Anne-Kathrin Justen hat vor drei Jahren ein Haus in Trier-Ruwer gekauft. Am Pfingstwochende stand das Wasser in ihrem Keller. Eine Versicherung gegen Elementarschäden ist ihr mit 400€ im Monat deutlich zu teuer.

Diskussion über Versicherungspflicht

Hochwasser-Versicherung: Triererin müsste fast 400 Euro im Monat zahlen

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Maximilian Storr
Maximilian Storr

Nach den vielen Unwettern mit Überschwemmungen wird über eine Pflichtversicherung für Elementarschäden diskutiert. Die ist in Flutgebieten teuer, wie ein Beispiel in Trier zeigt.

Im Keller von Anne-Kathrin Justen laufen noch immer die Bautrockner, nur das Notwendigste ist wieder eingeräumt. Ende Mai stand der Trierer Stadtteil Ruwer unter Wasser, in dem auch das Haus von Anne-Kathrin Justen steht. Sie erzählt, dass ihr Untergeschoss überschwemmt wurde, weil die nahegelegene Riveristalsperre übergelaufen sei.

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Wir hatten das noch nie in dem Ausmaß gesehen, dass Wasser so schnell kommt.

Schränke, Regale, ein Grill und ein Kühlschrank sind nicht mehr zu gebrauchen. Auch ihr Motorrad habe unter Wasser gestanden und muss repariert werden. Im Keller habe das Wasser fast einen Meter hoch gestanden. " Zwischen Faszination und Wut war eigentlich alles dabei. Wir hatten das noch nie in dem Ausmaß gesehen, dass Wasser so schnell kommt", erzählt sie.

Der Keller von Anne-Kathrin Justen nach dem Hochwasser in Trier-Ruwer.
Der Keller von Anne-Kathrin Justen nach dem Hochwasser in Ruwer.

Versicherung gegen Hochwasserschäden zu teuer

Das Problem für Justen und andere Menschen in Flutgebieten ist: Nicht alle Schäden sind durch die Gebäudeversicherung gedeckt. Dafür bräuchte sie eine Elementarschadenversicherung, die unter anderem Schäden nach einem Hochwasser abdeckt.

Ich kann das nicht stemmen.

Weil sie im Flutgebiet lebt, würde die aber fast 400 Euro im Monat kosten, sagt Justen. "Es hat mich geärgert, es hat mich erschüttert und es ist so, dass ich das einfach nicht stemmen kann."

Ministerpräsidenten debattieren über Elementarschadenversicherung

Um die Versicherung für alle bezahlbar zu machen, soll sie nach dem Willen der Ministerpräsidenten der Bundesländer verpflichtend werden. Darüber wird am Donnerstag bei einem Treffen in Berlin mit Bundeskanzler Scholz debattiert.

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Der Rechts-Experte Hans-Peter Schwinkowski von der Humbolt Universität in Berlin findet die Idee gut, weil Flutschäden immer häufiger durch den Klimawandel verursacht würden. 

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Zudem würde der Klimawandel durch die von Menschen verursachen Emissionen entstehen. Schwinkowski fordert deshalb: "Das heißt, wir alle tragen damit das Risiko von Elementarschäden. Wenn wir alle zu einem Risiko beitragen, dann ist es typischerweise so, dass wir diese Risiken alle durch eine Pflichtversicherung abdecken."

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Für Familie Justen würde das bedeuten, dass sie wahrscheinlich einen deutlich niedrigeren Beitrag bezahlen müsste, weil insgesamt mehr Hauseigentümer einzahlen würden.

Kritik kommt aber aus der Versicherungswirtschaft. Unter anderem, weil aus Sicht der Versicherer immer noch zu häufig in Flutgebieten gebaut werden würde. Zudem würden die Versicherer wegen des Klimawandels immer häufiger für die Schäden aufkommen müssen.

Triererin wünscht sich bessere Aufklärung in Flutgebieten

Auch Anne-Kathrin Justen ist skeptisch. Sie glaubt, dass sich viele Menschen in weniger betroffenen Gebieten gegen eine Pflichtversicherung wehren werden. Rückblickend hätte sie am liebsten alles ganz anders gemacht und das Haus gar nicht erst gekauft, wenn ihre Maklerin sie besser aufgeklärt hätte.

Deshalb wünscht sie sich für die Zukunft vor dem Hauskauf besser aufgeklärt werden, unter anderem auch darüber, was eine Elementarschadensversicherung im Fall der Fälle kosten würde.

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