Sarah Wirtz läuft mit ihrem Jagdhund Horton durch den Wald.  (Foto: SWR)

Tag des Heiligen Hubertus

Trierer Jägerin im Vorurteils-Check: Was stimmt wirklich?

STAND
AUTOR/IN
Lena Bathge

Sie sind schießwütig und essen sehr viel Fleisch. Die Jagd ist Tierquälerei und alle Jägerinnen und Jäger haben Geweihe in ihren Wohnung hängen. Aber stimmt das auch? Eine Trierer Jägerin räumt mit Vorurteilen auf.

Mit dem Gewehr über der Schulter und dem Fernglas in der Tasche macht Sarah Wirtz sich auf den Weg in den Wald. Immer mit dabei: Ihr Jagdhund Horton. Der Tag des Heiligen Hubertus, Schutzpatron der Jägerinnen und Jäger, ist ein kalter, grauer Novembertag. Am Hochsitz ist Vorsicht geboten: Es regnet und die Stufen sind rutschig.

Jagdkönigin und Ex-Vegetarierin

Seit 2013 hat Sarah Wirtz ihren Jagdschein, war sogar schon rheinland-pfälzische Jagdkönigin. Und das als ehemalige Vegetarierin. Kein Widerspruch für die 33-Jährige aus Trier: "Ich habe irgendwann gemerkt, dass mir die ganzen Ersatzprodukte nicht mehr ausreichen und wollte dann wieder Fleisch essen. Ich kam aber mit der konventionellen Produktion von Fleisch überhaupt nicht zurecht. Das ist für mich ethisch nicht vertretbar."

Essen Jäger viel Fleisch? Nein, sagt Sarah Wirtz

Über ihr Studium der Biogeographie ist sie zur Jagd gekommen. Sie führte damals eine Untersuchung zur Rotwildgenetik durch, verbringt sehr viel Zeit im Wald. "Und dann habe ich entdeckt, dass ich über die Jagd ein hochwertiges Lebensmittel bekommen kann und mit gutem Gewissen wieder Fleisch essen kann", erzählt Wirtz. Ein bis zwei mal wöchentlich kommt nun Fleisch auf ihren Teller.

Sarah Wirtz kletter die Leiter zu einem Hochsitz hinauf (Foto: SWR, Lena Bathge)
Über eine rutschige Leiter geht es hinauf zum Hochsitz. Ein Balanceakt, denn das Jagdgewehr trägt Sarah Wirtz über der Schulter. Lena Bathge

Auf die durchschnittlichen 57,3 Kilogramm pro Kopf, die die Deutschen laut des Marktforschungsinstituts Statista pro Jahr verzehren, schafft sie es damit nicht. Noch dazu isst sie nur Fleisch, das sie vorher selbst erlegt und verarbeitet hat: "Ich glaube, es würde jedem, der Fleisch isst, gut tun, mal dabei zu sein - vom Erlegen bis zum fertigen Fleisch. Wenn man das mal mitgemacht hat, isst man Fleisch viel, viel bewusster."

"Wir dürfen nicht einfach drauf los schießen."

Natürlich gibt es Regeln für Jägerinnen und Jäger. An die muss Sarah Wirtz sich halten. "Bevor wir Jäger werden, haben wir das grüne Abitur abgelegt", erklärt die 33-Jährige. Damit bezeichnen Jägerinnen und Jäger eine aufwendige Prüfung, die in Theorie und Praxis stattfindet. "Wir beschäftigen uns mit Themen wie Naturschutz, Wildbiologie, wir kennen das Verhalten der Arten", so Wirtz. Auch das Training auf dem Schießstand gehört dazu, damit der Schuss im Ernstfall sitzt und das Tier nicht unnötig leidet.

"Wir sind keine Tierquäler. Wir wissen, was wir tun und wir können das draußen im Wald."

Die Empathie mit dem Tier ist ihr wichtig, auch das Bewusstsein dafür, gerade ein Leben genommen zu haben. "Den meisten meiner Kollegen geht es genauso", berichtet Wirtz.

Naturschutz und Umweltbildung sind ihre Aufgaben

Inzwischen hat Sarah Wirtz ihre Leidenschaft mit ihrem Beruf vereint. Sie arbeitet für den Landesjagdverband Rheinland-Pfalz. Dort kümmert sie sich um den Erhalt von Lebensräumen für Rebhühner, Hasen und Fasane. Dafür legt sie das Gewehr beiseite, denn bei dieser Aufgabe geht es vor allem um die Aufklärung von Landwirten. "Wir setzen Maßnahmen um, wie man sinnvoll wirtschaften, aber gleichzeitig dem Wild Lebensräume schaffen kann", erklärt Wirtz. Zusammen mit anderen Jägerinnen und Jägern legt sie Blühwiesen an und schafft Rückzugsräume. Aber ihre Jobbeschreibung umfasst noch viel mehr.

Sarah Wirtz hält mit einem Fernglas vom Hochsitz aus Ausschau nach Wild. (Foto: SWR, Lena Bathge)
Sarah Wirtz nimmt ein Reh ins Visier. Bis zu vier Stunden harrt sie im Hochsitz aus. Jagen heißt oft auch: Warten. Lena Bathge

Enge Zusammenarbeit mit den Behörden

"Ein ganz großes Thema ist die Seuchenprävention. Jetzt ist die afrikanische Schweinepest auf dem Vormarsch und da geht es ohne uns Jägerinnen und Jäger gar nicht", so Wirtz. Sie steht den Behörden zur Seite und wird dort eingesetzt, wo es nötig ist, denn: " Wir kennen unseren Wald und wir kennen unseren Wildbestand."

Und was ist jetzt mit den Geweihen in der Wohnung?

"Ich bin jetzt Anfang 30, ich gehe mit viel Leidenschaft zur Jagd. Ich hab auch meine Geweihe, meine Trophäen, wie wir Jäger das nennen", erzählt Wirtz mit einem Schmunzeln. "Das machen wir, weil wir uns dann an ein schönes Jagderlebnis erinnern. Ich habe zum Beispiel das Geweih von dem ersten Rehbock, den ich erlegt habe. Es ist auch eine Ehre, die man dem Wild gegenüber erweist."

STAND
AUTOR/IN
Lena Bathge