"Der Weinbau im Ruwertal profitiert vom Klimawandel", sagt der Ortsbürgermeister von Waldrach, Rainer Krämer (Foto: SWR)

Hitze und Trockenheit

Weinbau: Die Wiederentdeckung der Mosel-Nebentäler

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Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Weil es an der Mosel heißer und trockener wird, kaufen Winzer zunehmend Weinberge in kühleren Nebentälern. Es ist eine Chance, etwa für vernachlässigte Steilhänge an der Ruwer.

Weinkennern ist der Riesling von der Ruwer schon lange ein Begriff. Denn der Wein, der in dem kleinen Nebental der Mosel wächst, gewinnt seit Jahren Preise. Bei Weinliebhabern ist Ruwerwein über die Grenzen der Region hinweg beliebt.

Dennoch sah es lange nicht gut aus für die Steillagen zwischen Trier-Ruwer und Sommerau. Seit den 1980er-Jahren wurden - wie auch an der Mosel - viele Weinberge in der Gegend aufgegeben und dem Wildwuchs überlassen. Wer durchs Ruwertal fährt, sieht noch immer viele Brachen.

Das könnte sich allerdings schon bald ändern. Denn jüngst weckt das Weinbaugebiet wieder großes Interesse bei den Weingütern in der Region Trier. "Namhafte Betriebe haben angeklopft", sagt etwa Rainer Krämer, Ortsbürgermeister von Waldrach. Und das gab es in seiner Gemeinde lange nicht mehr.

Der Weinbau im Ruwertal profitiert vom Klimawandel.  (Foto: SWR)
Ortsbürgermeister Rainer Krämer ist selbst Nebenerwerbs-Winzer in Waldrach.

Hitze treibt Winzer in Nebentäler der Mosel

Dass die Ruwer wieder attraktiver für den Weinbau wird, hat mit dem Klimawandel zu tun. Denn im Ruwertal herrscht keine solche Hitze wie etwa an der Mittelmosel. Das Tal ist enger und schattiger.

"Das Ruwertal profitiert, was den Weinbau angeht, ganz klar vom Klimawandel."

Viele Winzer haben Steillagen aufgegeben

Diese Bedingungen weiß auch Klaus Lex zu schätzen. Seit Jahren schon bewirtschaftet der Winzer neben seinen Weinbergen bei Leiwen an der Mosel auch zwei Hektar in Waldrach. Während viele Winzer ihre Steillagen aufgaben, blieb Lex: "Und ich habe das nie bereut."

"In das Moseltal scheint die Sonne mit viel Kraft rein. Das Ruwertal heizt sich nicht so schnell auf und es kühlt auch schneller wieder ab."

Klaus Lex aus Leiwen baut schon seit Jahren einen Teil seines Weines an der Ruwer an. Den Großteil seiner Reben hat der Winzer aber weiterhin im Moseltal zwischen Klüsserath und Trittenheim.  (Foto: SWR)
Klaus Lex aus Leiwen baut schon seit Jahren einen Teil seines Weines an der Ruwer an. Den Großteil seiner Reben hat der Winzer aber weiterhin im Moseltal zwischen Klüsserath und Trittenheim.

Trauben können an der Ruwer länger reifen

"Der Wein von der Ruwer hat schon immer gut geschmeckt und war sehr facettenreich", sagt Lex. Durch die vielen Sonnentage in den vergangenen Jahren hätten sich die Bedingungen für den Weinbau an der Ruwer aber weiter verbessert.

Die Trauben könnten an der Ruwer eine bis zwei Wochen länger reifen als an der Mosel, bevor sie geerntet werden: "Und jeder Sonnentag, den die Reben mitnehmen, trägt zum Geschmack des Weins bei."

Der Weinbau im Ruwertal profitiert vom Klimawandel.  (Foto: SWR)
An der Ruwer können Trauben ein bis zwei Wochen länger reifen als im heißen Moseltal.

Hitze und Trockenheit setzen Moselreben zu

An der Mosel hingegen wird es dem Riesling langsam zu warm und zu trocken. Nach Angaben des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum in Bernkastel-Kues gibt es immer mehr Ernteausfälle.

Die Mosel wirkt wie ein riesiger Spiegel, der die Sonnenwärme reflektiert. Ohne Bewässerungssysteme ließen sich Steillagen bald kaum noch bewirtschaften.

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Weinbau an Saar, Salm und Lieser boomt

Es ist eine Chance für den Weinbau in den Nebentälern. An der Saar, die ebenfalls in die Mosel fließt, boomt das Geschäft bereits. Mehrere große Betriebe haben sich Weinberge zwischen Saarburg und Konz gesichert.

Und auch an der Salm und der Lieser haben Weingüter expandiert, zum Beispiel in Rivenich, Dreis oder Maring-Noviand.

Ortsansicht von Rivenich (Foto: SWR, SWR -)
In Rivenich in der Eifel wird Wein angebaut. SWR -

Viele kleine Parzellen an der Ruwer

An der Ruwer allerdings ließ der große Ankauf bislang auf sich warten. Und das hängt, sagt Waldrachs Ortsbürgermeister Krämer, vor allem mit der Struktur der dortigen Weinberge zusammen.

"Wir haben hier sehr viel Eigentümer und daher auch kleinteilige Parzellen", sagt der Bürgermeister. Große Flächen und somit auch wirtschaftlich lukrative Weinberge zu beschaffen, sei daher nicht einfach.

Die Gemeinde Waldrach sei aber gerade dabei, die Besitzer der vielen Brachen zu kontaktieren, um Parzellen zusammenzulegen: "Wir sind dabei, das schnellstmöglich in die Wege zu leiten."

Der Weinbau im Ruwertal profitiert vom Klimawandel.  (Foto: SWR)
Die Weinberge in Waldrach bestehen aus vielen kleinen Parzellen. Manche sind total verwildert, andere werden bewirtschaftet.

Ruwer will Tourismusregion bleiben

Keine leichte Aufgabe, aber eine wichtige, sagt der Ortsbürgermeister. Denn der Weinbau sei aus dem Ruwertal nicht wegzudenken.

"Wirtschaftlich war er früher wichtiger. Aber wir wollen eine Tourismusregion bleiben und dafür brauchen wir den Weinbau."

Winzer Klaus Lex aus dem Moselort Leiwen wird dem Ruwertal ohnehin erhalten bleiben. Seine Weine aus Waldrach, sagt der Winzer, gehörten zu den Besten, die er im Sortiment habe.

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