Vet-Concept in Föhren (Foto: SWR, Claudia Krell)

Notfallplan Gas

Unternehmen aus Föhren sucht Alternativen zu russischem Gas

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Russland hat die Gaslieferungen an Deutschland gedrosselt. Unternehmen suchen nach Alternativen. Beispiel: Vet-Concept in Föhren.

Torsten Herz ist Geschäftsführer von Vet-Concept - einem Hersteller von Tiernahrung im Industriepark Region Trier in Föhren. Für die Produktion von Tierfutter benötigt das Unternehmen in beiden Werken rund zehn Millionen Kilowattstunden im Jahr. Dass Lieferungen von russischem Gas an Deutschland gedrosselt werden, das war ab Februar abzusehen, sagt er. Seitdem habe er sich mit seinem Team Gedanken gemacht und nach Alternativen gesucht.

Flüssiggas als Lösung

Derzeit versuche man eine Flüssiggasanlage zu bekommen und zu installieren. "Das ist schwierig", sagt Torsten Herz. Denn die Lieferzeit werde immer länger. Ob bis Ende des Jahres eine solche Anlage geliefert werden könnte, sei ungewiss. Auch das Vergabeverfahren im Rahmen des Bundesimmissionsschutzgesetzes könne dauern. Hinzukomme, dass die Preise steigen. Jetzt sei ein solch großer Tank von 30 Tonnen ungefähr 45 bis 60 Prozent teurer als noch vor einem Jahr.

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Mit einer solchen Flüssiggasanlage mit der entsprechenden Technik sei es möglich, in dem Moment, wenn Erdgas knapp wird, umzuschalten. "Das Flüssiggas wird so aufbereitet, dass es dem Gas entspricht, was sonst aus der Leitung kommt", sagt Torsten Herz. Wird es denn genügend Flüssiggas geben? Das sei nach jetzigen Aussagen der Fall. Es werde aus mehreren Ländern nach Deutschland importiert. Ob das so bleibe, sei zu hoffen.

Dampferzeuger im Nassfutterwerk braucht viel Gas

Vet-Concept in Föhren (Foto: SWR, Claudia Krell)
In diesen Druckbehältern – vergleichbar mit einem Schnellkochtopf – werden die Nassfutterkonserven sterilisiert Claudia Krell Bild in Detailansicht öffnen
Rund 25 Millionen Dosen Tierfutter werden in Nassfutterwerk von Vet-Concept hergestellt Claudia Krell Bild in Detailansicht öffnen
Geschäftsführer Torsten Herz vor dem Druckbehälter, er zeigt auf die gelbe Leitung, aus der das Gas kommt Claudia Krell Bild in Detailansicht öffnen
Im Hausanschlußraum von Vet-Concept Claudia Krell Bild in Detailansicht öffnen

Im Nassfutterwerk von Vet-Concept werden laut Geschäftsführung pro Jahr etwa zehntausend Tonnen Futter hergestellt. Das entspricht ungefähr 25 Millionen Dosen. "Viel Gas wird im sogenannten Dampferzeuger benötigt. Dort kommt das Erdgas über die gelbe Leitung rein und wird verbrannt", so Geschäftsführer Torsten Herz.

"Mit der Energie wird das Wasser so stark erhitzt - es sind weit über 100 Grad - bis es zu Dampf wird. Dieser Dampf wird zum Sterilisieren der Dosen genutzt." Viel Gas brauche man auch bei der Herstellung von Trockenfutter.

Preissteigerungen unausweichlich

Wegen der gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten seien Preiserhöhungen nötig. Im April habe es bereits eine Anpassung gegeben. Im Oktober plane man eine weitere Anhebung.

Nicht von heute auf morgen ohne Gas

Torsten Herz hofft, dass es angesichts der Drosselung von russischem Gas nicht so sein wird, dass man von heute auf morgen ohne Gas sei. Die Schlüsselrolle nehme bei der Verteilung die Bundesnetzagentur ein. Diese würde, wenn es zu einem großen Mangel käme, Erdgas unter Privathaushalten und der Industrie aufteilen.

Herz hofft, dass die Tiermittelindustrie der Lebensmittelindustrie angegliedert wird. Dann sei man bei den Letzten, die abgeschaltet würden. In Deutschland gibt es mehr als 20 Millionen Hunde und Katzen. Wenn es kein Tierfutter gebe, müsse man auf Lebensmittel ausweichen. Insofern ist der Geschäftsmann optimistisch, dass man dann doch priorisiert werde.

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