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Die ersten Sommerurlauber starten schon bald - der Leiter des Gesundheitsamtes in Trier beobachtet das mit Sorge. Denn sie könnten aus anderen Ländern Virusvarianten einschleppen.

Lesen Sie hier das komplette Interview mit dem Chef des Gesundheitsamtes in Trier, Harald Michels.

SWR Aktuell: Herr Michels, viele Leute wollen endlich wieder in Urlaub fahren - so auch aus der Region Trier. Treibt Ihnen der Gedanke an viele Reiserückkehrer schon jetzt Sorgenfalten auf die Stirn?

Harald Michels: Ja, wir rechnen schon mit Einschleppungen, insbesondere wenn es um ganz junge Leute geht, die da Partys feiern in ihrem Reiseziel. Wenn jetzt der typische Mallorca-Urlaub dazukommt, in Palma, wo dann wieder die Touristen hinfahren. Da sehe ich schon ein hohes Risiko. Da können wir nur an die Vernunft der Leute appellieren, dass sie, auch wenn sie vielleicht jetzt nicht aus einem Virus-Variantengebiet kommen, doch den einen oder anderen Selbsttest durchführen, wenn sie zurückkommen.

Besonders in den ersten zwei Wochen. Damit wir frühzeitig sehen, ob wir da einen Einbruch haben. Das wäre zumindest anzuraten. Es gibt ja immer noch die Möglichkeit der "Bürger-Testung", dass sie auch einen Test beim Testzentrum machen. Vor allem auch jeder, der Symptome entwickelt. Husten, Geschmacksstörung, lang anhaltende Erkältungssymptome halt. Der sollte sich auch unbedingt testen lassen. Das gilt auch für den Herbst.

SWR Aktuell: Auch in unserem Nachbarland Luxemburg steigen die Infektionen mit der Delta-Variante. Fürchten Sie, dass durch Pendler auch bei uns die Variante stark zunehmen wird?

Michels: Die Delta-Variante nimmt ohnehin in Deutschland schon zu. In der Region Trier ist sie noch wenig nachgewiesen - es sind Einzelfälle. In Luxemburg hat sie sich schon "breit gemacht". Aber es ist natürlich immer so mit einer Variante: Die eigentliche Prozentzahl sagt nicht so sehr viel über das Risiko aus. Aber in Luxemburg ist auch die Sieben-Tage-Inzidenz wieder über 50 gestiegen. Zuletzt war sie - Anfang der Woche - bei 68,9 pro hunderttausend Einwohner. Das macht uns schon etwas Sorge. Allerdings unternehmen die Luxemburger Kollegen viel, um das einzudämmen.

SWR Aktuell: Wie steht es mit der EM - da sind ja auch viele Leute in verschiedenen Ländern unterwegs und Zehntausende feiern in Fußball-Stadien?

Michels: Man hat ja in den Stadien, soviel ich weiß, schon bestimmte Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Man musste bis zum Platz zumindest Mund-Nasen-Schutz tragen. Es ist nicht überall gelungen, das bei diesem Ansturm dann auch durchzusetzen. Man hat feste Plätze gehabt. Man hat entweder nur Geimpfte zugelassen oder frisch Getestete. Das war schon eine Risiko-Minimierung.

Wenn es dann trotzdem in einem Stadion zu einem Ausbruch gekommen ist, wie ich gehört habe, dann liegt es sicher daran, dass man dort vielleicht die Sicherheitsvorschriften nicht so ernst genommen hat, wie man sie geplant hatte. Außerdem: Es sind ja nicht nur die Stadien selbst, die eine Rolle spielen, sondern auch das Umfeld der Stadien. Man kann in den Stadien selbst hohe Sicherheitsvorkehrungen haben, die auch beachtet werden. Wenn man dann hinterher aber in einer Gaststätte oder Kneipe feiern geht und beachtet keine Abstände, dann kann das auch das Risiko gewesen sein, was im Umfeld der Stadien liegt.

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SWR Aktuell: Wie ist Ihre Prognose für Lockerungen in der Corona-Pandemie nach den Ferien?

Michels: Das wird ein bisschen davon abhängen, welche Virus-Varianten sich breitmachen. In England ist jetzt gerade die Lambda-Variante mit knapp unter zehn Fällen aufgetaucht. Und da gibt es einzelne Hinweise darauf, dass vielleicht der Impfstoff doch nicht so gut wirkt. Es ist aber schwierig zu sagen: In Peru, wo sich diese Variante breitgemacht hat, waren nur zehn Prozent der Menschen geimpft. Daher lässt sich das jetzt sehr schwer abschätzen. Da sind weitere Untersuchungen erforderlich.

Wenn wir weiter Virus-Varianten haben, die nach zwei Impfungen reagieren, also, dass unser Körper auch gegen diese Varianten Antikörper bildet, dann glaube ich, kann man sehr freizügig entscheiden. Aber wir müssen da noch Untersuchungen abwarten. Da es hängt von dem Ausbreiten bestimmter Virus-Varianten oder neuer Mutationen ab, ob wir deutlich mehr Freizügigkeit noch gewähren können oder nicht.

Das Interview führte SWR-Reporterin Dunja von Morzé.

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