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Der Trierer Bischof Stephan Ackermann kritisiert die Aufklärung von Missbrauchstaten im Erzbistum Köln. Der Umgang des Kölner Kardinals Woelki mit den Vorwürfen erzeuge "eine große Enttäuschung und Irritation bei Betroffenen und der Öffentlichkeit".

Der Trierer Bischof äußerte seine Kritik vor der Vorstellung des Gutachtens am Donnerstag. Ackermann sagte der "Bild-Zeitung", der Umgang mit den Missbrauchs-Vorwürfen sei auch misslich für die anderen Bistümer in Deutschland. Bischöfe hätten in der Vergangenheit Täter der Strafverfolgung entzogen. "Davon müssen wir ausgehen", so Ackermann. Dabei sei kirchenintern seit vielen Jahren klar, dass es keine Sonderjustiz mehr gebe.

Neues Gutachten belastet kirchliche Würdenträger

Das Erzbistum Köln hat am Donnerstag ein unabhängiges Gutachten zum Umgang mit sexuellem Missbrauch durch Kirchenmitarbeiter veröffentlicht. Darin werden unter anderem dem Hamburger Erzbischof Stefan Heße (54) elf Pflichtverletzungen beim Umgang mit Missbrauchsfällen vorgeworfen. Heße war zuvor ab 2006 Personalchef und von 2012 bis 2015 Generalvikar im Erzbistum Köln. Schon im Vorfeld der Studienpräsentation bekannt gewordene Anschuldigungen hatte er stets zurückgewiesen.

Zudem entband Kardinal Woelki zwei Kölner Geistliche vorläufig von ihren Ämtern, weil sie durch das neue Gutachten belastet wurden. Es handelt sich um Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und Offizial Günter Assenmacher. Auch den bereits verstorbenen Erzbischöfen Joseph Höffner (1906-1987) und Joachim Meisner (1933-2017) attestiert die Anwaltskanzlei Gercke & Wollschläger in ihrer am Donnerstag in Köln präsentierten Untersuchung jeweils zahlreiche Pflichtverletzungen im Umgang mit Missbrauchsfällen - gemessen am staatlichen und kirchlichen Recht sowie am kirchlichen Selbstverständnis. Woelki selbst habe sich keiner Pflichtverletzung schuldig gemacht, so das Gutachten.

Am Freitag wurde bekannt, dass auch Weihbischof Ansgar Puff (65) sein Amt ruhen lässt. Er habe Erzbischof Rainer Maria Woelki um diesen Schritt gebeten, erklärte das Erzbistum. Die Beurlaubung sei vorläufig, bis die Vorwürfe gegen Puff geklärt seien.

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Erstes Gutachten nicht veröffentlicht

Kardinal Woelki hatte ein erstes Gutachten wegen angeblicher rechtlicher Bedenken unter Verschluss gehalten. Dem Kardinal wurde daraufhin Vertuschung vorgeworfen. Zum Gebiet des Erzbistums Köln gehört auch ein Teil des Landkreises Altenkirchen im Westerwald im Norden von Rheinland-Pfalz.

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