Schweine (Foto: SWR)

Fleischpreise im Dauertief

Wenn sich die Schweinehaltung in der Eifel nicht mehr lohnt

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Steak und Würstchen sind jetzt zur warmen Jahreszeit auf dem Grill wieder beliebt. Die Eifel-Bauern haben nichts von diesem Boom. Die Kilopreise sind im Dauertief. Immer mehr geben auf.

Es sind Schritte, die Rainer Zender bis heute weh tun. Der 50-jährige betritt seinen leeren Stall in Idenheim in der Eifel. Bis vor wenigen Wochen waren hier noch Zuchtsauen und deren Ferkel. Bis zu 2.000 Tiere kamen hier pro Jahr zur Welt.

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Kilopreise im Dauertief

1973 stieg die Familie in das Geschäft ein. Seit einigen Jahren lohnt sich die Schweinezucht aber nicht mehr. Die Preise für Schweinefleisch sind im Dauertief. Rainer Zender hat deswegen im September 2021 beschlossen, die Zucht endgültig aufzugeben.

Schweinezüchter vor dem Aus (Foto: SWR)
Bis Sommer kümmert sich Rainer Zender noch um seine 200 Mastschweine. Danach beendet er die 400 Jahre alte Familientradition.

Der zweifache Familienvater hatte bei seiner Arbeit zuletzt nur noch drauf gezahlt:

„Im September letzten Jahres ist der Preis auf 1,20 Euro gefallen. Dabei hätte ich zwischen 1,60 und 1,70 Euro gebraucht. Das sind bei einem geschlachteten Schwein 50 bis 60 Euro, die ich drauf lege."

Job in Luxemburg statt Schweinemast in der Eifel

Aktuell liegen die Preise bei 1,90 Euro pro Kilogramm. Nach Einschätzung des Bauern- und Winzerverbandes benötigen die Landwirte aber mindestens 2,20 Euro, um zumindest kostendeckend zu arbeiten. Mehr als 400 Jahre hielt die Familie von Rainer Zender Schweine. Jetzt ist er der Letzte. 200 Mastschweine hält er noch bis zum Sommer. Dann ist dieses Kapitel endgültig vorbei. Der zweifache Familienvater sucht gezwungenermaßen nach beruflichen Alternativen. Die Hof-Brennerei möchte er weiterführen und auf den Feldern Getreide anbauen. Weil das aber nicht zum Leben reicht, sucht er noch nach einem Halbtags-Job in Luxemburg.

Schweinezüchter vor dem Aus (Foto: SWR)
Halbtags-Job in Luxemburg statt draußen nach den Schweinen zu schauen. Rainer Zender muss sich mit 50 Jahren beruflich neu aufstellen.

Corona hat die Situation verschlimmert

Rainer Zender ist kein Einzelfall. 20 Prozent aller Schweinezüchter in Rheinland-Pfalz haben im vergangenen Jahr aufgegeben. Wegen Corona blieben Restaurants zu, Umsätze brachen weg. Dann kam die Schweinepest und hat die Preise weiter gedrückt. Durch den Ukraine-Krieg sind die Preise für Futtermittel stark angestiegen.

Keine Lösung in Sicht

Das Problem: Zu viele verdienen am Schwein mit. Neben den Landwirten mischen Zwischenhändler, Schlachthöfe und Zerlegebetriebe am Geschäft mit dem Schwein mit. Teilweise drehen bis zu sechs verschiedene Akteure an der Preisschraube. Der Landwirt habe als Produzent den geringsten Einfluss.

"Es muss mehr Wertschöpfung bei der Landwirtschaft ankommen, vielleicht muss einfach weniger Zwischenhandel betrieben werden, aber das ist alles schwierig. Ein Patentrezept für eine schnelle Lösung - das gibt es nicht"

Im Sommer ist endgültig Schluss

Seine Mastschweine möchte Rainer Zender im Juli verkaufen. Auf einer Wiese neben seinem Haus in Idenheim hält er noch wenige Hausschweine. Die möchte er eventuell behalten - als Hobby.

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