Ein Pilz aus der Gattung der Täublinge (Foto: SWR)

Tipps vom Experten

Worauf Sie beim Pilze sammeln achten sollten!

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Frederik Herrmann

Der Spätherbst lädt noch mal zum Pilzesammeln ein. Wer sich auskennt, findet sie aber fast zu jeder Jahreszeit. Damit kein giftiger Pilz im Körbchen landet, sind ein paar Regeln zu beachten.

Dominick Bryndza läuft durch ein Waldstück in Sirzenich bei Trier. Der Pilzliebhaber hat schon ein paar große und kleine Exemplare in seinem Korb gesammelt. Pilze wachsen eigentlich das ganze Jahr, sagt Bryndza. Im Frühjahr gibt es Morcheln, im Sommer wächst der Sommerseitling und im Winter sind verschiedene Pilze wie der Austernseitling zu finden.

Dominick Bryndza Pilzliebhaber aus Trier (Foto: SWR)
Dominick Bryndza aus Trier beschäftigt sich seit Jahren mit Pilzen. Jetzt macht er eine Ausbildung zum Pilzsachvertändigen, um sein Wissen zu teilen und aufzuklären.

Pilze wachsen im feuchtem Laub, auf morschem Holz und auf Wiesen. Nach Regentagen sprießen sie förmlich aus dem Boden. Doch der Klimawandel ist auch im Reich der Pilze angekommen.

"Dieses Jahr war es so trocken, dass es über Monate kaum Pilze gab"

Hauptsaison für Pilze ist fast vorbei

Die Hauptsaison für Pilze ist vom Spätsommer bis in den frühen Herbst. Doch auch im November sind noch viele zu finden, sagt Dominick Bryndza. Es kommt darauf an, wo sie gesucht werden, sagt der künftige Pilzsachverständige.

Welche Pilze sind essbar oder giftig?

Wie viele verschiedene Arten es an Pilzen gibt, kann nur geschätzt werden. So sollen es nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mykologie bis zu 3,8 Millionen verschiedene Arten geben. Mehr als es Tiere und Pflanzen gibt.

Viele von ihnen können gegessen werden. Aber von einigen sollten besser die Finger gelassen werden. Die sind unverträglich und giftig, manche können sogar tödlich sein.

Pilze richtig bestimmen

Wer also nach essbaren Pilzen sucht, muss diese erst einmal richtig erkennen und bestimmen. Farbe, Größe und Form geben Hinweise auf die genaue Art. Auch der Geruch eines Pilzes kann hilfreich sein, sagt Dominick Bryndza. In manchen Fällen kann auch eine kleine Geschmacksprobe bei der genauen Bestimmung helfen.

Dies sollte jedoch nur bei bestimmten Gattungen gemacht werden und auch nur wenn man sich bereits auskennt. In manchen Fällen können nämlich schon geringe Mengen ausreichen, um Organschäden zu verursachen.

Ein Pilz der Gattung der Stockschwämmchen. (Foto: SWR)
Mehrere Stockschwämmchen wachsen auf einem Stück Holz auf dem Waldboden. Ein guter Suppenpilz, empfiehlt Pilzexperte Dominick Bryndza. Bild in Detailansicht öffnen
Der Dickblättrige-Schwärz-Täubling gilt teilweise als essbar, teilweise wird vom Verzehr abgeraten. Man kann ihn gut an seinen markanten, teils weit voneinander abstehenden Lamellen erkennen. Bild in Detailansicht öffnen
Ein einsamer langstiliger Knoblauchschwindling. In geringen Mengen kann er als Würzpilz verwendet werden, größere Mengen sind dagegen unverträglich. Bild in Detailansicht öffnen
Auch das ist ein Pilz. Flechten stellen Lebensgemeinschaften zwischen einem oder mehreren Lebensformen dar. Sie bilden dabei eine Symbiose. Bild in Detailansicht öffnen
Ein noch junger Pilz aus der Gattung der Tintlinge. Bild in Detailansicht öffnen
Ein älterer Pilz aus der Gattung der Tintlinge. Mit der Zeit verläuft er zu Tinte. Früher wurde diese tatsächlich zum Schreiben verwendet. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Pilz aus der Gattung der Korallenpilze. Seine genaue Art ist jedoch auch für Profis nicht einfach zu bestimmen. Probieren sollte man ihn nicht. Er ist giftig. Bild in Detailansicht öffnen
Die Herbsttrompete wird auch Totentrompete genannt. Der Name täuscht, denn dieser Pilz ist ein guter Speisepilz. Er gilt gerade bei Neulingen als sehr beliebt, weil er einfach zu bestimmen ist. Bild in Detailansicht öffnen
Die Gattung der Täublinge ist äußerst umfrangreich. Die genaue Art dieses Pilzes kann über eine Geschmacksprobe bestimmt werden. Schmeckt er mild, ist er essbar, ist er scharf oder bitter, sollte man lieber die Finger von ihm lassen. Unerfahrene sollten allerdings auf eine Geschmacksprobe zur Bestimmung verzichten. Bild in Detailansicht öffnen
Dieser Gift-Häubling ist sehr tückisch. 100 Gramm können schon tödlich sein. 12 Stunden nach dem Verzehr treten starke Symptome auf. Anschließend beruhigt sich der Körper wieder. Erst nach Tagen tritt dann ein Leberschaden ein. Bild in Detailansicht öffnen
Der Grünblättrige Schwefelkopf wird auch als Färbemittel genutzt. Beispielsweise für Wolle. Bild in Detailansicht öffnen

Sachbuch oder App?

Um einen Pilz richtig zu bestimmen, sind seine Merkmale wichtig. Wie groß ist der Stil des Pilzes? Welche Form hat sein Hut? Wächst er auf der Wiese oder auf altem Holz? Die Merkmale können dann mit einem Sachbuch abgeglichen werden. Zusätzlich gibt es auch zahlreiche Apps, die versprechen, bei der Bestimmung nützlich zu sein.

Dominick Bryndza warnt aber davor, den Apps vorschnell zu vertrauen. Er hat schon erlebt, wie bei bei Sammeltouren durch den Wald giftige Pilze nicht von einer App bestimmt werden konnten. Auch jetzt, bei seinem Spaziergang durch den Wald, lag die App bei einem Pilz daneben.

"Das Thema ist noch zu komplex, um von einer App wirklich erfasst werden zu können."

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Tipps für sicheres Pilze sammeln

Damit beim Pilzesammeln im Wald nichts schief geht und dem Pilzgenuss zu Hause nichts im Wege steht, empfiehlt Dominik Bryndza folgende Regeln zu beachten:

  • Nehmen Sie sich Zeit für die Bestimmung. Dabei sollten die Merkmale der Pilze genau mit den beschriebenen Merkmalen aus einem Sachbuch abgeglichen werden. So kann die genaue Art und Gattung des Pilzes bestimmt werden.
  • Sammeln Sie nur so viele Pilze, wie Sie auch selbst verzehren können. In Deutschland ist es erlaubt, 500 Gramm bis zwei Kilogramm an Pilzen pro Person und Tag zu sammeln.
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