Hauptangeklagter im Cyberbunker-Prozess sagt vor Landgericht Trier aus (Foto: SWR)

Ein Jahr nach Prozessbeginn am Landgericht Trier

Hauptangeklagter sagt erstmals im Cyberbunker-Verfahren aus

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Im Fall des Traben-Trarbacher Cyberbunkers vor dem Landgericht Trier hat am Montag, ein Jahr nach Prozessbeginn, erstmals der 61-jährige mutmaßliche Chef Herman X. ausgesagt.

Der Niederländer bestand am Montagmorgen darauf, seine Aussage in seiner Mutterssprache zu tätigen und fing mit vielen Details aus seiner Kindheit an. Glücklich sei die gewesen, so Herman X., obwohl er ein etwas verschrobenes Kind gewesen sei und keine echten Freunde gehabt habe.

Schon als kleiner Junge habe er sich für Technik begeistert, für Elektronik, auch für Mathematik. Das sei ihm immer leicht gefallen. Schon früh habe er besondere Ideen verfolgt und immer versucht, irgendwelche Maschinen zu entwickeln.

Beim Computer-Handel mit dem Gesetz in Konflikt geraten

Später habe er eine Ausbildung im Computer-Bereich absolviert und einen Abschluss als Ingenieur gemacht. Als junger Mann habe er dann Erfolg mit Computer-Handel gehabt, mehrere Unternehmen gegründet und viel Geld verdient, obwohl ihn Finanzielles wenig interessiert habe.

Durch den Computer-Handel sei er dann mit dem Gesetz in Konflikt geraten - wegen mutmaßlicher Hehlerei. Das sei aber nie seine Absicht gewesen.

Ecstasy-Labor im ersten Cyberbunker in den Niederlanden

In einem Bunker in den Niederlanden habe er später ein Rechenzentrum aufbauen wollen. Dann sei ihm bei dem Projekt das Geld ausgegangen. Wegen eines Ecstasy-Labors in dem Bunker habe es dann wieder Probleme mit den Gesetzeshütern gegeben, sagte Herman X.dem Gericht.

Andere hätte die Idee gehabt, in seinem niederländischen Bunker einen ersten Cyberbunker für das Hosten von Internetseiten einzurichten. Persönlich habe er sich dabei kaum mit Management, sondern mit technischen Projekten wie der Verschlüsselung von Kommunikation befasst.

Herman X. will zu Person und Sache aussagen

Herman X. beschrieb sich am Montag in seiner Aussage als eine Art Nerd, der immer irgendwelche technischen Ideen verfolgte, aber nie schlechte Absichten hegte und der, obwohl es ihm nie um Geld ging, immer wieder mal in dubiose Machenschaften hinein geriet.

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Die Verteidiger von Herman X. sagten dem SWR am Montag auf Nachfrage, ihr Mandant werde sich zwar am Montag nur zur Person äußern. X. werde aber auch noch zur Sache aussagen.

Verteidigung plant mehrere Beweisanträge

Um dies vorzubereiten, wolle man noch einige Beweisanträge stellen. Zur Vorbereitung könnte aber auch die heutige Aussage gehören, weil X. darin immer wieder betonte, dass ihm kriminelle Ambitionen fremd seien.

Im Prozess wird insgesamt acht Angeklagten die Gründung einer kriminellen Vereinigung und Beihilfe vorgeworfen. Sie sollen in Traben-Trarbach ein Rechenzentrum betrieben haben, um es Kriminellen zu ermöglichen über Computer-Server vor allem Drogen zu verkaufen.

Im Verlauf der Sitzungen vor Gericht und am Rande des Prozesses drang jedoch immer wieder durch, dass es schwer bis unmöglich werden könnte, den Angeklagten die Beihilfe zu den Taten nachzuweisen. Anders dagegen die Bildung einer kriminellen Vereinigung. Dort dürfte nun die Strategie der Verteidigung ansetzen.

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