, Paris oder Granada.

Ein Konzept, das auch ein bisschen aus der Not geboren ist, wie Martina Regnier sagt. Denn für den Vulkanhof Gillenfeld, der in dritter Generation seit 1961 besteht, seien die vergangenen zwei Jahre nicht leicht gewesen.

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Erst brach Corona aus und dadurch kamen anfangs auch weniger Kunden in den Hofladen. Dann folgte der Krieg in der Ukraine und die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise.

Corona und Krieg machen Landwirten zu schaffen

"Ziegenkäse ist ja doch eher ein Nischenprodukt, das man sich mal hin und wieder gönnt", sagt Martina Regnier vom Vulkanhof. Bei manchen habe es für diesen Luxus am Monatsende dann wohl nicht mehr gereicht.

"Also haben wir uns überlegt, wie wir unsere Produkte anders vermarkten können", sagt Regnier. Dabei kam den Eifelern die Anfrage des Portal "Crowdfarming" gelegen.

"Und mittlerweile ist das ein sehr wichtiges Projekt für uns, weil es uns die Sicherheit gibt, dass wir für unsere Waren Abnehmer finden", erklärt Regnier.

Paten können Ziegen auch besuchen

Rund 400 Menschen haben inzwischen eine Patenschaft für eine Gillenfelder Ziege abgeschlossen. Sie kommen aus ganz Deutschland, aus Österreich und der Schweiz.

Eine von ihnen ist Sabine Dick aus Bonn, die den Hof und ihre Ziege gerade besucht. Sie hat zu Weihnachten eine Patenschaft bekommen. Das Witzige: das Patenkind heißt auch Sabine.

"Irgendwie hat man dann auch gleich eine andere Beziehung zu dem Tier, wenn es eine Namensvetterin ist."

Bisher wenig Nachahmer in Rheinland-Pfalz

Sie sei aber nicht nur vom Namen der Ziege begeistert, sondern auch vom Crowdfarming-Konzept sagt sie: "Ich finde es einfach gut, dass es etwas Regionales ist. Und dass man wirklich miterleben kann, mit wie viel Liebe dieses Handwerk gestaltet wird."

Trotzdem: Noch finden sich nur wenige Landwirte aus Rheinland-Pfalz bei der Crowdfarming-Initiative. Neben dem Vulkanhof sind unter den Anbietern nur eine Handvoll regionale Winzer.

Martina Regnier allerdings ist sich sicher, dass die Idee früher oder später noch Nachahmer finden wird: "Das Crowdfarming muss nur etwas Bekannter werden, dann machen bald mehr Höfe mit."

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