Tierheim Trier (Foto: SWR, Andrea Meisberger)

Fehlende Spenden, Personalmangel und schimmelnde Gebäude

So schlecht ist die finanzielle Lage des Tierheims Trier

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Andrea Meisberger
Andrea Meisberger: Multimediale Reporterin SWR Studio Trier (Foto: SWR, Andrea Meisberger)

Finanziell geht es dem Tierheim Trier schlecht. Spenden fehlen, die Gebäude sind verschimmelt und Personal fehlt auch.

Insgesamt sind im Tierheim Trier in Trier-Zewen aktuell 105 Tiere untergebracht. Unter anderem 36 Hunde und 48 Katzen. Damit ist das Tierheim voll, sagt Ulrich Antz. Er ist der Vorsitzende des Trägervereins, Tierschutzverein Trier e.V.. Mehr Tiere könne das Tierheim nicht aufnehmen. Das habe bauliche, finanzielle und personelle Gründe.

Gebäude des Tierheims in schlechtem Zustand

Die Zustände der Gebäude des Trierer Tierheims sind schlecht, gesteht Antz. Das frühere Naturfreundehaus, in dem sich bis vor einigen Jahren noch das Lager und Personalräume befunden hätten, sei vom Schimmel befallen. An der Tür hängt ein Schild: "Schimmelbefall - Personalräume nicht nutzbar. Betreten verboten". Auch in anderen Gebäuden habe sich mittlerweile Schimmel gebildet.

Tierheim Trier (Foto: SWR, Andrea Meisberger)
Das ehemalige Naturfreundehaus soll eigentlich abgerissen werden. Darin befanden sich bis vor einigen Jahren Personalräume und Lager. Doch die Räume sind mit Schimmel befallen. Andrea Meisberger Bild in Detailansicht öffnen
An der Tür weist ein Schild darauf hin, dass das Gebäude nicht betreten werden darf. In dem Raum riecht es muffig. Andrea Meisberger Bild in Detailansicht öffnen
Ein Abriss und Neubau des Gebäudes ist nach Angaben des Vorsitzenden des Tierschutzereins Trier aus finanziellen und wirtschaftlichen Gründen nicht möglich. Andrea Meisberger Bild in Detailansicht öffnen
Auch die anderen Gebäude seien teilweise mit Schimmel befallen. Ein weiteres Problem sei das fehlende Licht auf dem Gelände. Zwei Strahler würden notdürftig helfen. Zudem gebe es keinen Löschwasseranschluss auf dem Gelände, von dem die Feuerwehr im Ernstfall Wasser beziehen könnte, so Ulrich Antz. Andrea Meisberger Bild in Detailansicht öffnen

Aber auch andere bauliche Gegebenheiten seien problematisch, so Antz. Beispielsweise gebe es keinen Löschwasseranschluss im Tierheim. Auch Lampen gebe es auf dem Außengelände nicht, sodass es im Winter stockfinster sei. Zwei Strahler sollen aushelfen. Doch die seien kaputt. Zudem sei das Vermittlungsbüro derzeit in einem Container untergebracht, weil keine Räume zur Verfügung stünden.

Geld fehlt an allen Ecken und Enden

Am liebsten würde Ulrich Antz das Tierheim Trier komplett erneuern. Doch würde man alle Gebäude abreißen und neu bauen, würde das um die fünf Millionen Euro kosten. Dass das nicht möglich ist, weiß er. Aber selbst das am stärksten vom Schimmel befallene Gebäude abzureißen und neu zu bauen, sei finanziell nicht drin. Stattdessen werden viele kleine Investitionen gemacht, die jedoch auch noch deutlich über dem Budget des Tierheims liegen.

"Wir haben einen Finanzbedarf in diesem Jahr von circa 800.000 Euro, wovon wir aus eigener Kraft aber nur 450.000 decken können."

Spenden um 70 Prozent zurückgegangen

Dass dem Tierheim Geld fehlt, liegt laut dem Vorsitzenden auch an den zurückgegangenen Spenden. Demnach seinen die Spenden um 70 Prozent zurückgegangen. Gründe dafür sieht er vor allem in den steigenden Energiepreisen und darin, dass alles teurer wird. Die Menschen hätten Angst. Aber auch der Ukraine-Krieg sei ein Faktor.

Tierheim Trier (Foto: SWR, Andrea Meisberger)
Ulrich Antz ist enttäuscht über die seiner Ansicht nach fehlende Wertschätzung, die dem Tierheim entgegengebracht wird. Andrea Meisberger

Generell sei die Bereitschaft zu spenden in Deutschland immer noch sehr hoch. Es sei viel mehr eine Frage der Prioritäten, die die Menschen setzen würden. So habe er eine Spendendose in einem Geschäft aufstellen wollen. Das sei ihm verwehrt worden.

"Da kam dann lediglich der Hinweis: Wir haben eine Spendendose für die Ukraine, das reicht"

Mehr Unterstützung des Tierheims durch die Politik gefordert

Antz kritisiert vor allem lokale Politiker, sich nicht genügend für das Tierheim einzusetzen. Auch aus Trier-Zewen direkt.

"Da wird dann gesagt: Ihr wollt doch eh nur Geld. Kommt in zwei Jahren wieder. Kriegt ihr von uns nicht."

Der Ortsvorsteher von Trier-Zewen, Christoph Schnorpfeil, weist die Kritik, dass man das Tierheim nicht unterstützen wolle, zurück. Das Budget des Ortsteils sei bis einschließlich 2023 gebunden. Eine finanzielle Unterstützung sei deshalb derzeit nicht möglich. Zudem müsse das Tierheim einen Antrag stellen, über den dann im Ortsbeirat abgestimmt werde.

Stadt unterstützt Tierheim Trier - nimmt aber auch umliegende Kommunen in die Pflicht

Auch mit der Stadt Trier habe man Gespräche über die problematische Lage des Tierheims geführt, so Antz. Dabei sei man grundsätzlich auf offene Ohren gestoßen.

Insgesamt unterstützt die Stadt das Tierheim nach eigenen Angaben mit 40.000 Euro im Jahr. Die finanzielle Unterstützung auszuweiten sei schwierig, so die Stadt, da nur ein bestimmter Geldbetrag für derartige Unterstützungen zur Verfügung stünde und diese dann in anderen Bereichen, wie beispielsweise Sportvereinen, wegfallen würden. Einen Zuschuss für den Bau eines neuen Gebäudes in Höhe von 150.000 Euro habe die Stadt bereits 2017 beschlossen.

Die Stadt fordert jedoch auch die umliegenden Kommunen auf, das Tierheim zu unterstützen. Denn das Tierheim liege zwar in Trier, nehme jedoch auch Tiere aus den Verbandsgemeinden in der ganzen Region auf.

Fehlende Unterstützung zeige fehlende Wertschätzung für die Arbeit des Tierheims

Das Tierheim übernehme eine gesellschaftliche Aufgabe, so Antz. Dass die finanzielle Unterstützung von Teilen der Politik fehle, zeige die fehlende Wertschätzung der Arbeit, die das Tierheim leiste.

Schließlich nehme das Tierheim den Leuten Verantwortung ab, die ihrer Verantwortung gegenüber den Tieren nicht mehr nachkommen können oder wollen. Zudem nehme das Tierheim den Kommunen die Verantwortung ab, Fundtiere oder beschlagnahmte Tiere zu versorgen.

"Der Tierschutz und die Tierliebe rangiert sehr hoch. Aber die Menschen, die das Tag für Tag umsetzen und damit zu tun haben, die rangieren sehr weit hinten."

Personalmangel macht die Arbeit im Tierheim schwer

Fehlendes Personal mache die Arbeit schwer, so Antz. Zwei weitere qualifizierte Tierpfleger und eine Tierheimleitung fehlen dem Vorsitzenden des Tierschutzvereins nach eigenen Angaben derzeit. Insgesamt gebe es in ganz Deutschland nur sieben Tierpfleger, die eine Stelle suchten. Vier davon wollten jedoch in Zoos arbeiten und die restlichen drei seien regional gebunden. In den letzten zehn Jahren sei keine einzige Bewerbung eingegangen. Ohne die ganzen Ehrenamtlichen wäre der Betrieb nicht aufrecht zu erhalten.

"Wir sind an der obersten Grenze der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter."

Tierheim Trier (Foto: SWR, Andrea Meisberger)
Zahlreiche Ehrenamtliche unterstützen den Verein. Ohne diese sei das auch nicht zu schaffen, so Ulrich Antz. Jona geht regelmäßig mit der Hündin Nala spazieren. Zwei Stunden am Tag führt er Hunde aus. Andrea Meisberger

Imageproblem verschärft Personalmangel

Das Tierheim Trier habe aufgrund der Vergangenheit, die von internen Streitigkeiten geprägt war, ein starkes Imageproblem. Die baulichen Zustände des Tierheims verschärften das noch. Damit hätte das Tierheim in der "Community der Tierpfleger", wie Antz sie nennt, keinen guten Ruf. Dadurch sei es zusätzlich schwer, Personal zu finden.

Neuer Auftritt soll Image des Tierheims verbessern

Ulrich Antz ist erst seit Ende Oktober im Amt. Seither habe er schon einiges verändern können. Ein Ansatz: Er geht offen mit der Problematik um, will aber nicht betteln. Zudem habe er den Auftritt des Tierheims erneuert. Ein neues Logo und eine neue Homepage gebe es bereits. Man sei deutlich aktiver in den sozialen Netzwerken geworden und suche das direkte und transparente Gespräch mit Sponsoren und Partnern.

"Wir haben zwar einen schlechten Start, aber ich bin jemand, der sehr positiv gestimmt ist. Und ich will dieses Tierheim auch morgen noch betreiben, aber auf einem höheren Niveau."

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