Winzer Thomas Ludwig steht vor einem Regal mit Weinflaschen in seiner Vinothek.  (Foto: SWR)

Krise mit wirtschaftlichen Folgen

Drohender Krieg in der Ukraine trifft Moselwinzer

STAND
AUTOR/IN
Christian Altmayer

Auch die Weinbranche an der Mosel schaut auf den Konflikt in der Ukraine. Denn wer mit Wein Geld in Russland verdient, könnte bald ein Problem bekommen.

Wenn Thomas Ludwig dieser Tage in seinem Weinkeller arbeitet, sind seine Gedanken oft 2.000 Kilometer entfernt. Und zwar in der Ukraine, wo sich gerade möglicherweise ein Krieg zusammenbraut.

Mehr als 22 Autostunden liegen zwischen seinem Weingut in Thörnich und der russischen Grenze. Dennoch ist der Konflikt dem Winzer sehr nah, sagt er. Einerseits, weil er Menschen aus diesen Regionen kennt. Andererseits, weil er dort geschäftlich zu tun hat.

Winzer: "Russland ist ein interessanter Markt"

"2010 bin ich zum ersten Mal nach Moskau geflogen, um meinen Wein dort zu bewerben“, erinnert sich der Moselaner. Seitdem exportiert er, wie einige seiner Kollegen, seinen Riesling in die russische Föderation.

"Ein interessanter und auch lukrativer Markt für uns", sagt Ludwig. Auch wenn er sehr instabil sei. Mal werde mehr, mal weniger, mal fast gar nichts bestellt.

Unternehmen in der Region sind verunsichert

Durch die Entwicklungen an der Grenze zur Ukraine drohe er nun aber wegzubrechen, meint Ludwig: "Ich gehe fest davon aus, dass es sich mit dem Geschäft in Russland bald erledigt hat." Denn als sicher gilt, dass Deutschland mit wirtschaftlichen Sanktionen auf eine Eskalation reagieren wird.

Wie dem Winzer aus Thörnich geht es derzeit einigen Betrieben in der Region Trier. Der Grund: Die russische Föderation sei "ein wichtiger Markt für die regionale Wirtschaft", sagt Jan Heidemanns, zuständig für internationale Geschäfte bei der Industrie- und Handelskammer Trier.

"Aufgrund der sich aktuell weiter zuspitzenden politischen Situation und einer möglichen Ausweitung der Sanktionen sind die Unternehmen erneut verunsichert.“

Ernst

Nasser Sommer machte Winzern zu schaffen Bilanz zur Weinernte an der Mosel fällt durchwachsen aus

Weniger Menge, aber gute Qualität - so fällt nach Einschätzung des Vereins Moselwein die diesjährige Ernte an Mosel, Saar und Ruwer aus. Zum Teil läuft die Lese aber auch noch.

Besonders die Weinbranche könnte von Embargos betroffen sein. Denn sowohl in Moskau als auch in Kiew schätzt man einen guten Riesling von der Mosel.

Russland macht jetzt auch in Wein

Russland sei allerdings auch selbst groß ins Weingeschäft eingestiegen, sagt Dmitri Heidebrecht, der beim Landmaschinenhersteller Ero für das Russland-Geschäft zuständig ist. Dort werde derzeit richtig in den Weinbau investiert. Weswegen Heidebrechts Arbeitgeber auch gutes Geld dort verdiene. Der Betrieb aus Simmern im Hunsrück ist spezialisiert auf Vollernter für Weinberge.

Vollernter erntet Trauben für Federweißer (Foto: SWR, Ilona Hartmann)
Vollernter wie dieser sind in Russland derzeit sehr gefragt. Denn das Land steigt groß in den Weinbau ein. Ilona Hartmann

"Die Geschäfte laufen von Jahr zu Jahr besser", sagt Heidebrecht, der für den Vertrieb des Unternehmens in den Ländern am Schwarzen Meer zuständig ist. Angesichts des Konfliktes in der Ukraine befürchtet allerdings auch er, dass es zu Sanktionen kommen wird.

Die Konkurrenz schläft nicht

Was für Ero große Einbußen bedeuten würde. "Da wird sich eine Lücke öffnen, die nicht lange offen bleiben wird", sagt Heidebrecht. Denn die Konkurrenz beim Bau von Landmaschinen, vor allem in Russland selbst, schlafe nicht.

Heidebrecht würde sich von der Politik daher wünschen, dass sie die Bedürfnisse der heimischen Wirtschaft stärker in den Blick nehme, "statt Sanktionen zu verhängen, die letztlich von den USA diktiert werden."

Können Embargos sinnvoll sein?

Thomas Ludwig aus Thörnich hingegen äußert Verständnis für Handelsbeschränkungen, auch wenn sie für ihn selbst Einbußen bedeuten würden. Es gebe kaum ein anderes Mittel, um auf Russlands Drohgebärden zu reagieren.

"Sanktionen treffen natürlich immer auch die falschen Leute."

Krieg verschiebt die Prioritäten

Er selbst hätte inzwischen ohnehin kein gutes Gefühl mehr, seinen Wein in das von Vladimir Putin regierte Land zu exportieren, sagt der Winzer. Die Einbußen könne er verkraften. Immerhin verkaufe er weiterhin Riesling nach Skandinavien, Asien und in die USA.

 "Und man muss es ja auch so sehen – was sind meine Verluste gegenüber dem, was die Menschen in der Ukraine gerade erleben. Da droht ein Krieg in Europa, da verschieben sich dann auch die Prioritäten", sagt Ludwig.

Liveblog: Der Krieg in der Ukraine Melnyk fordert deutsche U-Boote für Ukraine

Russland versucht weiter, die Ukraine einzunehmen. Der Krieg hat auch Auswirkungen auf Europa und die ganze Welt. Alle Infos dazu.

Trier

Ukraine-Konflikt Ukrainische Studentin in Trier: "Kriegsgefahr ist real"

Die Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland sind äußerst angespannt. Die Ukrainerin Viktoriia Tkachuk hält die Kriegsgefahr für real. Sie studiert an der Hochschule Trier.

Trier

Eskalation des Ukraine-Konflikts Bistum Trier holt Helferin wegen Kriegsgefahr aus der Ukraine zurück

Es musste ganz schnell gehen: Am Wochenende rief das Auswärtige Amt alle Deutschen dazu auf, die Ukraine zu verlassen. Das Bistum hatte zwei junge Freiwillige vor Ort.

STAND
AUTOR/IN
Christian Altmayer