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In Trier stand am Donnerstag um 13.46 Uhr das Leben eine Minute lang still. Hunderte gedachten bei einer Schweigeminute der Opfer der Amokfahrt, bei der am Dienstag viele Menschen verletzt und fünf getötet wurden.

Viele Menschen versammelten sich an der zentralen Gedenkstelle vor der Porta Nigra und in der Fußgängerzone, um sich dem Gedenken an die Opfer anzuschließen.

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Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) hatte alle Trierer dazu aufgerufen, um 13.46 Uhr in Gedenken an die Toten und die Verletzten innezuhalten. 13.46 Uhr war genau der Zeitpunkt, an dem die Amokfahrt am Dienstag in der Trierer Innenstadt begonnen hatte. Im Anschluss läuteten die Kirchenglocken in Trier und vielerorts im gesamten Bistum.

Leibe (SPD) bedankte sich danach im Namen der Menschen in der Mosel-Stadt für die große Anteilnahme nach der Amokfahrt. "Es hilft uns allen sehr, zu sehen, wie groß die Hilfsbereitschaft innerhalb und außerhalb der Stadt Trier ist. Im Angesicht einer so mörderischen Tat stehen die Menschen zusammen", teilte Leibe am Donnerstag mit. Mehr als 200 Schreiben aus aller Welt hätten das Rathaus seit der Tat am Dienstag erreicht, hieß es. Zudem seien auf dem Spendenkonto für die Opfer bereits mehr als 100.000 Euro eingegangen.

Schweigeminute im ganzen Land

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatte zuvor die Menschen im ganzen Land aufgefordert, sich dem Gedenken an die Opfer der Amokfahrt in Trier anzuschließen. Sie bat Behörden, Verwaltungen, Schulen, Institutionen und Betriebe, an der Schweigeminute teilzunehmen.

Kerzen brennen an den Trauerorten in der Stadt

"Man spürt eine hohe Betroffenheit in der Stadt", sagte ein Sprecher der Polizei in Trier am Donnerstag. Am zentralen Trauerort an der Porta Nigra hatten Bürger am Mittwoch bis in die späten Abendstunden Kerzen aufgestellt und angezündet. Auch an anderen Orten, wo bei der Amokfahrt am Dienstag Menschen getötet worden waren, hätten Passanten innegehalten, sagte der Polizeisprecher. "Es waren insgesamt mehrere Tausend, die gekommen sind."

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Gedenkveranstaltung vor der Porta Nigra

Mit einer bewegenden Trauerfeier hatte Trier bereits am Mittwochvormittag der fünf Toten der Amokfahrt von Dienstag gedacht. "Trier trauert, Trier leidet, Trier resigniert aber nicht", sagte Oberbürgermeister Leibe bei der Veranstaltung vor der Porta Nigra. Seit dem Zweiten Weltkrieg sei in der Stadt so etwas Schreckliches nicht mehr passiert. Die Rettungskräfte seien an die Grenze dessen gekommen, "was man Menschen zumuten kann". Zu der Gedenkveranstaltung kamen hunderte Menschen vor die Porta Nigra.

"Furchtbares Ereignis in dieser schönen Stadt"

Dreyer legte bei der Gedenkveranstaltung einen Kranz nieder. "Es ist ein furchtbares Ereignis hier in dieser schönen Stadt", sagte sie. Niemand habe sich vorstellen können, dass in Trier so etwas passiert. Was auch immer den Amokfahrer zu seiner Tat gebracht habe, "nichts, wirklich gar nichts, kann diese brutale und schreckliche Tat rechtfertigen", sagte die Ministerpräsidentin. Leibe appellierte an die Teilnehmer der Veranstaltung, die derzeit in der Stadt zu spürende Solidarität für die kommenden Wochen und Monate aufrecht zu erhalten.

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Familien und Freunden der Opfer sein Mitgefühl bekundet. Er sprach am Mittwoch von einer "entsetzlichen Gewalttat". "Den vielen Verletzten, darunter auch Schwerverletzte, wünsche ich vollständige Genesung. Meine Gedanken sind bei ihnen", so Steinmeier. "Die Stadt steht unter Schock." Er wünsche sich, dass die Menschen in Trier in dieser Situation zusammenhielten.

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Haftbefehl gegen Täter erlassen

Gegen den 51-jährigen Tatverdächtigen wurde am Mittwoch Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Der Mann aus dem Trierer Stadtteil Zewen war zuvor dem Haftrichter vorgeführt worden. Der dringend Tatverdächtige kam in Untersuchungshaft. Wegen Hinweisen auf eine mögliche psychische Erkrankung war auch die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung infrage gekommen. Nach einer Bewertung der bisherigen Erkenntnisse bestünden keine konkreten Anhaltspunkte für einen vollständigen Ausschluss der Schuldfähigkeit, so die Staatsanwaltschaft Trier.

Der in Trier geborene Mann soll am Dienstagnachmittag in Schlangenlinien durch die Trierer Innenstadt gefahren sein und wahllos Menschen überfahren haben. Fünf Menschen starben, darunter ein neun Wochen altes Baby, drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren sowie ein 45 Jahre alter Mann - der Vater des getöteten Babys. Alle stammten aus Trier. Der 45-jährige getötete Vater und seine ebenfalls ums Leben gekommene Tochter hatten zusätzlich die griechische Staatsangehörigkeit, so die Staatsanwaltschaft. 18 weitere Menschen wurden im Verlauf der Amokfahrt verletzt, sechs davon schwer.

Motiv des Amokfahrers unklar

Das Motiv des Mannes ist weiter unklar. In seinen Vernehmungen habe er wechselnde und in Teilen nicht nachvollziehbare Angaben gemacht, aus denen sich bisher weder ein nachvollziehbares Motiv für die Tat noch Einzelheiten zum Tathergang herleiten lassen, so die Staatsanwaltschaft. Die Vernehmung des Beschuldigten werde in den nächsten Tagen fortgesetzt.

Die Staatsanwaltschaft sagte am Dienstag, dass der mutmaßliche Täter nicht vorbestraft sei. Außerdem gebe es derzeit keine Hinweise auf ein terroristisches oder politisches Motiv. Der Beschuldigte sei bei der Festnahme stark alkoholisiert gewesen. Angesichts der sinnlosen Tat "bleibt mir ein stückweit der Atem stehen", so der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen.

Zeugen sollen sich weiter melden

Zur Amokfahrt in Trier haben sich mittlerweile mehr als 220 Zeugen gemeldet. Das hat die Polizei mitgeteilt. Viele Augenzeugen des Verbrechens hätten über 100 Videos und Fotos auf einem eigens dafür eingerichteten Hinweisportal der Polizei hochgeladen. Auch die Anlaufstelle der Polizei auf dem Hauptmarkt werde rege genutzt, sagte ein Sprecher. Dort stehen auch am Donnerstag den ganzen Tag Polizeibeamte bereit, die auch Hilfsangebote für Augenzeugen vermitteln, die traumatisiert sind.

Die Polizei sichert den Tatort nahe der Fußgängerzone, in der ein Auto mehrere Menschen erfasst und nach ersten Erkenntnissen zwei von ihnen tödlich verletzt hat. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, dpa)
In der Trierer Innenstadt hat ein Autofahrer am Dienstagnachmittag mit seinem Wagen zahlreiche Menschen erfasst. dpa Bild in Detailansicht öffnen
Dabei sind mehrere Menschen ums Leben gekommen, darunter auch ein neun Wochen altes Baby. dpa Bild in Detailansicht öffnen
Bei dem Fahrer des Geländewagens handele es sich um einen Deutschen aus dem Kreis Trier-Saarburg, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Trier, Karl-Peter Jochem. Bild in Detailansicht öffnen
Der Fahrer soll mit dem Auto von etwa der Konstantinbasilika über den Hauptmarkt in Richtung der Porta Nigra durch die Fußgängerzone gefahren sein und wahllos Menschen angefahren haben. Bild in Detailansicht öffnen
Die Hintergründe des Vorfalls sind noch unklar. Laut Staatsanwaltschaft war der Mann alkoholisiert und möglicherweise geistig verwirrt. Bild in Detailansicht öffnen
Zahlreiche Rettungskräfte kümmern sich um die Verletzten. Bild in Detailansicht öffnen
Mehrere hundert Rettungskräfte sind in Trier im Einsatz. Bild in Detailansicht öffnen
Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz (beide SPD) machten sich vor Ort ein Bild von der Lage. "Das ist ein schlimmer Tag für unser ganzes Land", sagte Dreyer. picture alliance / dpa Bild in Detailansicht öffnen
Auch Innenminister Roger Lewentz (SPD) zeigte sich geschockt. "Die Bilder gehen keinem aus dem Kopf, das geht zu Herzen." Bild in Detailansicht öffnen
Die Einsatzkräfte in der Trierer Fußgängerzone waren die ganze Nacht im Einsatz. picture alliance / dpa Bild in Detailansicht öffnen
Polizei und Staatsanwaltschaft teilen am Abend auf einer Pressekonferenz mit, es habe vier Tote gegeben. Kurz darauf musste die Zahl auf fünf korrigiert werden. picture alliance/dpa | Oliver Dietze Bild in Detailansicht öffnen
Noch am Abend versammelten sich Trierer zur Andacht im Dom für die Opfer der Todesfahrt. Bild in Detailansicht öffnen
Kerzen vor der Portra Nigra - Gedenken an die Opfer Bild in Detailansicht öffnen
Die Porta Nigra, das Trierer Wahrzeichen, wird Gedenkort für die Opfer. Viele legen dort Blumen und Kerzen nieder. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gedenkt vor der Porta Nigra in Trier der Opfer. Bild in Detailansicht öffnen
Ministerpräsidentin Dreyer (SPD) und Triers OB Leibe (SPD) legen an der Porta Nigra Kränze für die Opfer der Amokfahrt nieder. Bild in Detailansicht öffnen
Trier

Der Liveticker zum Nachlesen Amokfahrt in Trier - Hilfen für Opfer laufen an

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