Ehrang steht teilweise unter Wasser (Foto: SWR, Andrea Meisberger)

Interview mit Ortsvorsteher

Zwei Monate nach der Flut: So geht es den Ehrangern heute

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Zwei Monate nach der Hochwasser-Katastrophe in Trier-Ehrang kann dort von Normalität keine Rede sein. Es gibt noch viel zu tun, bevor der Winter kommt. Ortsvorsteher Bertrand Adams (CDU) spricht im SWR-Interview über die aktuelle Lage in dem Stadtteil.

SWR Aktuell: Herr Adams, was passiert aktuell in Trier-Ehrang?

Bertrand Adams: Die Menschen sind immer noch dabei, ihre Häuser zu entkernen, Putz abzuschlagen und Estrich rauszutragen. Das ist immer noch in vollem Gange. Mit dem Wiederaufbau ist noch nicht wirklich begonnen worden.

Heizgeräte für Menschen in Trier-Ehrang werden verteilt

SWR Aktuell: Was brauchen Sie am dringendsten?

Adams: Man lernt vorausschauend zu sein in diesen Zeiten. Als Erstes haben wir den Leuten Waschmaschinen besorgt, dann Baulüfter und jetzt soll ich nächste Woche vom Diakonischen Werk 200 Heizgeräte bekommen für die Leute, die keine Heizung mehr haben. Denn sobald es kalt wird, werden die Leute danach fragen.

Stadtwerke Trier mit acht Bautrupps in Trier-Ehrang vor Ort

SWR Aktuell: Wie lange wird es denn dauern, bis die Menschen in Ehrang wieder an das Gasnetz angeschlossen werden können?

Adams: Die Stadtwerke sind mit acht Bautrupps unterwegs, um Gasanschlüsse zu machen. Und da, wo Heizung möglich ist, wird auch Gas gelegt, und zwar noch vor dem Winter. Und wenn kein Erdgas möglich ist, werden Tanks vor die Häuser gestellt, damit die Leute aus Tanks mit Gas bedient werden können. Wir hoffen, dass bis Ende Oktober auf diese Weise die Häuser erstmal so weit angeschlossen sind, dass keiner kalt sitzen muss.

"Ich dusche seit acht Wochen kalt."

SWR Aktuell: Wo sind die Menschen untergekommen, die jetzt nicht in ihren Häusern leben können?

Adams: Viele sind in umliegenden Ortschaften, in Ferienwohnungen und leer stehenden Wohnungen untergekommen. Am Anfang wurden die Leute in der Jägerkaserne in Trier untergebracht. Aber jetzt sind sie alle wieder in festen Wohnungen.

SWR Aktuell: Machen Sie sich Sorgen um Herbst und Winter?

Adams: Es beunruhigt mich, ja.

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Psychologische Betreuung für Hochwasser-Opfer

SWR Aktuell: Wie sieht momentan Ihr Tag aus?

Adams: Wir haben hier ja einen eigenen Fleischereibetrieb in Ehrang, der auch betroffen war. Da bin ich als Seniorchef immer noch tätig von morgens sieben Uhr bis mittags um halb drei. Dann lege ich mich eine halbe Stunde hin und esse etwas und ab 16 Uhr habe ich Sprechstunde bis 18 Uhr.

Zur Sprechstunde kommen jede Menge Leute: Für Anträge, Bescheinigungen oder einfach nur, um ihre Sorgen loszuwerden. Man muss sagen, das ganze Ausmaß der Katastrophe wird vielen Menschen jetzt erst bewusst. Wir bieten jetzt auch schon psychologische Betreuung an. Ohne die geht es nicht mehr.

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