Trotz erneuter Inzidenz über 100 gibt es nach Aussage des luxembiurgischen Chef-Virologen für Luxemburg-Pendler nur ein sehr geringes Ansteckungs-Risiko (Foto: imago images, Imago)

Luxemburger Chef-Virologe

Trotz hoher Inzidenz: Geringes Risiko für Luxemburg-Pendler

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Im Nachbarland Luxemburg steigen die Corona-Neuinfektionen mit der Delta-Variante. Die Inzidenz liegt inzwischen weit über 100. Eine Gefahr für Luxemburg-Pendler sieht der Top-Virologe des Landes, Ulf Nehrbass, aber nicht.

Warum hat sich die Delta-Variante so schnell in Luxemburg ausgebreitet?
Wie groß ist die Gefahr, dass diese Entwicklung auf die Region Trier "überschwappt"?
Was heißt das für die Luxemburg-Pendler?
Was bedeutet die hohe Inzidenz für die Schulen?
Müssten alle Kinder ab 12 Jahren geimpft werden?

SWR Aktuell: Die Inzidenz in Luxemburg ist in den vergangenen zwei Wochen rapide angestiegen. Sie liegt jetzt wieder bei weit über 100. Bei mehr als 60 Prozent der Corona-Neuinfektionen wurde die Delta-Variante nachgewiesen. Was sind die Ursachen für diesen erneuten Ausbruch?

Prof. Dr. Ulf Nehrbass: "Das liegt an verschiedenen Veranstaltungen, eine davon ist der Nationalfeiertag am 23. Juni gewesen. Da gab es sehr viele soziale Kontakte, so dass man als Folge eine erhöhte Inzidenz ausmachen kann. Es ist aber so, dass sich die Situation in Luxemburg beginnt, wieder zu stabilisieren. Das liegt daran, dass es in Luxemburg ein effektives Testsystem gibt. So können wir Hotspots relativ schnell  identifizieren und den weiten Anstieg stabilisieren."

Der Generaldirektor des Instituts für Gesundheit in Luxemburg, Prof. Ulf Nehrbass, hält das Ansteckungsrisiko für Luxemburg-Pendler aus der Region Trier für gering.  (Foto: SWR)
Der Virologe Prof. Dr. Ulf Nehrbass ist Generaldirektor des Instituts für Gesundheit in Luxemburg.

Corona-Entwicklung in Luxemburg zeitverzögert in Deutschland

"Wenn ich mir die Situation in Luxemburg anschaue, auf die letzten 18 Monate bezogen, war es oft so, dass Entwicklungen, die sich in Luxemburg gezeigt haben, später auch in Ländern wie Deutschland aufgetreten sind. Das liegt daran, dass Luxemburg ein sehr internationales Land ist. Viele Menschen reisen ein, es gibt viel beruflichen Austausch in Luxemburg mit dem Ausland. So kann es durchaus sein, dass sich Tendenzen in Luxemburg abzeichnen, die dann auch zum Beispiel in Regionen in Deutschland beobachtet werden können."

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SWR Aktuell: Wie groß ist die Gefahr, dass die stark gestiegene Inzidenz mit den vielen Corona-Neuinfektionen jetzt auch auf die Region Trier "überschwappt"?

Nehrbass: "Ich glaube, die Gefahr für die Region Trier ist nicht sehr groß. Wenn wir uns anschauen, wie viele Infektionen aus dem Arbeitsbereich herauskommen, ist das ein sehr geringer Anteil. Es ist durchaus so, dass Ansteckungen auf soziale Kontakte außerhalb des Arbeitsbereichs zurückzuführen sind. Sollten Pendler daher nach Luxemburg kommen, stellt das meiner Meinung nach kein großes Risiko dar."

Fußball-EM sorgt für steigende Corona-Neuinfektionen

"Aber ganz unabhängig davon werden auch in Deutschland die Zahlen steigen. Es hat auch in Deutschland Veranstaltungen mit erhöhten sozialen Kontakten gegeben. So wie die Fußball-EM. Da ist zu erwarten, unabhängig von der Situation in Luxemburg, dass die Zahlen auch in Deutschland ansteigen werden."

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SWR Aktuell: Was ist mit den vielen Pendlern aus der Region Trier, sollten sie lieber weiter zu Hause arbeiten, obwohl zahlreiche luxemburgische Unternehmen wieder mit Präsenz begonnen haben?

Nehrbass: "Die steigende Präsenz wird begleitet von systematischen Tests. Wir haben in Luxemburg Tests an die Arbeitgeber verteilt. Wir sind in der Lage, zweimal die Wochen einen Antigen-Test zu machen. Das trägt sicher dazu bei, dass das Arbeitsumfeld sicher ist. Auch werden innerhalb der Gebäude noch immer Masken getragen. Ich gehe davon aus, dass Infektionen im Arbeitsbereich sehr unwahrscheinlich sind."

Ansteckung mit Coronavirus für Pendler unwahrscheinlich

"Die Infektionen werden auch noch unwahrscheinlicher werden. Weil gerade auch die über 40-Jährigen in Luxemburg systematisch geimpft sind, mehr als 50 Prozent schon zweimal. Das hilft, weil die Menschen dann im Arbeitsbereich eine geringere Gefahr darstellen. Nicht nur, weil die Wahrscheinlichkeit kleiner ist, selbst infiziert zu werden, sondern auch weil die Geimpften weniger ansteckend sind. Alles in allem ist das Arbeiten in Luxemburg relativ sicher."

SWR Aktuell: Wie sollte jetzt mit den Schulen umgegangen werden? Auch dort steigen die Neuinfektionen unter Schülern in Luxemburg wieder an. 

Nehrbass: "Wichtig ist hier, dass Tests weiter konsequent durchgeführt werden. In den Klassen wird systemisch getestet, teilweise kleinere Gruppen täglich. So das Infektionsherde sehr früh erkannt werden und diese Klassen in Quarantäne geschickt werden. Das ist ein Verfahren, das funktioniert hat. Und auch wenn die Zahlen steigen, nehmen wir an, dass es weiter funktionieren wird. Sollte die Delta-Variante eine Infektionsrate erzeugen, die dieses etablierte Verfahren in Frage stellen sollte, dann würde man reagieren müssen. Aber das scheint bisher nicht der Fall zu sein."

Virologe fordert Kinder ab 12 Jahren gegen Corona zu impfen

SWR Aktuell: Sollten die Schüler geimpft werden?

Nehrbass: "Es gibt inzwischen viele Studien, auch aus den USA, die zeigen, dass die Impfung ab 12 Jahren sicher ist. Daher empfehle ich sehr stark, dass hier Impfungen durchgeführt werden sollten. Einfach weil das Impfen gegen die Ausbreitung des Virus wirkt. Es ist wichtig, dass sich eine maximale Anzahl der Bevölkerung, also auch die Kinder, impfen lässt. Das wird die Situation an den Schulen sehr schnell beruhigen."

Das Interview führte SWR-Reporterin Solveig Naber.

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