Vier Jahre Sperrung der B53 zwischen Klüsserath und Trittenheim (Foto: SWR, Andrea Meisberger)

Straßensanierung dauert vier Jahre

Vollsperrung der B53 zwischen Klüsserath und Trittenheim sorgt für Ärger

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Andrea Meisberger
Andrea Meisberger: Multimediale Reporterin SWR Studio Trier (Foto: SWR, Andrea Meisberger)

Ab dem 25. August wird die B53 zwischen Klüsserath und Trittenheim für vier Jahre gesperrt, um die Straße zu sanieren. Das sorgt in den beiden Moselgemeinden für Ärger.

Diana Kaspari betreibt gemeinsam mit ihrem Mann eine Fleischerei in Trittenheim und bietet dort auch einen Mittagstisch an. Doch durch die Vollsperrung der B53 kämen viele ihrer Stammkunden aus den benachbarten Orten Klüsserath, Ensch, Pölich und Schleich nicht mehr nach Trittenheim, ohne einen Umweg von zehn Kilometern fahren zu müssen, sagt sie. Auch vom Campingplatz in Klüsserath kämen normalerweise viele zum Mittagessen vorbei.

Fehlende Einnahmen sorgen für Existenzängste

Kaspari sagt, dass die Vollsperrung der B53 zwischen Klüsserath und Trittenheim dafür sorgen werde, dass die Einnahmen in ihrem Betrieb deutlich sinken, denn viele würden dann zur näher gelegenen Konkurrenz fahren, um ihr Fleisch zu kaufen.

Sperrung wegen Sanierung der b53 zwischen Klüsserath und Trittenheim trifft Gastronomen (Foto: SWR, Andrea Meisberger)
Diana Kaspari betreibt gemeinsam mit ihrem Mann die Fleischerei Kaspari in Trittenheim. Sie befürchtet dass ihre Kunden den Umweg nicht in Kauf nehmen, und ihr Umsatz deshalb stark einbrechen wird. Andrea Meisberger

"Wir haben eine Menge Personal. Und wenn der Umsatz nicht da ist, kommt die Sorge, ob man das Personal behalten kann. Das macht einem auch Existenzangst."

Während der Corona-Pandemie sei es in gewisser Weise absehbar gewesen, wie mit der Situation umzugehen sei. Doch in diesem Fall wisse man nicht, was in den nächsten vier Jahren zu erwarten sei.

Bereits zweite Sperrung, die Trittenheim trifft

Schon 2013 war die Ortsdurchfahrt von Trittenheim insgesamt für 20 Monate gesperrt, erzählt Bürgermeister Franz-Josef Bollig. Damals sei diese in zwei Bauabschnitten saniert worden.

Trotzdem habe auch das viele Gastronomen und die Metzgerei Kaspari getroffen. Gemeinsam habe man durchgehalten. Doch eine Vollsperrung für vier Jahre sei jetzt einfach zu viel.

Sperrung trifft Gastronomie wegen Corona doppelt

Auch die Gastronomen im zwei Kilometer entfernten Klüsserath sind nicht glücklich mit der Sperrung. Einer von ihnen ist Benjamin Ensch. Er betreibt seit sieben Jahren den Campingplatz in Klüsserath.

Durch die Sperrung ist sein Campingplatz zwar noch erreichbar, liegt jedoch in einer Sackgasse. Normalerweise lebt er vom Durchgangsverkehr.

Vier Jahre Sperrung der B53 zwischen Klüsserath und Trittenheim (Foto: SWR, Andrea Meisberger)
Benjamin Ensch betreibt den Campingplatz seit sieben Jahren. In zwei Jahren davon, hat er bereits mit Corona zu kämpfen gehabt. Nun trifft ihn die Vollsperrung wieder. Andrea Meisberger

"Die Camper sind ein spontanes Volk. Die sehen einen Campingplatz und fahren drauf. Wenn es ihnen gefällt bleiben sie, wenn nicht, fahren sie weiter. Doch wenn sie gar nicht erst hinkommen, kann man sie nicht überzeugen, zu bleiben."

Die Corona-Pandemie sei zwar schlimm gewesen, doch man habe es mit einem blauen Auge überlebt, sagt Ensch. Die vier Jahre Sperrung seien aber eine ganz andere Hausnummer. Es sei nicht wie im Corona-Lockdown mal geschlossen, dann wieder offen, sondern dauerhaft.

Vier Jahre Sperrung der B53 zwischen Klüsserath und Trittenheim (Foto: SWR)
Touristen können den Campingplatz in Klüsserath noch anfahren, doch der befindet sich aufgrund der Sperrung in einer Sackgasse. Benjamin Ensch, der Betreiber des Campingplatzes, sagt, dass er vom Durchgangsverkehr lebt.

Umleitung könnte zu Chaos führen

Norbert Friedrich, Bürgermeister von Klüsserath, hat auch die Pendler, die beispielsweise nach Bernkastel-Kues fahren müssen, im Blick. Diese müssten nun ebenfalls jeden Tag einen Umweg von zehn Kilometern fahren.

"Das führt bei den heutigen Spritpreisen in der Bevölkerung zu großem Unmut."

Trittenheims Ortsbürgermeister Bollig befürchtet, dass die eingerichtete Umleitung über die Thörnicher Brücke, Leiwen nach Trittenheim zu einem Problem wird. Teilweise seien dort die Straßen sehr eng. Zwei Lkw kämen dort nicht aneinander vorbei.

Vier Jahre Sperrung der B53 zwischen Klüsserath und Trittenheim (Foto: SWR)
Darüber, dass die Straße zwischen Klüsserath und Trittenheim erneuert werden muss, sind sich die Bürgermeister der beiden Moselgemeinden einig. Allerdings hätten sie sich eine Ampellösung statt einer Vollsperrung gewünscht.

Auch die Route über Leiwen und Zummet sei problematisch, da diese Strecke sehr kurvenreich sei. Fahrradfahrer würden oft schlecht gesehen. Er befürchtet, dass aufgrund des höheren Verkehrsaufkommens schwere Unfällen passieren.

Vollsperrung trifft Weinfeste in Klüsserath und Trittenheim

Dass die Vollsperrung am 25. August startet, ist für die beiden Weinorte besonders ärgerlich. Denn in beiden Dörfern findet an diesem Wochenende das Weinfest statt. Gerade jetzt nach der Corona-Pause sei man froh, wieder feiern zu können.

Die Bürgermeister beider Orte hatten bei der Verbandsgemeinde Schweich und dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) nachgefragt, ob eine Sperrung nicht auch erst ab dem darauffolgenden Montag möglich sei. Das wurde aber abgelehnt.

Der LBM erklärte auf SWR-Nachfrage, dass bereits ab diesem Donnerstag alle Maßnahmen getroffen werden müssten, um den darauffolgenden Montag pünktlich anfangen zu können.

Mehr Kommunikation und andere Form der Sperrung gewünscht

Bollig und Friedrich sind sich einig, dass die Straße zwischen Klüsserath und Trittenheim erneuert werden muss. Und auch der Lückenschluss des Radweges sei dringend notwendig.

Allerdings sagen beide, dass eine Sperrung in dieser Größenordnung nicht hätte sein müssen. Eine einseitige Sperrung mit Ampelverkehr hätte ausreichen müssen.

"Wir haben darum gebeten, dass die Auswirkungen für die Menschen hier so klein wie möglich bleiben."

Der Landesbetrieb Mobilität sagt jedoch, dass eine einseitige Sperrung nicht funktioniere. Denn für die Sanierung und den Ausbau der Strecke sei eine Baugrube nötig.

Aufgrund dessen sei dann nicht mehr genügend Platz für den Straßenverkehr. Zudem zöge eine Ampelschaltung nach Angaben des LBM die Bauzeit in die Länge.

Sperrung wegen Sanierung der b53 zwischen Klüsserath und Trittenheim trifft Gastronomen (Foto: SWR, Andrea Meisberger)
Trittenheims Bürgermeister Fanz-Josef Bollig fühlt sich vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) im Stich gelassen. Er hätte sich deutlich mehr Kommunikation gewünscht. Andrea Meisberger

Bollig hätte sich mehr Kommunikation mit dem LBM im Zuge der Straßensperrung gewünscht. Der LBM hingegen hält die Kommunikation für ausreichend. Die Bürgermeister der beiden Orte seien rechtzeitig über das Bauvorhaben und die damit beauftragten Firmen informiert worden.

Länge der Bauzeit von äußeren Einflüssen abhängig

Ob es eine Verkürzung der Bauzeit, wie beispielsweise im Fall der Sperrung zwischen Lörsch und Longen an der Mosel geben wird, ist nach Angaben des LBMs nicht sicher. Demnach könnten sich "eventuell Synergieeffekte ergeben", wodurch die Bauzeit verkürzt werde.

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Klüsseraths Bürgermeister Friedrich befürchtet, dass es nicht bei den vier Jahren bleibt. Denn es sei nicht absehbar, ob es zum Fachkräfte- oder Baustoffmangel kommen wird.

Auch der LBM räumt ein, dass sich bei der langen Bauzeit auch andere Einflüsse, wie die Wetterbedingungen, Corona oder der Ukraine Krieg, nicht einschätzen lassen - was eine genaue Zeitangabe zur Dauer der Vollsperrung schwierig mache.

"Wenn ich mir die Prognosen von Baustellen in den letzten Jahren in Deutschland angucke, dann muss ich davon ausgehen, dass die Baustelle hier nicht in vier Jahren fertig wird, sondern sechs Jahre dauern wird."

Rabattaktionen und Hinweisschilder sollen Touristen locken

Friedrich möchte nun neben dem Hinweisschild zur Vollsperrung ein Schild anbringen, dass die Gastronomie und Betriebe in Klüsserath trotz der Sperrung erreichbar sind.

Er möchte, dass das Schild vom LBM finanziert wird. Dort sieht man das aber anders. Das Schild müsse die Gemeinde selbst bezahlen.

Diana Kaspari hofft, dass ihre Kunden dann über die Umleitung in ihre zweite Filiale nach Leiwen fahren. Diese hatte sie vor einiger Zeit gemietet und renoviert.

"Wir hoffen einfach, dass wir die Kunden über die Jahre hinweg soweit binden konnten, dass sie uns auch jetzt in den vier Jahren treu bleiben."

Auch Campingplatzbetreiber Benjamin Ensch überlegt, Rabattaktionen ins Leben zu rufen, um die Menschen zu locken. Außerdem plant er eine Mottowoche. Er hofft, dass die Touristen dadurch seinen Campingplatz gezielt anfahren.

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