Der Trierer Bischof Stephan Ackermann (Foto: SWR)

Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche

Bischof in Trier lehnt Rücktritt nach "Spiegel"-Bericht ab

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Der Trierer Bischof Ackermann lehnt nach einem "Spiegel"-Bericht über Missbrauchsfälle im Bistum Trier einen Rücktritt ab. Das Magazin hatte über jahrelange Vertuschung berichtet.

Ackermann sagte der Deutschen Presse-Agentur, er könne Wut, Frust und Enttäuschung verstehen. Er sehe aber keinen Grund, zurückzutreten. "Wir sind wirklich seit Jahren daran, konsequent Aufarbeitung zu betreiben", sagte Ackermann.

Es sei nicht wegzudiskutieren, dass man in der Vergangenheit vor allem auf die Reputation der Kirche gesetzt und Täter einfach an andere Orte versetzt habe. "Da sind Fehler gemacht worden", so der Bischof. Heute reagiere man "natürlich schneller und professioneller." Der "Spiegel" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe darüber, dass das Bistum Vorwürfen in vielen Fällen entweder gar nicht oder nur unzureichend nachgehe.

Vertuschung von Missbrauch

Auch der SWR hatte schon über die Fälle berichtet. Die Vereinigung der Missbrauchsopfer im Bistum Trier hatte unter anderem den Rücktritt Ackermanns sowie dessen Vorgängers, des jetzigen Münchner Kardinals Reinhard Marx, gefordert. Außerdem kritisiert "Missbit“ das Tempo der Aufarbeitung im Bistum Trier. Sie wirft Bischof Ackermann vor, es mit einer zügigen Aufarbeitung nicht ernst zu meinen, so ein Sprecher.

Ende Juni war eine Unabhängige Aufarbeitungskommission vom Bischof eingesetzt worden. Die hatte sich Montag erstmals mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gewandt und angekündigt, noch in dieser Woche eine Studie in Auftrag zu geben, die alle Missbrauchsfälle im Bistum erfassen solle. Mit ersten Ergebnissen sei spätestens Ende kommenden Jahres zu rechnen, so die Kommission. Nach Auffassung von Missbit ist so eine Studie grundsätzlich zu begrüßen, kommt aber im Vergleich mit anderen Bistümern wie München und Köln viel zu spät.  

Trier

Missbrauchs-Skandal im Bistum Trier MissBit: Bischof nimmt es mit zügiger Aufarbeitung nicht ernst

Die Unabhängige Aufarbeitungskommission will zunächst eine Studie in Auftrag geben, die alle Missbrauchsfälle erfasst. Eine Opferinitiative befürchtet langwieriges Verfahren.  mehr...

Am Mittag SWR4 Rheinland-Pfalz

Ackermann: "Kampf auf größere Basis stellen"

Nach Ansicht des Trierer Bischofs Stephan Ackermann muss der Kampf gegen Missbrauch und Gewalt in der katholischen Kirche Deutschland auf eine größere Basis gestellt werden. Ackermann ist seit rund zehn Jahren Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs. Diese Arbeit müsse aber "auf breitere Füße gestellt" werden. Das Feld weite sich immer weiter aus. Es gehe nicht nur um sexuellen Missbrauch, sagte der Bischof. Es gehe um Frauen in Abhängigkeit und um unterschiedliche Gewaltformen: Diese könnten sexuell, physisch und psychologisch sein und auch subtile Formen haben. Die "stärkere Verankerung" des Themas Missbrauch solle dazu führen, dass es nicht nur einen Missbrauchsbeauftragten gebe.

Arbeit gegen Missbrauch breiter aufstellen

Die Bischofskonferenz habe ihn im September gebeten, ein Konzept für dieses breitere Herangehen an das Thema zu entwickeln. Er denke an ein Gremium aus etwa sechs Fachleuten. In anderen Bischofskonferenzen gebe es "Boards" oder Kommissionen, die sich dieses Themas annehmen. "Da sollten Bischöfe drin sein, aber eher mehrheitlich keine Bischöfe sitzen." Er wolle auch nicht den Vorsitz in diesem Gremium haben. Er wolle aber weiter mitarbeiten.

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