Vom Vitelliusbad in Wittlich ist nur noch ein Berg von Bauschutt übrig.  (Foto: SWR)

Kosten für Schwimmbad drastisch gestiegen

Kostenexplosion: Wittlich baut Vitelliusbad trotzdem weiter

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Der Neubau des Vitelliusbades in Wittlich wird wesentlich teurer als geplant. Die Gründe sind der Krieg in der Ukraine und Corona. Dennoch hält der Stadtrat an den Plänen fest.

Auf dem Minigolfplatz von Hans-Peter Ulbricht ist derzeit nicht viel los. Drei Männer schlagen ein paar Bälle. Es sei kein Vergleich zu früheren Jahren, sagt der Pächter der Sportstätte am Stadtrand von Wittlich.

Seit April ist die Anlage geöffnet. Doch bislang blieb der Andrang aus. Den Grund für die Flaute sieht Ulbricht hinter dem Bauzaun auf dem Nachbargrundstück. "Seit die Abrissarbeiten am Vitelliusbad begonnen haben, ist hier tote Hose", sagt der Wittlicher, der befürchtet, dass der Neubau des Schwimmbades ihm das Geschäft kaputtmachen könnte.

Denn noch immer ist nicht klar, wann das Vitelliusbad wieder aufmacht. Für einen Moment stand sogar auf der Kippe, ob es überhaupt wieder aufgebaut wird.

Neubau wird um die Hälfte teurer

Viel übrig ist nicht mehr von dem Frei- und Hallenbad. Dort wo früher die Becken waren, türmt sich heute Bauschutt auf. Die Abrissbirnen haben ganze Arbeit geleistet und die ganze Anlage dem Erdboden gleichgemacht. Seitdem stehen die Bagger allerdings still und das Projekt auf der Kippe.

Denn der Neubau der Anlage wird für die Stadt um einiges teurer als ursprünglich gedacht. Nach aktuellen Berechnungen der Verwaltung liegen die Baukosten um rund 50 Prozent höher als einmal veranschlagt. Aus 19 Millionen Euro wurden binnen zwei Jahren Planungszeit 29 Millionen.

Krieg und Pandemie verteuern Bauprojekt

Die Gründe für diese Kostenexplosion sind aber laut Verwaltung nicht in Wittlich zu suchen. Sie lägen vielmehr in zwei großen internationalen Krisen. Die eine ist die Corona-Pandemie, die andere der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine.

Vom Vitelliusbad in Wittlich ist nur noch ein Berg von Bauschutt übrig.  (Foto: SWR)
Das gesamte Gelände, auf dem früher die Becken standen, ist derzeit eine Baustelle. Bild in Detailansicht öffnen
Berge von Schutt türmen sich auf, wo früher das Freibad war. Bild in Detailansicht öffnen
Zuletzt ruhten die Bagger. Jetzt können die Bauarbeiten weitergehen. Bild in Detailansicht öffnen

Etliche Waren, auch Baumaterialien, sind derzeit knapp und teuer - das weiß jeder, der derzeit ein Haus bauen will. Und das bekommen nun auch die Wittlicher bei ihrem Schwimmbad zu spüren, ihrem größten Projekt der vergangenen Jahre.

"Die Preise haben sich in eine Richtung bewegt, wie wir es vorher nicht für möglich gehalten hätten."

Protest hat Bauarbeiten verzögert

Klar ist allerdings auch: Hätten die Bauarbeiten früher begonnen, hätte die Stadt Geld gespart. Denn vor einigen Monaten lagen die Kosten für Baumaterial noch deutlich niedriger. Der Protest einer Bürgerinitiative hatte das Projekt allerdings um gut zwei Jahre verzögert.

Die Kritiker forderten den Erhalt des Freibads in seiner ursprünglichen Form statt eines neuen Kombibads und zogen deshalb sogar - letztlich erfolglos - vor Gericht. Dadurch dauerte es aber länger, bis die Bagger rollen konnten. "Die Verzögerungen waren erheblich. Und das wirkt sich aus", kommentiert Bürgermeister Rodenkirch.

Sondersitzung des Stadtrats wegen steigender Kosten

Die Frage, die deshalb an diesem Donnerstagabend im Raum stand, war ob die Stadt sich den teuren Neubau überhaupt noch leisten kann. Die Verwaltung hatte eigens wegen der gestiegenen Kosten zu einer Sondersitzung des Stadtrates eingeladen. Und dabei auch die Option angesprochen, das Projekt abzubrechen.

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Diese Möglichkeit kam allerdings für keine der Fraktionen des Stadtrates infrage. Die Parteien sprachen sich einstimmig dafür aus, die Bauarbeiten fortzusetzen. Und auch bei der Ausstattung des Bades keine Abstriche zu machen.

Abbruch des Projektes ist für Fraktionen keine Option

"Der Verzicht auf ein Schwimmbad", begründete etwa Leonard Preisler (CDU): "wäre eine größere Zumutung für die Bürger, als die Aufnahme neuer Schulden." Sozialdemokrat Joachim Gerke gab ihm Recht: "Der Abbruch ist keine wirkliche Lösung."

Und zwar auch deshalb nicht, weil die Stadt schon allein für Planung und Abriss mehrere Millionen ausgegeben habe.

"Wir können keine Millionen ausgeben für gar nichts. Dann fragen uns die Wittlicher, ob wir noch sauber ticken."

Wittlich muss sich noch weiter verschulden

Am Ende beschließt der Stadtrat, an den Plänen für das Schwimmbad festzuhalten. Um die hohen Ausgaben auszugleichen, verschiebt die Gemeinde den Kauf diverser Grundstücke und auch einige Bauarbeiten im Museum Altes Rathaus. Dort sollten Brandschutzauflagen umgesetzt werden.

So soll das Vitelliusbad in Wittlich nach dem Umbau aussehen (Foto: KRIEGER Architekten | Ingenieure)
So soll das Vitelliusbad in Wittlich nach dem Umbau aussehen KRIEGER Architekten | Ingenieure

Die Stadt Wittlich muss aber auch neue Kredite aufnehmen und sich verschulden. Dafür bekommen die Bürger irgendwann ein neues Schwimmbad.

Wann die Arbeiten abgeschlossen sein werden, ist unklar. Die Verwaltung rechnet mit einer Bauzeit von rund drei Jahren. Es könnten harte Jahre werden, auch für Hans-Peter Ulbricht und seinen Minigolfplatz.

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