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Die Corona-Lockerungen stellen die Tierheime vor Probleme. Viele, die sich im Lockdown ein Tier angeschafft haben, wollen es jetzt nicht mehr. Das hat Konsequenzen.

Im Tierheim in Trier ist viel los. Die Hunde bellen, Pflegerinnen und Pfleger laufen hin und her. Dass hier so viel Betrieb ist, liegt an den gelockerten Corona-Maßnahmen, sagt Inge Wanken, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Trier und Umgebung.

Hunde und Kaninchen werden am häufigsten abgegeben

Die Nachfrage nach Tieren während des Lockdowns sei riesig gewesen, erzählt Inge Wanken. Doch das räche sich jetzt. Viele würden jetzt feststellen, dass ihnen die Tiere doch zu viel Arbeit seien oder sie lieber in den Urlaub fahren würden.

Kaninchen im Tierheim Trier (Foto: SWR, Andrea Meisberger)
Diese beiden Kaninchen wurden in einer Zoo-Handlung während des Lockdowns gekauft. Die ehemaligen Besitzer kamen dann ins Tierheim und sagten, die beiden würden sich nicht vertragen, erzählt Inge Wanken. Die Tierpflegerin sieht darin allerdings eine Ausrede. Andrea Meisberger

Hunde und Kaninchen landen oft im Tierheim

Besonders Hunde und Kaninchen würden abgegeben. Allein in den letzten zwei Wochen seien fünf Hunde abgegeben worden, sechs stünden noch auf der Warteliste und sollen auch im Tierheim Trier unterkommen. Insgesamt sind hier aktuell 28 Hunde. Auch Kaninchen werden seit dem Ende des Lockdowns vermehrt zurück- oder abgegeben. 14 Stück seien es bisher gewesen.

"Für die Tiere ist das ausgesprochen schlimm."

Tiere aus dem Internet

Viele hätten sich im Corona-Lockdown auch Tiere im Internet gekauft, sagt Inge Wanken. Viele hätten einfach nicht bedacht, dass Tiere auch lernen müssen, allein zu bleiben. Jetzt, wenn viele wieder arbeiten gehen, stellten sie dann fest, dass das nicht funktioniere. Und dann werde es den meisten zu viel.

"Es ist schwierig, wenn Verkäufer keine Vorkontrollen machen und sich niemand mit dem Problem auseinandersetzt: Was ist nach Corona?"

Menschen kommen mit Ausreden

Inge Wanken erzählt, nur wenige hätten wirklich den Mut, zuzugeben, dass sie mit einem Tier überfordert seien. Viele hätten aber Ausreden, wie Allergien oder dass der Hund sich nicht mit den Familienmitgliedern vertrage. Andere behaupteten sogar, sie hätten ein Tier gefunden, dabei sei es ihr eigenes, so Wanken.

Immer mehr ausgesetzte Tiere

Viele Besitzer bringen ihre Tiere jedoch nicht einmal bis zum Tierheim. Stattdessen würden die Tiere einfach irgendwo - zum Beispiel in Trier-West - ausgesetzt, sagt Inge Wanken.

Kaninchen im Trierheim Trier (Foto: SWR, Andrea Meisberger)
14 Kaninchen wurden nach dem Lockdown nun schon abgegeben. Inge Wanken befürchtet, dass es in den Sommerferien noch schlimmer werden könnte. Sie geht davon aus, dass viele sich nicht die Mühe machen werden, die Tiere ins Tierheim zu bringen, sondern sie stattdessen in einem Karton auf einem Parkplatz abstellen. Andrea Meisberger

Das Aussetzen von Haustieren sei in vielerlei Hinsicht problematisch. Nicht nur, dass die Tiere leiden würden oder sterben könnten, wenn sie irgendwo einfach in einem Karton abgestellt werden. Pflegerinnen und Pfleger im Tierheim wüssten dann oft nicht, was mit den Tieren ist, ob sie beispielsweise Vorerkrankungen haben.

Urlaubszeit als kritischste Zeit

Inge Wanken befürchtet, dass noch mehr Tiere ins Tierheim kommen, wenn die Sommerferien losgehen. Denn viele würden jetzt wieder in den Urlaub fahren wollen. Das Problem sei, dass die Tiere dann entweder wochenlang alleine zu Hause seien, im Tierheim abgegeben oder im schlimmsten Fall ausgesetzt werden und dann doch im Tierheim landen.

Tierheim Trier hat bald Platzproblem

Irgendwann stünde das Tierheim auch vor einem Platzproblem, sagt Inge Wanken. Denn die Tiere sollen artgerecht gehalten werden. Noch seien die Kapazitäten da, aber das könne sich sehr schnell ändern.

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