Mädchen wird gegen Covid 19 geimpft. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Oliver Berg)

STIKO empfiehlt Corona-Impfung für manche Kinder

Trierer Chefarzt: Impfung für schwerkranke Kinder ein Segen

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Die Impfkommission (STIKO) hat die Corona-Impfung von Kindern mit Vorerkrankungen und Kontakt zu Risikopatienten empfohlen. Ein Chefarzt aus Trier teilt diese Einschätzung.

Aber auch gesunde Kinder sollen auf individuellen Wunsch geimpft werden können, hieß es ausdrücklich in einer Mitteilung des Expertengremiums zu einem Beschlussentwurf. Es handelt sich noch nicht um die endgültige STIKO- Empfehlung.

In Rheinland-Pfalz können sich Kinder ab kommender Woche gegen das Coronavirus impfen lassen. Der BioNTech-Impfstoff für die Fünf- bis Elfjährigen werde voraussichtlich Mitte nächster Woche verfügbar sein, teilte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) mit. 250.000 Mädchen und Jungen gehören in Rheinland-Pfalz dieser Altersgruppe an.

Seit 1. Dezember konnten Kinder über das Impfportal des Landes zur Impfung angemeldet werden. Eine generelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für diese Impfung gibt es aber noch nicht, obwohl die europäische Arzneimittelbehörde EMA den BioNTech-Impfstoff für Kinder von fünf bis elf Jahren zugelassen hat.

Dr. Wolfgang Thomas vom Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier glaubt nicht, dass die STIKO eine grundsätzliche und generelle Empfehlung zur Impfung in dieser Altersgruppe geben wird. In dieser gebe es noch nicht ausreichend Daten zur Sicherheit des Impfstoffs.

Dr. Wolfgang Thomas, Chefarzt im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier. (Foto: Robert Herschler, Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier)
Dr. Wolfgang Thomas, Chefarzt im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier. Robert Herschler, Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier

SWR Aktuell: Wolfgang Thomas, sind Sie froh darüber, dass die Impfzentren ab kommender Woche mit den Impfungen für Kinder loslegen?

Wolfgang Thomas: Ich bin froh, dass es eine Zulassung gibt für den Impfstoff für diese Altersgruppe, weil es in dieser Altersgruppe auch Patienten gibt, die ein Risiko haben für einen schwereren Verlauf der Erkrankung. Und diese Kinder können davon profitieren, dass sie zeitnah geimpft werden. Aber ich kann nachvollziehen, dass die STIKO wahrscheinlich nicht eine grundsätzliche und generelle Empfehlung zur Impfung in dieser Altersgruppe geben wird.

Kinder mit Vorerkrankungen sollten Corona-Impfung bekommen

SWR Aktuell: Für welche Risikogruppen zum Beispiel?

Thomas: Kinder mit Trisomie 21, also Kinder mit dem sogenannten Down-Syndrom, die haben wie Jugendliche und Erwachsene mit dem gleichen Syndrom ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf. Es gibt Kinder, die haben schwere chronische Lungenerkrankungen, die zu einer erheblichen Einschränkung der Lungenfunktion führen. Auch die haben ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf. Kinder mit einer massiven Adipositas, wenn die sehr, sehr übergewichtig sind.

"Für Kinder, die ein Risiko haben, schwerer zu erkranken, ist die Impfung sicher ein Segen."

Diese Kinder haben ein Risiko, dass, wenn sie erkranken, sie im Krankenhaus landen. Dann gibt es die Kinder nach Tumorerkrankungen, die noch Immunsuppressiva nehmen müssen, also Medikamente, die Einfluss haben auf die Immunantwort. Oder Kinder, die Erkrankungen haben mit einer eingeschränkten Immunantwort. Das sind alles Kinder, die ein Risiko haben, schwerer zu erkranken und für die ist die Corona-Impfung sicher ein Segen.

Kinder sollten auch geimpft werden, wenn sie in einem Haushalt leben mit einer Person, die ein Risiko für einen schweren Verlauf hat und die sich nicht selbst durch eine Impfung gut schützen kann oder wo man davon ausgehen muss, dass sie nicht so gut geschützt ist wie andere.

Das sind dann zum Beispiel auch Eltern, Großeltern, die eine Tumorerkrankung hatten oder haben und deshalb in ihrer Immunantwort geschwächt sind, wo man nicht davon ausgehen kann, dass sie den gleichen Schutz haben wie ein Immungesunder. Für Kinder, die mit einem solchen Familienmitglied in einer Familie leben, ist es sicher auch vernünftig, diese Kinder zu impfen.

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SWR Aktuell: Welche Verläufe sehen Sie bei Kindern von fünf bis elf Jahren mit Covid-19 in Ihrer Abteilung?

Thomas: Wir haben aktuell kein Kind mit Covid-19-Infektion auf der Station und seit Wochen kein Kind stationär aufnehmen müssen. Die meisten Covid-19-Infektionen in diesem Alter verlaufen nach all dem, was man weiß, so harmlos, dass die ambulant gut zu behandeln sind.

"Die Fünf- bis Elfjährigen spielen bei den Kindern, die stationär mit Covid-19 aufgenommen werden, überhaupt keine Rolle."

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SWR Aktuell: Haben Sie Long-Covid bei Kindern bisher beobachtet?

Thomas: Ich kann jetzt nicht sagen, dass wir hier in der Klinik Kinder haben, wo wir eindeutig diese Diagnose gestellt haben. Da gibt es mehrere Gründe für, weil unter anderem schwer zu definieren ist, was macht ein Long-Covid-Syndrom aus?

Da gibt es relativ wenig Daten und die Daten, die es gibt, unter anderem aus einer Dresdner Studie, die Anfang 2021 gelaufen ist, die zeigt nicht eindeutig, dass Kinder und Jugendliche nach einer durchgemachten Covid-19-Infektion ein höheres Risiko haben für ein solches Long-Covid-Syndrom als Kinder und Jugendliche, die kein Covid durchgemacht haben, die aber ähnliche Symptome haben wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Depressivität, Antriebslosigkeit, muskuläre Schwäche.

Da wird viel spekuliert. Unter anderem, dass die ganzen Lockdown-Maßnahmen bei den Kindern und Jugendlichen dazu geführt hätten, dass sie solche Symptome entwickeln, unabhängig davon, ob sie eine Covid-Infektion hatten oder nicht.

Das war zumindest die Schlussfolgerung dieser zitierten Studie und das klingt für mich plausibel, weil das Loslösen von der sozialen Teilhabe mindestens genauso problematisch ist für die Kinder, die im Kindergarten oder der Schule sind wie das Virus selber.

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Erwachsene sollten sich gegen Corona impfen lassen

SWR Aktuell: Was würden Sie daraus ableiten?

Thomas: Ich glaube, dass man Ruhe bewahren sollte. Dass man die Kinder von fünf bis elf Jahren nicht dafür in Haft nehmen müsste, indem man eine grundsätzliche Impfempfehlung ausspricht. Es gibt dagegen viele Erwachsene, die sich wider besseren Wissens noch nicht impfen lassen.

Das muss meiner Meinung nach der Ansatz sein, dass wir mehr Erwachsene davon überzeugen, sich impfen zu lassen, um die Herdenimmunität zu verbessern. Das Risiko für schwere Verläufe in der Altersgruppe fünf bis elf ist überschaubar. Das rechtfertigt meiner Ansicht nach zum jetzigen Zeitpunkt nicht, eine generelle Impfempfehlung zu geben.

SWR Aktuell: Welchen Rat würden Sie Eltern geben?

Thomas: Ich würde die Empfehlung geben, auf das zu hören, was die STIKO sagt. In der STIKO sitzen keine dummen Leute, sondern Experten in ihrem Bereich. Die verstehen, wie man wissenschaftliche Studien liest. Wenn die STIKO sagt: 'Nein, wir geben keine generelle Empfehlung' dann hat das Hand und Fuß.

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