Corona in Trier: Infektionen und Quarantäne bei Unternehmen (Symbolbild) (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Uneinigkeit über Corona-Lockerungen

Unternehmen in der Region Trier beklagen Ausfälle durch Corona

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Christian Altmayer

Bei vielen Unternehmen in der Region Trier fallen Mitarbeiter wegen Corona und Quarantäne aus. Manche Betriebe fordern Lockerungen, andere wollen die Regeln dagegen verschärfen.

Jeden Tag flattern bei den Firmen in der Region Trier neue Krankenscheine in die Briefkästen. Die Omikron-Welle rauscht weiter durch die Betriebe. Mitarbeiter infizieren sich oder müssen in Quarantäne, weil Partner, Kinder oder Freunde sich angesteckt haben.

"Hier sind wegen der hohen Krankenstände bereits mehrere Schichten ausgefallen. Auch Auslieferungen stocken", sagt etwa Eric Leisen, kaufmännischer Geschäftsführer von Glas Fandel in Bitburg.

Viele Infektionen bei regionalen Unternehmen

Im Betonwerk in Kenn sieht es laut Chef Nikolaus Eiden ähnlich aus: "Derzeit haben wir drei bis vier Neuinfektionen pro Woche, Tendenz steigend. In Teilbereichen stoßen wir bereits an Grenzen, sodass externe Dienstleister unterstützend in Anspruch genommen werden müssen."

Und auch der Motorsägenhersteller Stihl in Weinsheim, der Weinbautechnikbetrieb Clemens in Wittlich sowie der Trierer Autozulieferer GKN Driveline verzeichnen Ansteckungen.

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Einige Betriebe setzen weiter auf Maßnahmen

Dennoch sprechen sich nur vereinzelt Firmen dafür aus, Corona-Quarantänen zu verkürzen oder Testpflichten fallen zu lassen. Im Gegenteil erklärten die meisten befragten Unternehmer, dass strengere Vorschriften und Maßnahmen im Betrieb auch helfen würden, das Infektionsgeschehen einzudämmen.

"Wir testen unsere Mitarbeiter jeden zweiten Tag und schützen sie mit Trennwänden und Masken", sagt etwa Bernhard Clemens von der gleichnamigen Firma in Wittlich. Wegen dieser Maßnahmen habe es keine gravierenden Ausbrüche gegeben.

Hochwald Foods aus Thalfang sei bislang ebenfalls gut durch die Omikron-Welle gekommen, sagt Pressesprecherin Kathrin Lorenz. "Die Zahl der Infektionen ist aktuell auf einem niedrigen Niveau. Wir haben keine Probleme, unsere Produktion aufrechtzuerhalten". Was Lorenz ebenfalls auf die Vorschriften zurückführt.

Molkerei Hochwald (Foto: SWR)
Bei der Molkerei Hochwald in Thalfang herrschen strenge Corona-Regeln. Deswegen gibt es auch wenig Infektionen.

Andreas Am Zehnhoff-Söns von der gleichnamigen Logistikfirma am Trierer Hafen weiß Ähnliches zu berichten. "Neben der Bereitstellung von Corona-Tests für die Beschäftigten und die Weiterführung des Homeoffice-Angebotes, haben wir die Erfahrungen gemacht, das Infektionsrisiko mit unserem betrieblichen Hygienekonzept deutlich zu minimieren".

IHK fordert Abschaffung der Quarantänepflicht

Es gibt aber auch andere Stimmen, etwa von der Industrie- und Handelskammer Trier. Diese fordert schon länger, die Quarantänepflicht abzuschaffen.

Bei Stihl in Weinsheim wünscht man sich zumindest "eine Vereinfachung". Denn diese erfordere "ein aufwendiges und mit hohem personellen Aufwand verbundenes Fallmanagement im Unternehmen".

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Eric Leinen von Glas Fandel in Bitburg pflichtet dem bei. "Bei der aktuellen Infektionslage ist es so, dass kaum noch großartige Beschwerden auftreten. Wüsste man nichts von Corona, würde man mit leichter Erkältung einfach arbeiten gehen".

Vereinfachte Krankmeldungen ein Problem?

Das Problem seien die vereinfachten Krankschreibungen. Dass man nur noch anrufen müsse, um eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu bekommen. Obwohl manch einer gesund genug wäre, zu arbeiten.

"Wer nicht wirklich krank ist, sollte arbeiten kommen. Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben".

Unternehmer fordern härtere Maßnahmen

Nikolaus Eiden sieht das anders. "Es ist zu beobachten, dass die Infizierten derzeit immer häufiger relativ starke Erkältungs- und Grippesymptome haben und ohnehin krankgeschrieben werden".

Der Chef des Kenner Betonwerks plädiert deshalb "unbedingt für die Einführung eines negativen Schnelltests als Voraussetzung dafür, dass eine Person wieder zur Arbeit darf, egal wie lange das dauert".

Ohnehin sei "unstrittig", dass der Staat die Pandemie mit härteren Maßnahmen noch besser im Griff hatte, sagt Eiden. "Es braucht klare Vorgaben und schrittweise Lockerungen, sodass Effekte schnell erkennbar werden und notfalls gegengesteuert werden kann", ergänzt Andreas Am Zehnhoff-Söhns.

Die Tendenz allerdings geht politisch in die entgegengesetzte Richtung. Es wird gelockert.

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