Polizei Trier warnt vor Enkeltrick am Telefon: "Betrüger immer perfider" (Symbolbild) (Foto: imago images, Imago)

Interview mit Trierer Kommissar

Enkeltrick am Telefon: "Betrüger werden immer perfider"

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"Jeder kann Opfer eines Enkeltrick-Betrugs am Telefon werden", sagt Hauptkommissar Michael Lui. Im SWR-Interview verrät er die perfiden Tricks der Betrüger. 

Vor dem Trierer Landgericht müssen sich derzeit drei Männer wegen Enkeltrick-Betrugs verantworten. Mehr als 850.000 Euro sollen sie erbeutet haben. "Das kann theoretisch jedem passieren", sagt Hauptkommissar Michael Lui.

Lui berät seit zwölf Jahren Menschen, die Opfer von Anrufen mit dem sogenannten Enkeltrick oder anderer Betrugsmaschen wurden. Außerdem arbeitet er zum Beispiel mit Seniorenheimen zusammen und berät Bewohner und Mitarbeiter, um die Menschen für das Thema Enkeltrick und Callcenter-Betrug zu sensibilisieren.

Hauptkommissar Michael Lui aus Trier. Er berät seit 12 Jahren Menschen, die Opfer von Anrufen mit dem sogenannten Enkeltrick oder andere Betrugsmaschen wurden.  (Foto: Polizei Trier)
Hauptkommissar Michael Liu hilft und berät Menschen, die Opfer von Telefon-Betrügern wurden. Polizei Trier

Telefon-Betrüger treten professionell auf

Viele Opfer würden sich gar nicht bei der Polizei melden, weil sie sich schämten, auf die Betrüger hereingefallen zu sein, weiß der Kommissar. Die Dunkelziffer sei deshalb sehr hoch. Dabei kann sich jeder schützen, wenn er ein paar Dinge beachtet.

SWR Aktuell: Hauptkommissar Lui, wie häufig kommen solche Fälle mit Enkeltrick-Betrug in der Region Trier vor?

Michael Lui: "Das ist bundesweites Phänomen, das nicht nur unser Präsidium betrifft. Aber man kann sagen, dass die Zahlen auf alle Fälle bedenklich sind. Sie sind also nicht weniger geworden. Mir fällt auf, dass auch die Schadenshöhe bei den erfolgten Straftaten immer mehr durch die Decke gehen."

"Der Schaden durch Telefon-Betrüger wird immer größer."

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SWR Aktuell: Von welchen Größenordnungen sprechen Sie?

Lui: "Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Betrüger dreistellige bis hin zu sechsstelligen Beträgen erbeuten. In meiner Beratung hatte ich jetzt einen Fall, da wurden mehr als 100.000 Euro an die Kriminellen übergeben. Das ist wirklich bedenklich, dass Erträge aus solchen Delikten für die Kriminellen offensichtlich immer lukrativer werden.

Wer steckt hinter dem Enkeltrick?

SWR Aktuell: Wer sind die Täter oder woher kommen sie?

Lui: "Bei den Tätern gibt es keine genaue Zuordnung. Das ist keine bestimmte Tätergruppierung. Das sind Banden mit ausländischen Mitgliedern und auch Deutsche, das ist bunt gemischt. Was man aber sagen kann: Die Call-Center, über die die Opfer angerufen werden, sitzen meist nicht in Deutschland. Man muss da auch unterscheiden, wo dieser Betrug stattfindet.

Es gibt da zum einen die sogenannten Interviewer. Das sind die Leute, die anrufen. Dann gibt es die Täter aus der zweiten Reihe, die das Geld abholen. Wo die herkommen, ist nicht klar zu bestimmen. Das ist ein bunt gemischter Haufen.

Aber was ganz wesentlich ist: Insbesondere die Interviewer, die die Leute anrufen, wie auch die Abholer - sie alle sprechen in der Regel ein sehr gutes Deutsch. Das sind auch Leute, die sehr eloquent sind. Sie müssen sich vorstellen, so ein Callcenter-Betrug geht nicht in fünf Minuten.

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"Die Täter bauen während des Anrufs eine Vertrauensbasis auf."

Die Telefonate können sich über Stunden hinweg ziehen. Die Betrüger können auf alle Eventualitäten eingehen. Sie können auf jede Frage eine Antwort geben und das macht die Sache so gefährlich. Ich frage mich selbst oft als Polizeibeamter: Wie hält man eine Person oder ein potentielles Opfer über manchmal bis zu vier Stunden am Telefon?

Die Forderung nach Geld fängt nicht schon im Anfangssatz an. Die Betrüger bauen im Gespräch eine Vertrauensbasis auf und dann so ab Stunde eins, zwei, fängt das erst an. Da kommen dann die ersten Nachfragen nach Geld.

Man darf diese Leute auf keinen Fall unterschätzen. Das sind keine Gelegenheitskriminelle, sondern die sind sehr professionell. Die gehen da mit großer Raffinesse und viel Selbstbewusstsein vor. Das ist wichtig zu wissen."

Jeder kann Opfer eines Enkeltricks werden

SWR Aktuell: Wer sind in der Regel die Opfer solcher Anrufer?

Lui: "Das kann jedem passieren. Die Fälle von Opfern, die ich hier zur Beratung hatte, sind ein Querschnitt der Bevölkerung. Da möchte ich unbedingt darauf hinweisen, weil ich das immer wieder höre: 'Wie kann man denn so blöd sein, darauf reinzufallen?'

Das hat mit dem Bildungsstand überhaupt nichts zu tun. Ich mache die Opfer- und Präventionsberatung seit zwölf Jahren und in dieser Zeit hatte ich Ärzte, die sind auf die Tricks der Betrüger reingefallen, ein Apotheker, sogar ein Professor. Aber richtig ist: Meist sind es schon Senioren, die Opfer eines solchen Callcenter-Betrugs werden.

Telefon-Betrüger werden immer perfider

Die Täter lassen sich auch immer neue Maschen einfallen. Ich hatte jetzt vor kurzem den Fall einer älteren Frau. Sie wurde angerufen und da sagte jemand: 'Hier ist die Rentenanstalt aus Berlin. Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir Ihre Rente zur Hälfte kürzen. Aber Sie können das Ganze noch mal rückgängig machen, wenn Sie uns 500 Euro übergeben oder überweisen.'

Da ist die Frau komplett drauf reingefallen. Die Geldübergabe konnte hier glücklicherweise verhindert werden.

Enkeltrick: Was tun?

SWR Aktuell: Wie kann man sich vor Enkeltrick-Betrug schützen?

Lui: "Meistens erfolgen diese Telefonate über die Festnetznummer und nicht über das Handy. Wenn einmal Ihre Nummer bekannt ist und Sie wurden einmal angerufen, müssen Sie damit rechnen, dass Ihre Nummer bekannt ist.

"Wenn die in der Leitung sind, ist es eigentlich schon zu spät."

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Sie auch mit einem zweiten Anruf oder mit einer ganz anderen Betrugsvariante rechnen müssen. Da ist der Schockanruf, dann ruft der falsche Polizist oder Staatsanwalt an. Ich rate den Leuten dann nachdrücklich, ihren Festnetzanschluss entweder zu kappen oder sich eine Geheimnummer zuzulegen.

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Keinen Namen nennen und auflegen

Sie sollten entweder gar nicht rangehen, wenn Sie die Nummer nicht kennen. Wenn Sie doch rangehen, keinen Namen nennen. Wenn Sie merken, dass Ihnen irgendeine Geschichte erzählt wird: Sofort auflegen! Jedes Wort, jeder Satz, den Sie sprechen, bringt Sie in einen Nachteil. Das wollen die Betrüger, darauf sind sie geschult.

"Je weniger Sie reden, desto besser. Wenn es ums Geld geht, sollten Sie hellhörig werden und wirklich auflegen."

Vertrauenspersonen benachrichtigen

Wenn Ihnen etwas an einem Anruf komisch vorkommt und Geld im Spiel ist, rate ich immer: Nehmen Sie sich sofort eine Person oder befragen Sie eine Person Ihres Vertrauens. Sie müssen nicht immer direkt zum Telefon greifen und die Polizei anrufen. Gehen Sie, klingeln Sie in der Nachbarschaft oder rufen Sie einen Angehörigen an und erzählen Sie davon.

Wenn es zur Geldübergabe gekommen ist, ist es in den meisten Fällen zu spät. Dieses Geld noch einmal zurückzubekommen - das wird nicht gelingen.

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