Motorradfahrer sind bei Trier unterwegs. Es ist Frühling, die Motorradsaison hat erneut begonnen. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Bikersaison in RLP beginnt

Kampf gegen Motorradlärm

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Ein satter Maschinensound, der lauter und lauter wird - für viele Biker Musik in den Ohren. Für viele Menschen in Eifel und im Pfälzerwald pure Lärmbelästigung. Jetzt geht die Saison wieder los.

Sobald die ersten Sonnenstrahlen am Himmel sind, schieben Bikerinnen und Biker ihre Maschinen aus der Garage und starten ihre Touren - gern auf kurvenreichen Strecken. Und dann ist sie wieder da, die alljährliche Debatte ums Rasen und um lärmgeplagte Anwohner. Doch wie kann man das Problem lösen?

ADAC: Biker mit Hinweistafeln sensibilisieren

Eine Idee ist, Strecken wegen Motorenlärms zu sperren. Der ADAC aber spricht sich dagegen aus. "Dann werden die Motorradfahrer im Kollektiv bestraft", findet der Vorsitzende des ADAC Mittelrhein, Rudi Speich. Die meisten seien schließlich ordnungsgemäß und rücksichtsvoll unterwegs. Stattdessen setze der ADAC auf Sensibilisierung.

So hat er 2021 mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz im Gelbachtal im Westerwald vier gelbe Hinweistafeln aufgestellt. Sie zeigen einen Motorradfahrer neben den Worten "Leise fahren. Lärm ersparen. Rücksicht kommt an. Danke!" Inzwischen gibt es laut ADAC landesweit 15 bis 20 solcher Schilder. Bundesweit seien es 200. Weitere könnten folgen.

Nur wenige "schwarze Schafe" auf dem Motorrad

Herbert Fuss und sein Team vom ADAC Mittelrhein sind selbst immer wieder sonntags mit Motorrädern zu den "Hotspots" unterwegs. Sie sprechen dort die Fahrerinnen und Fahrer an, verteilen Infomaterial. "Das wird dankend angenommen", erzählt Fuss. Viele seien froh, wenn sie nicht mit den wenigen "schwarzen Schafen" in einen Topf geworfen würden.

Diese nutzen zum Beispiel Ortsausgänge, um herunterzuschalten und bis auf 100 Kilometer pro Stunde zu beschleunigen - extrem nervig für die Anwohner. Deswegen fordern einige, am Ortsausgang nur Tempo 70 zu erlauben und so die Geräuschkulisse zu entzerren.

Bis es so weit ist, scheinen die Hinweistafeln erste Wirkung zu erzielen. Die Anwohner im Gelbachtal sind laut ADAC-Abteilungsleiter Fuss vor und nach der Platzierung der Schilder stichprobenhaft befragt worden. Die Gemeinden meldeten, es sei ruhiger geworden. Allerdings seien im oft nassen Sommer 2021 auch weniger Motorradfahrer und -fahrerinnen unterwegs gewesen.

Polizei-Aktion "Kaffee statt Knöllchen"

Rolf Frieling ist Vorsitzender des Vereins "Biker Union", einer Interessenvertretung der Motorradfahrer in Deutschland. Er sagt, diese Schilder und ähnliche Aktionen hätten ihren Nutzen, denn sie machten Motorradfahrende darauf aufmerksam, dass es sich an den Aufstellungsorten um "lärmsensible Bereiche" handelt, an denen man besonders rücksichtsvoll fahren sollte.

Die "Biker Union" beteiligt sich laut Frieling an Aktionen wie "Kaffee statt Knöllchen": Zusammen mit der Polizei sucht sie bei einem Becher Kaffee den Dialog auf Augenhöhe über Tempo und Lärm. Dies sei "im Regelfall wirksamer als Belehrungen durch die Polizei", erklärt Frieling. Bei "schwarzen Schafen" zeigten diese Maßnahmen jedoch praktisch keine Wirkung, hier helfe nur eine konsequente Verkehrsüberwachung der Polizei mit allen rechtlich zulässigen Maßnahmen.

Lösung: höhere Bußgelder für Biker?

Der überregionale Verein "Silent Rider", dem unter anderem vier Kommunen in Rheinland-Pfalz angehören, betont: "Lärm macht bewiesenermaßen krank." Insbesondere als Anwohner könne man sich dem nicht entziehen. Um unnötigen Motorradlärm einzudämmen, fordert der Verein unter anderem "eine spürbare Erhöhung der Bußgelder für geräuscherhöhende Verstöße jeglicher Art". Und die Möglichkeit, das Fahrzeug sofort stillzulegen, wenn daran nicht genehmigte Veränderungen vorgenommen wurden.

Polizei: "Gut auf Motorradsaison in RLP vorbereitet"

Die Polizei in Rheinland-Pfalz versichert, sie sei auf die neue Saison vorbereitet. Laut einer Polizeisprecherin in Kaiserslautern gibt es etwa rund um den bei Bikerinnen und Bikern beliebten Parkplatz Johanniskreuz regelmäßige Kontrollen. Auch Roland Brauns von der Polizei Adenau nahe dem Nürburgring in der Eifel erklärt: Die Polizei sei sensibilisiert, künftig gebe es gelegentliche besondere Kontrollen von Tempo und Lärm, auch mit einem Schallpegelmessgerät.

Wer den serienmäßig eingebauten Schalldämpfer ausbaut und erwischt wird, muss damit rechnen, dass die Betriebserlaubnis erlischt. Dann darf ein Bike nur noch auf einem Anhänger weitertransportiert werden. Die Folgen laut ADAC Mittelrhein: bis 270 Euro Bußgeld.

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