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Erst kam die Coronawelle, dann die Flutwelle, jetzt steht eine Stornowelle an: Die Tourismusbranche an der Mosel und in der Eifel wirbt um Urlauber, die ihre Reisen nun absagen.

Auf dem Campingplatz in Konz ist nicht mehr zu sehen, dass das Wasser der Mosel hier vor Kurzem bis an die Campingwagen stand. Die Wiese ist getrocknet, alles ist aufgeräumt, der Platz ist geöffnet. Was fehlt, sind die Gäste.

"Die Menschen meinen, ganz Rheinland-Pfalz ist Katastrophengebiet und steht unter Wasser", sagt Betreiber Thorsten Momper. Eine Stornierung nach der anderen erhalte er derzeit.

Und das, obwohl schon Corona die Saison so weit nach hinten verschoben hat und man jetzt in der Ferienzeit eigentlich endlich wieder mit Gästen gerechnet hatte.

Zwar sei die Flut auch hier schlimmer geworden, als sie nach ihrer jahrelangen Erfahrung mit Hochwasser erwartet hatte, sagt Mompers Frau Mirijam Szydlowski. Mittwochnacht hatten sie überstürzt angefangen, den Platz zu räumen.

Dennoch habe das Wasser in Konz bei Weitem nicht so verheerend gewütet wie auf den Campingplätzen an Prüm, Kyll oder Sauer. Nur Wagen von Dauercampern hätten etwa zehn Zentimeter hoch im Wasser gestanden. Ihre Besitzerinnen und Besitzer seien wegen Straßensperrungen nicht rechtzeitig zur Mosel gelangt.

Stornierungen wegen Warnungen

Normalerweise kämen Gäste aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Italien und Schweden. Aber wer sich nicht auskenne, storniere jetzt, um nicht in ein Überschwemmungsgebiet zu reisen, sagt Campingplatzbetreiber Torsten Momper aus Konz. Auch ein Vermieter von Wohnmobilen habe davor gewarnt, an die Mosel zu fahren.

Keine Spur von Zerstörung: Der Campingplatz in Konz an der Mosel ist nach dem Hochwasser wieder vollkommen aufgeräumt. (Foto: SWR, Lara Bousch)
Keine Spur von Zerstörung: Der Campingplatz in Konz an der Mosel ist nach dem Hochwasser wieder vollkommen aufgeräumt. Lara Bousch

Verband ärgert sich über Missverständnis

Manche Campingplätze an der Mosel seien noch etwas feucht, sagt die Mosellandtouristik GmbH. Gäste sollten einfach vorher anrufen und sich erkundigen. Dann stünde einem Urlaub dort meist nichts im Weg.

Das sagt auch Günter Becker, erster Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Campingplatzverbandes. Nur fünf bis zehn Prozent der Campingplätze in Rheinland-Pfalz seien seiner Kenntnis nach stark vom Hochwasser betroffen.

"Wir haben jetzt schon das zweite Jahr Probleme durch Corona und dann auch noch das", sagt Becker.

Kaum Zerstörungen an touristischen Punkten der Eifel

Auch Klaus Schäfer von der Eifel Tourismus GmbH fürchtet jetzt eine Stornierungswelle, obwohl Campingplätze beispielsweise an den Maaren in der Vulkaneifel unversehrt seien.

Insgesamt sind laut Schäfer zumindest im rheinland-pfälzischen Teil der Eifel nur drei bis vier Hotelbetriebe vom Hochwasser betroffen, beispielsweise durch vollgelaufene Keller. Dort gingen die Aufräumarbeiten gut voran.

Blick vom Eifelsteig auf das Schalkenmehrener Maar (Foto: SWR)
Wandern und Campen ist in der Eifel laut Eifel Tourismus GmbH fast uneingeschränkt möglich.

Man habe sich mit Gästen, die schon gebucht hatten, in Verbindung gesetzt und Alternativen vermittelt. Einige Urlauber meldeten sich selbstständig, um zu erfragen, ob ein Aufenthalt möglich ist, sagt Schäfer.

"Die Gäste machen sich Sorgen und wollen auch nicht zu Katastrophentouristen werden. Das verstehen wir. Im rheinland-pfälzischen Teil der Eifel ist Urlaub aber nahezu uneingeschränkt möglich."

Die meisten Wander- und Radwege seien nutzbar, nur vereinzelt gebe es Einschränkungen, weil etwa Brücken zerstört wurden. Aber auch dort sollen bis Anfang nächster Woche Umgehungen eingerichtet werden.

Eifel ist erreichbar

Die Eifel sei von Süden her gut zu erreichen. Gästen aus dem Norden rät die Eifel Tourismus GmbH, die A1 und A61 zu meiden und auf andere Autobahnen auszuweichen.

Nur der Öffentliche Nahverkehr bereite noch Sorgen, hier hofft man auf einen Schienenersatzverkehr.

Die Branche hofft, dass Urlauberinnen und Urlauber weiterhin in die unversehrten Teile von Rheinland-Pfalz reisen. Damit sie nach den Einbrüchen durch Corona nicht in die nächste Krise rutscht.

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